Musa über „Berliner Negritude“ und seine Ziele

BSMG (Ghanaian Stallion, Megaloh und Musa) – als Teil dieser Konstellation ist Musa für die meisten das erste Mal auf der Bildfläche erschienen. Doch hinter der Oberfläche steckt mehr. Die drei Berliner machen seit Tag eins zusammen Musik. Nicht überraschend also, dass Stallion seinen Kumpel und Mitbewohner Musa für sein Debutprojekt „Berliner Negritude“ als Executive Producer unterstützt hat. Passend zum Release seines Projektes haben wir uns mit dem Berliner unterhalten, um herauszufinden, wer er als Solo-Künstler ist und was er anstrebt.

 

Wenn das Kind unbedingt einen Namen braucht, nennt es Ghetto-Gospel, Conscious Trap.

Wer schon einmal als Außenstehender in akademischen Kreisen unterwegs war, kennt dieses Gefühl: alle reden, niemand macht etwas. Musa dagegen weiß trotz seines Studiums, dass er nicht unbedingt „ein rappender Professor sein will.“ Anders als es andere Akademiker oft anstreben, möchte der Politik- und Geschichtswissenschaftler Menschen mit seiner Musik erreichen und Ihnen etwas zum nachdenken mitgeben, ohne ihnen den Zugang dazu zu schwierig zu gestalten. Die musikalischen Inspirationsquellen des Berliners entspringen dabei neben allen möglichen Hip-Hop-Variationen auch Reggae oder Afrobeat. 

Stallion schafft es mit seinen Produktionen eine Symbiose von trappigen Nummern und dem Soul der 90s zu liefern. 

©Urban Tree Media

Aber genau, wie sein Produzent  Ghanaian Stallion, ist er niemand, der sich auf ein fixes Soundbild festlegt, um sich auszudrücken. Als bekennender Dirty South Fan der ersten Stunde macht er keinen Hehl daraus, dass sein Sound sehr von Trap inspiriert ist, um seiner Message die passende Verpackung zu liefern. Mischt man dazu noch Musas Kindheit als 90s Baby und ein wenig Afrobeat, wirkt es kaum akademisch, wenn er von hegemonialen Strukturen erzählt. Im Gegenteil, der Aufbau der Musik sorgt dafür, dass die Delivery von komplexen Themen auch mal leichter fällt. Auf die Frage, wie sich die Arbeit der beiden Berliner an „Berliner Negritude“ dargestellt hat, gibt es nicht „die Antwort“. Von Skizzen mit einer Autotune App über das gemeinsame Produzieren in der WG, bis hin zur Fertigstellung der Tracks im Studio, hätte sich der Arbeitsprozess dabei kaum vielseitiger gestalten können. Und als wäre die Fertigstellung des Debuts nicht schon genug, war da ständig dieser innere Konflikt. Uni oder Musik? Aktuell sieht es ganz so aus, als ob beides klappt.

Es ist schwierig, weil ich manchmal das Gefühl habe, in beidem nicht so weiterzukommen. Man denkt, man verschwendet seine Zeit. Ich habe oft das Gefühl, ich müsse mich für eine Sache entscheiden.

©Urban Tree Media

Ja, ich sage etwas aus schwarzer Perspektive. Das ist halt unser Kontext. Es ist ’ne normale Sache, dass Leute aus ihrer Perspektive reden.

Musa erzählt Geschichten, die er fühlt und erlebt hat. Mit zwölf Jahren gelang er über Umwege in die USA, nachdem seine Familie und er ausgewiesen worden sind. Vor der Rückkehr nach Deutschland als Asylanten, gingen seine Familie und er nach Sierra Leone. Aufgrund des Bürgerkriegs dort nach Guinea und von dort aus als Asylanten zurück nach Deutschland. Da er sich dadurch gezwungenermaßen mit seinem politischen Status auseinandersetzen musste, wurde langsam sein politisches Bewusstsein geweckt. Prägend war in dieser Zeit schlichtweg, was Musa mit seinen eigenen Augen gesehen hat. Bilder, die ihm vermittelt wurden, entsprachen schlichtweg nicht der Realität. Musa will für Klarheit sorgen.

 

Nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen hat Musa einiges parat. Sein Label und er haben gemeinsam für das Video zu seinem „Intro“ eindrucksvoll die Resultate des Rechtsrucks, der durch Europa geht, für Geflüchtete visualisiert. Im Video spielt Musa einen Geflüchteten, der von zwei Männern, die „Grenzschutz“ als Dienst für’s Vaterland ansehen, mit Flinten  durch den Wald gejagt wird. Im parallelen Handlungsstrang sieht man den Berliner vor einem Wald aus Bildschirmen, die das Blickfeld Musas mit Problem dieser Welt füllen. Gepaart mit den Lyrics zu Musas Lebensgeschichte schafft das Team von Urban Tree Music damit, eindrücklich zu veranschaulichen, was in den Köpfen von so vielen Menschen schief läuft, die die Augen vor der Realität zu machen und nicht gewillt sind, zu sehen, was außerhalb ihres Mikrokosmos‘ auf der Welt geschieht. 

BSMG ist die Pilotfolge und Bln Ngrtd ist mein Prequel dazu – shout out an alle Partisanen.

Welche Inspiration Musa dir mit seinem Projekt Berliner Negritude“ bietet, kannst du ab dem 15.03. selbst erfahren.

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