Mudi: „Ich habe Gangster-Rapper weich gemacht.“

Wussten deine Eltern, dass du so einen Song planst oder bist du direkt mit dem Video um die Ecke gekommen?

Mudi: Meine Mutter wusste das. Ich habe ja auch viel mit ihr darüber geredet um ein paar Stichpunkte von ihr zu holen. Aber mein Vater hat es erst mit dem Video zusammen erfahren. Da hat er auch gemeckert: „Warum hast du nur deine Mutter gefragt? Ich hätte dir auch noch Sachen sagen können.“ (lacht)


In deiner #waslos-Folge hast du auch gesagt, dass du Fotos von geritzten Armen bekommen hast…

Mudi: Ich probiere ja alle Nachrichten zu beantworten die ich bekomme. Zumindest alle die seriös sind. Irgendwann habe ich ein Foto von einem jüngeren Mädchen bekommen, das sich die Arme geritzt hat. Ich dachte das wäre eine Verarsche und habe nur ein Fragezeichen zurück geschickt. Dann hat sie mir noch ein Foto gesendet und dazu geschrieben, dass meine Lieder sie aufmuntern würden. Daraufhin hat sie von mir erst mal einen krassen Roman bekommen, dass mich das nicht freut wenn sie sowas macht und das meine Lieder nicht zum ritzen gemacht sind, sondern um Menschen aufzumuntern und ihnen Kraft zu geben. Es gibt schon Nachrichten die mich richtig krass treffen und dann versucht man natürlich zu helfen, aber im Endeffekt bin ich für die meisten ja auch nur eine fremde Person. Ich kann nicht viel machen außer gute Worte zu sprechen. Aber das ist ja genau der Grund warum ich Musik mache. Ich will ja leidenden Menschen ein Stück Halt geben.

Was war das positivste was du in einem Fan-Kontext jemals erlebt hast?

Mudi: Vor kurzem hat mir ein Junge ein Foto von seiner Tochter geschickt und gesagt, dass er sie „Züleyha“ getauft hat. Das hat mich richtig gefreut.


Ist Züleyha eigentlich autobiographisch?

Mudi: Das ist eine Geschichte aus der Türkei. Die Geschichte kenne ich schon länger und das hat mich einfach beschäftigt. Ich habe noch ein bisschen von meinen Worten und meiner Geschichte mit rein gebracht. Dieses: „Dein Vater akzeptierte mich, ob Kurde oder Araber/ Ihm war es scheiß egal, Hauptsache ich war für seine Tochter da/“ ist ja ein Teil von mir. Das ist auch meine persönliche Meinung zu dem Nationalstolz von manchen Leuten. Ob Türke, Kurde oder Araber– im Endeffekt sind wir alle gleich. Wir haben alle denselben Glauben und vor allem sind wir alle Menschen. Nationalstolz ist so eine Sache, Bruder. Das kann ich gar nicht leiden. Das sage ich auch jedem der mir sowas schreibt wie: „Ich feier dich. Du bist Kurde.“ oder „Ich feier dich. Du bist Araber.“ Ich sage dann immer: „Feier mich wegen meinem Charakter oder meiner Musik. Ich kann ja alles sein und diese Musik machen. Feiert man mich dann nicht mehr?“ Man soll natürlich nicht vergessen woher man kommt, aber man muss es auch nicht übertreiben. Mein Vater ist Kurde und ich bin stolzer Kurde. Meine Mutter ist Libanesin und ich bin genauso stolzer Libanese. Warum soll man eine Seite leugnen? Die Frau die mich auf die Welt gebracht hat, kommt aus dem Libanon. Ich liebe sie und ich liebe meine Heimat dort.

Feier mich wegen meinem Charakter oder meiner Musik. Ich kann ja alles sein und diese Musik machen. Feiert man mich dann nicht mehr?

Über deine Heimat sprichst du auch auf deinem Album. „Mittelmeer“ feat. Raf Camora geht um Heimweh. Wann warst du das letzte Mal in der Heimat?

Mudi: Das war 2010. Ich hoffe auch mal wieder dahin zu kommen, aber ich sage dir ganz ehrlich: seit meine Oma gestorben ist, habe ich auch gar nicht mehr so Bock auf das Land. Sie war unser einziger Bezugspunkt dort. Meine ganze Kindheit und ganz Libanon verbinde ich mit ihr. Wenn ich da war, war sie auch da. Als wir 2010 Urlaub da gemacht haben, war sie schon verstorben und das war sehr anders. Es war sehr kalt und meine Mutter war auch nicht dieselbe. Es ist nicht mehr das, was es mal war. Wenn ich noch mal runter gehe, gehe ich nicht in unsere Wohnung, sondern suche mir ein Hotel damit ich das Feeling nicht habe das etwas fehlt. Egal wo wir waren, sie war auch da. Das hat einen bitteren Beigeschmack.

Zum Schluss musst du mir noch ein Zitat von „Hayat“ erklären. Du sagst: „Ich habe Gangster-Rapper weich gemacht.“

Mudi: Die Leute da draußen sagen immer Gangster würden ohne Herz und Gefühle handeln. Diejenigen „Gangster“, die zuerst gesagt haben meine Musik sei nicht gut, waren dann die ersten die zu mir gekommen sind und das Gegenteil behauptet haben. Darum habe ich Gangster-Rapper weich gemacht.

Diejenigen „Gangster“, die zuerst gesagt haben meine Musik sei nicht gut, waren dann die ersten die zu mir gekommen sind und das Gegenteil behauptet haben

Letzte Worte von dir? Was passiert nach dem Albumrelease?

Mudi: Ich bin direkt am nächsten Album dran. Jetzt kommt aber erst mal „Hayat“ und dann ist ja auch fast schon Ramadan. Danach vielleicht ein bisschen Urlaub und dann wieder direkt ins Studio.

 

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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