Mudi: „Ich habe Gangster-Rapper weich gemacht.“

Mudi

Du erwähnst İbrahim Tatlıses auch mehrmals auf deinem Album. Was genau ist dein Bezug zu ihm?

Mudi: Mein Bezug zu ihm ist, dass er mich in meinen Texten sehr stark inspiriert. Privat bin ich ein richtiger Hardcore-Fan von ihm. Ich höre auch meistens nur seine Musik. Er ist einfach ein wahnsinniger Künstler. Seine Melodien, wie er sich in seinen Texten ausdrückt, wie er mit der Sprache spielt und wie er Wörter setzt, gibt es so einfach nur bei Ibo. Das berührt mich und prägt mich daher auch in meinen Liedern. Er sagt nicht einfach: „Ich liebe dich“ oder „Ich gebe dir mein Herz“ sondern er beschreibt Sachen so krass, dass es einen trifft. Das versuche ich auch in meiner Musik. Ein „Hallo, ich liebe dich“ wäre mir zu stumpf. Ich möchte das lieber durch die Blume in einem Gedicht sagen.

Erinnerst du dich wie es für dich war, als 2011 auf İbrahim Tatlıses geschossen wurde und man sogar mit seinem Tod gerechnet hat?

 Mudi: Natürlich. Ich war richtig traurig. Ich war da gerade Zuhause und habe das im Internet gelesen – ich dachte sogar zuerst er wäre dabei gestorben. Mein Cousin und ich sind beide richtig krasse Fans und ich habe ihn direkt angerufen und gesagt: „Bruder, hast du gelesen was mit Ibo passiert ist? Er wurde angeschossen!“ Wir waren beide voll schockiert und haben das tagelang verfolgt, ob er überlebt oder nicht. Dann wurde er ja sogar in Deutschland behandelt. Wir haben jeden Tag geguckt ob es schon was Neues gibt. Das war auf jeden Fall richtig traurig, Alter.

Du hast mal gesagt das Deutsch für dich eine kalte Sprache ist. Wie gehst du dann an einen Song, damit er so wird wie du ihn dir vorstellst?

Mudi: Ich mache die Sprache wärmer, indem ich Sachen ausschmücke für die sich die meisten vielleicht schämen würden. Viele Fans schreiben mir als Feedback: „Bruder, du sprichst mir aus der Seele. Du sagst das, was ich nicht sagen will oder sagen kann.“ Deswegen sage ich, dass es als Junge oder Mann nicht schlimm ist zu sagen, dass man verarscht oder verletzt wurde. Es ist nicht schlimm zu sagen, dass man von innen kaputt ist. Wir sind alles Menschen und selbst der schlimmste Gangster würde weinen wenn jemand stirbt den er liebt. Wenn nicht, dann bist du nicht hart, sondern hast einfach kein Herz. Die Leute denken ja die meisten Texte handeln von mir selbst und darum wäre ich innerlich voll kaputt. Das ist aber nicht so. Nicht alle Songs die ich mache, handeln von meinem Privatleben. Das was ich sehe und erlebe oder das was in meinem Umfeld passiert, packe ich in meine Musik. Die Schicksalsschläge die man so mitbekommt, wandele ich in Musik um. Wenn ich dann damit jemandem aus der Seele sprechen oder sogar jemandem helfen kann – warum soll ich das dann nicht machen? Das ist ja immer noch real. Das sind immer noch Sachen, die in meinem Umfeld passieren, die mir nah sind und die Freunde von mir betreffen. Ich höre auch häufiger, dass alle meine Fans kleine Mädchen sind. Das ist auch nicht so. Mir schreiben Leute mit Kutten, dass meine Texte sie aufbauen. Meine Lieder kommen nicht nur bei Kids, sondern auch bei erwachsenen, gestandenen Männern und Frauen an. Ich lasse mich bei meinen Texten von meinem Leben inspirieren. Deswegen heißt mein Album ja auch so. Meine musikalische Inspiration kommt, wie schon gesagt, viel von Ibo. Die Melodien und die Sprache sind von ihm beeinflusst, die Texte von meinem „Hayat“. Meine Lieder sind auf jeden Fall eine Stütze für die Leute. Ich wusste ja vorher nicht, dass meine Songs Leuten helfen können. Privat höre ich meine eigene Musik kaum. Dass das so ist, habe ich erst durch das direkte Feedback gemerkt. Plötzlich habe ich aus meinem Umfeld und dann von fremden Leuten gehört, dass meine Musik sie aufbaut. Das war natürlich noch mal extra Ansporn.

Nicht alle Songs die ich mache, handeln von meinem Privatleben. Das was ich sehe und erlebe oder das was in meinem Umfeld passiert, packe ich in meine Musik. Das ist ja immer noch real.

Über Prinz Pi haben wir schon geredet. Außerdem hast du schon mit Pa Sports und Raf Camora zusammen gearbeitet und in den letzten Jahren hat man hier und da immer mal wieder was von dir gehört. Warum kommt das Debütalbum erst jetzt?

Mudi: Um ehrlich zu sein, habe ich Rap nicht so ernst genommen und das nur als Hobby nebenbei gemacht. Ich habe meine Ausbildung und mein Abi gemacht und Musik lief so nebenbei. Währenddessen ist das Alles gewachsen und ich habe gemerkt, dass es immer mehr und vor allem immer größer wird. Irgendwann kannst du dich nicht zurück ziehen und immer nur ein Video auf YouTube hochladen. Die Fans werden davon nicht satt. Die wollen mehr davon und das bin ich denen im Endeffekt auch schuldig. Ich kann nicht immer nur dann einen Song releasen, wenn mir danach ist. Das was ich heute bin, habe ich natürlich Gott und meiner Arbeit, aber genauso meinen Fans zu verdanken. Das klingt abgedroschen, aber die Fans machen mich ja erst zu dem was ich bin. Das Album ist irgendwo auch ein Geschenk für diese Leute und meine Art Dankeschön zu sagen.

Wann war für dich der Punkt erreicht, dass du Musik ernster genommen hast?

Mudi: Einerseits wurden die Fans immer mehr und andererseits hat mein Umfeld mir Druck gemacht und mir immer wieder nahe gelegt, dass ich das alles jetzt ernst nehmen muss. Ich hatte ja sogar eine Zeit lang aufgehört Musik zu machen. Da hatte ich einfach keinen Bock mehr, habe meine Facebook-Seite gelöscht und mich komplett zurück gezogen. Mir wurde diese Internet-Welt zu viel. Wenn du als kleiner Junge, mit 16 oder so, anfängst Kommentare zu kriegen und fremde Leute dir oder sogar über dich schreiben, dann ist das voll ungewohnt für einen. Oder noch krasser: Wenn dich die ersten Leute auf der Straße erkennen und ein Foto haben und mit dir reden wollen – da muss man erst mal mit klar kommen. Für mich war das am Anfang zu viel. Da hatte ich gar keinen Bock drauf. Ich bin sowieso so ein Mensch, der gerne Abstand von Menschenmengen hält. Aber gerade als Musiker oder Person des öffentlichen Lebens ist das richtig schwer und darum war ich auf dem Modus zu sagen: „Ey, ich höre jetzt auf.“ Mein Vater hat mich dann gefragt ob ich bescheuert bin. Er hat mich gefragt: „Wie kannst du mit deinem Hobby aufhören? Wieso lässt du dich von der Außenwelt unterdrücken? Das darfst du nicht beachten! Mach weiter. Du hast Potential!“ Damit hatte er auf jeden Fall auch Recht und darum habe ich dann auch wieder angefangen. Die Pause ging auch nur zwei Monate oder so. Kurz darauf kam dann auch mein Manager Henrik dazu. Ich kannte ihn auch schon von früher, weil er vorher das Management von Prinz Pi gemacht hat. Er hat genauso an mich geglaubt wie The Royals. Mit ihm habe ich dann beschlossen das Ganze professionell durchzuziehen und das Hobby zum Beruf zu machen.

Ich war auf dem Modus zu sagen: „Ey, ich höre jetzt auf.“ Mein Vater hat mich dann gefragt ob ich bescheuert bin.

Deine Ausbildung und deinen Abschluss hast du gerade schon erwähnt. Außerdem hast du vor kurzem gesagt, dass du studierst.

Mudi: (lacht) Das haben die Leute falsch verstanden. Mir haben daraufhin auch viele Leute geschrieben, aber als ich das bei Rooz gesagt habe, war das eher so diese Berliner Ironie. Er hatte gefragt ob ich wegen der Herkunft diskriminiert werde und da meinte ich dann ganz im Gegenteil, dass ich sogar studiere. Das war aber Spaß. Ich wollte aber mal BWL studieren. Meine Ausbildung war auch in dem Bereich und darum war das mal kurzfristig der Plan. Aber seit die Musik so groß geworden ist, habe ich dafür keine Zeit. Um ehrlich zu sein, habe ich die Ausbildung und mein Abi für meine Eltern gemacht. Mein Vater hat zwar immer gesagt: „Du machst das nicht für mich, sondern für dich.“, aber meine Eltern wollten immer, dass ich neben der Musik noch was in der Hand habe. Das war der Hauptgrund für mich.

Apropos Eltern. Letzte Woche ist mit „Die Frau aus dem Libanon“ ein Song über die Kennenlern-Geschichte deiner Eltern erschienen. Ich finde das ist ein bisschen wie eine moderne „Romeo und Julia“-Geschichte. Wie haben deine Eltern darauf reagiert?

Mudi: Meine Mutter fand das natürlich wunderschön. Sie feiert eigentlich sowieso alles was ich mache. Mein Vater hat mittlerweile sowas wie eine Managerrolle eingenommen und ist Kritiker Nummer Eins von seinem Sohn. Er meinte, dass in dem Video ein paar Sachen nicht richtig dargestellt sind. Er meinte: „Ich bin gar nicht mit einem Ghetto Blaster gekommen. Sowas hatten wir gar nicht. Ich bin mit einem Cabrio vorgefahren und habe die Musik laut gemacht.“ Ich meinte dann zu ihm: „Papa, man kann im Video nicht alles eins zu eins so darstellen wie es war.“ Außerdem hat er aus Spaß gesagt er war kein Rebell und ich hätte ihn noch zu gut dargestellt. Aber natürlich hat beiden das Video und der Song sehr gefallen.

Mein Vater hat mittlerweile sowas wie eine Managerrolle eingenommen und ist Kritiker Nummer Eins von seinem Sohn.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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