Mudi: „Ich habe Gangster-Rapper weich gemacht.“

Eigentlich ist Mudi schon lange kein Newcomer mehr. Schon vor vier Jahren lud er vereinzelt Videos über seinen YouTube-Channel hoch und erreichte damit bis heute Klicks in Millionenhöhe. Mit 16 stand er vor der HDF-Kamera und rappte, entgegen der klassischen Halt-die-Fresse-Manier für Frieden, gegen Krieg und eigentlich zu erwachsen für einen Berliner Straßenrapper in seinem Alter. Hier und da konnte man Mudi auf Releases von Prinz Pi oder Pa Sports hören – sonst war es eher ruhig um ihn. Mit „Hayat“, zu deutsch: Leben, debütiert Mudi auf Albumlänge. Mit Hamudi von The Royals hat er sich einen der begehrtesten Produzenten des Landes an die Seite geholt und zusammen mit ihm „Arabeske-Rap“ geschaffen. Inspiriert vom Leben an sich und vor allem von dem türkisch-kurdisch-libanesischem Superstar İbrahim Tatlıses hat Mudi seine eigene Schiene gefunden. Abseits von Beleidigungen und Eigenlob-Hymnen gibt es auf „Hayat“ Musik die Kraft geben soll. 

Anlässlich des anstehenden Releases haben wir mit Mudi seine musikalischen Anfänge Revue passieren lassen, über seinen „Lehrer“ Prinz Pi, seine Familie und Ansischten gesprochen. Auf ein Gespräch mit Mudi.

Klassische Frage zum Einstieg. Dein Debüt steht in den Startlöchern. Bist du schon aufgeregt?

Mudi: Bisschen, Alter. Wir sind jetzt drei Tage vor Release und ich bin langsam hundert prozentig aufgeregt. Davor bin ich noch ein bisschen locker gewesen, aber jetzt kommt das Kribbeln im Bauch auf jeden Fall durch.

Ich würde gerne erst einmal deine Karriere etwas Revue passieren lassen. Das erste Mal habe ich bei HDF von dir gehört. Da warst du im Gegensatz zu den meisten anderen schon viel erwachsener und bist durch deinen Song mit Message statt mit dem klassischen Straßenrap herausgestochen.

Mudi: Ich sage dir ehrlich: Als wir das gedreht haben war ich 16. Da hat es bei mir schon angefangen – ohne mich übertrieben gut darzustellen -, dass es bei mir Klick gemacht hat und ich reifer im Kopf wurde. Ich habe am Anfang ja auch typische Straßenmcke gemacht. Ich bin, in Anführungszeichen, selbst mit meinen Jungs auf der Straße aufgewachsen und wir haben im Jugendfreizeitheim zusammen Musik gemacht. Da waren die Themen natürlich: Gang, Straße, Schöneberg, Neukölln und so. Das habe ich auch alles hinter mir. Aber wie man so schön sagt: Mit dem Alter kommt die Reife und ab einem gewissen Punkt, gerade als ich gemerkt habe, dass Leute mir auch zuhören und auch meine Eltern darauf gucken was ich mache, dachte ich mir: Warum soll ich über die Scheiße rappen die ich erlebt habe statt über meine Erfahrungen?! Wenn mir Leute schon zuhören und mich sogar als Vorbild nehmen, will ich auch versuchen denen was Gutes und Positives mitzugeben.

Aber wie man so schön sagt: Mit dem Alter kommt die Reife und ab einem gewissen Punkt dachte ich mir: Warum soll ich über die Scheiße rappen die ich erlebt habe statt über meine Erfahrungen?!

Deinen HDF-Leitsatz hast du damals an alle Gangster-Rapper gerichtet. Wie stehst du heute zu der Szene?

Mudi: Um ehrlich zu sein habe ich selber privat mit Gangster-Rappern Kontakt. Es ist nicht so, dass ich die verabscheue oder ich die menschlich gar nicht leiden kann. Privat sind viele auch ganz anders, voll liebe Menschen und nur in ihren Videos so wie man sie in der Öffentlichkeit wahr nimmt. Jeder soll sein Ding machen. Ich hasse auch keinen Rapper. Ich persönlich will es anders angehen und das mache ich auch. Ich will nicht das machen was jeder macht, weißt du?

Hamudi von The Royals ist ja nicht nur dein Produzent, sondern auch dein Cousin. Hat sich Musik bei euch beiden parallel entwickelt oder wer hat wen beeinflusst?

Mudi: Hamudi ist wie mein Bruder – er ist auf jeden Fall Familie. Bei mir war es so, dass ich durch einen anderen Cousin von mir dazu gekommen bin. Ich war 15 – das war sogar noch vor meinem HDF. Auf jeden Fall war ich da das erste Mal bei Hamudi im Studio. Da hatte er gerade für Massiv produziert. Ich habe ihm und Youssef, damals waren The Royals noch mehrere Leute, dann gezeigt was ich kann und die beiden waren sozusagen die ersten die an mich geglaubt haben und gesagt haben, dass da Talent drin steckt. Hamudi von The Royals war auch der erste der mir gesagt hat, dass es langsam reicht mit diesen Gangser-Filmen. Er hat gesagt: „Wir wissen was du erlebt hast, wir wissen was du gemacht hast – es reicht.“ Die Jungs haben mich also nicht dazu gebracht Musik zu machen, haben mich aber motiviert mich mehr rein zu hängen und mir mehr Gedanken zu machen. The Royals waren damals ja auch für Prinz Pi aktiv. So habe ich ihn dann auch kennen gelernt. Er ist ja auch derjenige, der mir beigebracht hat richtig Texte zu schreiben, Struktur in meine Songs zu bringen und richtige Hooks zu schreiben.

Wie ist die Arbeit mit jemandem der dir so nahe steht?

Mudi: Hammer. Das ist richtig wichtig, dass ich das mit ihm mache. Natürlich streitet man mal und diskutiert über Sachen, aber ich kann mir nicht vorstellen mit jemandem mehr zu harmonieren als mit Hamudi. Er kennt mich einfach sehr gut. Wir sind auch abseits der Musik jeden Tag zusammen unterwegs. Wir sind privat jeden Tag miteinander. Der weiß wie ich ticke, was für Beats ich haben will und in erster Linie versteht er meine Texte. Ich könnte gar nicht bei Produzenten aufnehmen, die meine Musik nicht mögen, nicht verstehen und das nur als Job sehen. Was soll mir das bringen bei Produzenten aufzunehmen, die zwar einen Namen haben, aber gar nicht verstehen was ich mache?! Bei Hamudi ist das anders. Der versteht mich, der weiß was ich ausdrücken will und wir harmonieren einfach super zusammen.

Du hast gerade die Arbeit mit Prinz Pi angesprochen. Hast du zu ihm dann ein Schüler-Lehrer-Verhältnis?

Mudi: Wir haben uns damals ein Studio am Kleistpark geteilt. Mit 16 weiß man glaube ich nicht so wirklich was man schreiben soll oder was man ausdrücken will. Er war derjenige der mir gezeigt hat was 16 Bars überhaupt sind. Das wusste ich damals gar nicht. Ich war einfach nur ein Junge von der Straße, der keine Ahnung hatte was der Unterschied zwischen Snare und Drum ist. Pi hat mir dann gezeigt, dass ich meine Texte lieber gespalten schreiben soll und wie man am besten Reime setzen kann. Außerdem hat er mir den Tipp gegeben einfach Reime nicht immer direkt hintereinander zu setzen und alles eher bildlich darzustellen. Rapmäßig hat er mich sozusagen aufgeklärt. Er hat direkt verstanden, was ich sagen will, meine Texte gefeiert und gemerkt was ich bewirken möchte. Im Endeffekt hat er mir dabei geholfen meine Schiene zu finden. Eklig gesagt, hat er den Diamanten Mudi geschliffen. Er hat mich auch direkt auf sein „Rebell ohne Grund“-Album genommen. Wir kannten uns da vielleicht ein Jahr und hatten hier und da im Studio miteinander zu tun. Irgendwann kam er und meinte: „Mudi, ich feier dich. Komm auf mein Album.“ Für mich war das nur krass. Er war der erste bekannte Rapper mit dem ich Kontakt hatte und darum war das Feature mit ihm auch eine Ehre für mich. Eines Tages kam er ins Studio und hat mir einfach, er weiß das meine Lieblingsfarbe Rot ist, eine rote Yamamoto-Jacke gegeben und meinte: „Hier. Schenke ich dir, Bruder.“ Das musste ich unbedingt in dem Song erwähnen. So als kleines Dankeschön ihm gegenüber. Darum rappe ich da auch:

„Geister durch die tote Gasse, rote Yamamoto-Jacke/ Der Fahrstuhl ist gesperrt – Sie wollen uns nicht nach oben lassen/“

Jetzt ist Pi auch auf meinem Album.


Lass uns ein bisschen über dein aktuelles Album reden. Du bezeichnest deine Musik selbst als Arabeske-Rap. Wieso?

Mudi: Arabeske ist das, was ich seit Jahren probiert habe zu machen. Das ist meine eigene Schiene. Die habe ich jetzt gefunden und versuche sie zu etablieren. Am Anfang haben viele gesagt ich bin ein „Schnulzen-Rapper“. Aber wenn man es genau nimmt, ist es gar nicht so schnulzig. Es gibt auch sehr viele Jungs und – ich sage jetzt mal Gangster – die meine Musik hören. Schnulze klingt für mich fast abwertend. Außerdem inspiriert mich Arabeske Musik extrem. Das ist ein großer Teil von mir. Als ich dann Nachrichten bekommen habe von wegen: „Du bist Deutschraps İbrahim Tatlıses.“, dachte ich mir: Warum nennt man das ganze dann nicht Arabeske-Rap?! Die Beats die wir machen, das hörst du auch bei „Hayat“ raus, haben diesen orientalischen Touch und einen melancholischen, fast schon dramatischen Vibe. Das ist so ähnlich wie bei Arabeske – so ist dann die Idee und der Name entstanden.

Als ich dann Nachrichten bekommen habe von wegen: „Du bist Deutschraps İbrahim Tatlıses.“, dachte ich mir: Warum nennt man das ganze dann nicht Arabeske-Rap?!

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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