Mudi – “Hayat”

Hayat_Cover

 

Nach knapp zwei Jahren Arbeit ist es soweit. Mudi veröffentlicht mit „Hayat“ sein Debütalbum. Zugegeben, ein Unbekannter ist der Berliner in der Szene nicht, aber er hat bis jetzt an seinem Erstlingswerk gefeilt und seit seinem Aggro.TV Clip sind mittlerweile ca. sechs Jahre vergangen.

Der Künstler selbst bezeichnet seinen Stil als „Arabesk-Rap“, besetzt eine eigene Sparte und gründet sogar ein neues Subgenre. Den Fans dagegen ist er vor allem aufgrund seiner gefühlvollen Tracks und seiner Art bekannt, Themen wie das Leben oder die Liebe auf eine besonders emotionale Weise vorzutragen.

Für jemanden, der Mudi nicht kennt, muss angemerkt werden, dass seine Songs tendenziell eine Prise Drama, Familie, Persönlichkeit und Religion aufweisen. So erklärt es sich auch, dass verhältnismäßig wenig Gäste auf dem Album vertreten sind. Die Namen der Auserwählten lesen sich dafür umso beeindruckender – Raf Camora, Prinz Pi sowie PA Sports, ergänzen den Sound des Albums durch zwei Parts (Prinz Pi, PA Sports) und einen Refrain (Raf Camora).

Inhaltlich deckt das Album ein breites Spektrum ab. So behandelt Mudi beispielsweise Themen wie die Spielsucht („Rot/Schwarz“), die Liebe zur alten sowie neuen Heimatstadt („Die Stadt mit dem B“) und den Wunsch, noch mal die Möglichkeit zu haben, ein unbeschwertes Leben führen zu können („Kind sein“).

Zudem findet sich mit „Musa“ ein Song für seinen Vater auf dem Release. Mudi drückt in diesem seinen vollsten Respekt für diesen aus und hebt hervor, dass er ihn nicht nur als Vater sieht, sondern auch als besten Freund, großen Bruder.

Der im Vorfeld ausgekoppelte Track „Frau aus dem Libanon“ gewährt dem Hörer einen zusätzlichen Einblick in das Verhältnis seiner Eltern, genauer gesagt in die Anfänge ihrer Liebe im Libanon bis hin zum heutigen Leben in Deutschland .

Ob jeder Hörer sich mit diesen persönlichen Geschichten identifizieren kann, sei dahin gestellt, aber verübeln kann man es Mudi ohnehin nicht, zu stimmig, zu ergreifend sind die teils orientalisch angehauchten Beats und die erzählten Geschichten.

Etwas klischeehaft wirken dagegen Songs wie „Ring“, „Fluch“ oder auch „Habibi“. Den Engel unter tausend Huren zu finden, die Traumfrau zum Altar zu führen oder die Frage, ob Frauen ein Fluch oder Segen sind, kommen einem ein Stück weit schon bekannt und gehört vor.

Mudi ist sich seines Sounds allerdings jederzeit bewusst und tituliert sich folgerichtig sogar als „Schnulzenking“ („Pablo Picasso“). Dementsprechend neutral sollte man diese Anspieler auch bewerten. Sie dienen immerhin nicht als Platzhalter, sie werden nur nicht jedem Hörer gleichermaßen viel geben. „Mein Mund eine Waffe, meine Wörter Munition“ – textlich bewegt sich Mudi auf einem grundsoliden Niveau. Vergleiche, Metaphern oder auch arabisch gestreute Begriffe fallen hier in erster Linie auf.

Linguisten und Freunde von ästhetischer/gehobener Sprache sind unter Umständen besser beraten sich erst einmal die Singles anzuhören, um eventuelle Enttäuschungen zu vermeiden und sich selbst einen Eindruck bilden zu können. Dazu muss angemerkt werden, dass Mudi zu keinem Zeitpunkt die Ansprüche hat, einem Ali As oder Kollegah die Stirn zu bieten. Im direkten Vergleich mit Künstlern wie Chakuza oder Fabian Römer, die sich in ähnlichen Genres bewegen, ist Mudis Sound sogar etwas griffiger. Hier fallen die persönlichen Tracks natürlich positiv ins Gewicht, denn sie erlauben es dem Hörer, mit dem Künstler zu sympathisieren, mit ihm zu fühlen und den Menschen hinter der Musik kennenzulernen.

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Lukas ist keinem bestimmten Subgenre verbunden. Er ist offen für Gangstarap, Horrorcore, Trap, Oldschool, sozialkritischen oder gefühlvollen Rap, ebenso für Underground Künstler und Newcomer. Weiterhin verspeist er jeden Film und jedes Buch, das mit Deutschrap zu tun hat. Seit Mai 2016 versucht er über BACKSPIN seine Leidenschaft mit euch zu teilen.

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