Mr. Schnabel: “Ich wollte die Leute zum Denken anregen”

mrschnabelAm Montag beendete Mister Schnabel eine drei-jährige Schaffenspause mit seinem neuen Song samt Video “Zu spät”. Für die Single bekam er reichlich Gegenwind, sowohl von Medien als auch aus der Rap-Szene. Nachdem wir gestern mit Koljah von der Antilopen Gang, der den Song öffentlich kritisierte, über Rap-Berichterstattung und Schnabels neue Single sprachen, wollen wir nun auch Mister Schnabel zu Wort kommen lassen. In unserer Hohen 5 erklärt der Hamburger was ihn zu dem Song bewegte und welche Intention hinter seinen Aussagen steht. 

Das Interview mit Koljah könnt ihr hier lesen.

 

Die Hohe Fünf mit Mister Schnabel

 

Was wolltest du mit „Zu spät“ vermitteln?

Der Song handelt ja nicht von Freimaurern oder irgendwelchen Verschwörungen. Der Song beschäftigt sich zum einen mit Extremisten, in der dritten Strophe wende ich mich zum Beispiel gegen Pegida und die NPD. Zum anderen beschäftigt er sich mit der immer mehr werdenden Kontrolle. Es wird ja mittlerweile jeder kontrolliert. Von den Politikern bis hin zu uns. Manche haben noch nicht einmal das ganze Intro gehört und schießen gleich los.

 

Wie ist dein Standpunkt zu den Entwicklungen der letzten Monate und den Themen, die du auch in „Zu spät“ ansprichst?

Ich möchte meine Meinung den Leuten nicht aufdrängen. Es gibt gewisse Dinge, vor denen ich Angst habe und die mir unheimlich sind, wie zum Beispiel die Bilderberger, aber das muss ich den Leuten doch nicht aufdrängen. Der Song beschäftigt sich ja auch mit der anderen Seite und es kommt zum Beispiel WikiLeaks vor. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, wie er zu einem Thema steht. Ich will nur, dass sich die Leute auch mit Dingen, wie zum Beispiel der Politik Amerikas und dem was sie machen, überhaupt auseinandersetzen.

 

 

Wie rechtfertigst du dich gegenüber Kritikern deiner Aussagen, wie zum Beispiel Koljah von der Antilopen Gang?

Ich fand es sehr schade, das Koljah so von oben herab über mich geurteilt hat. Mich hat gestört, direkt in die Antisemitismus Schublade gesteckt zu werden. Wenn ich die Rothschilds nenne, heißt es noch nicht, dass ich ein Antisemit bin. Ich will Leute dazu bringen, sich mit Themen zu beschäftigen.  Es ist mir scheißegal, wo Leute herkommen oder welcher Konfession sie angehören. Was für mich zählt, ist der Charakter. Ich bin ja beispielsweise mit Ausländern zum Rap gekommen.  Ich gehe auch nicht zu denen und sage: ,Ihr seid alle linke Extremisten aus der Anti-Deutsch-Gang. Warum nehmt ihr euch raus, die Anti-Deutsch Gang zu sein, obwohl ihr hier geboren seid?‘ Das wäre auch respektlos. Ich habe mir im Zuge dessen mal was von den Antilopen angehört und sehe auf jeden Fall die Berechtigung dessen. Am Ende bleibt alles Geschmackssache, aber beim Song „Outlaws“ zum Beispiel fand’ ich cool, das sie so ehrlich sind und konnte es auch nachvollziehen. Ich werde mich auch noch weiter mit denen auseinandersetzen. Mir ist jetzt nur wichtig, dass die Leute draußen verstehen, dass ich nichts mit Antisemitismus zu tun habe und ich keine solchen Aussagen mache. Ich verstehe auch nicht wo in dem Text Antisemitismus steckt und warum gerade auf mich mit dem Finger gezeigt wird, wenn es doch so viele andere wirklich verwerfliche Songs, Künstler und Aktionen gibt. Ich hätte es auch etwas besser gefunden, wenn er sich bei mir persönlich gemeldet hätte und wir darüber ins Gespräch gekommen wären. Er hat ja das gute Recht, seine Meinung zu haben, aber ich glaube, er sucht sich durch solche Kritik, die er auch schon an anderen Künstlern geübt hat, ein wenig seine Plattform.

 

Durch den Aufzählungsstil des Songs fehlt dir die Möglichkeit, auf die einzelnen Schlagworte konkreter einzugehen. Wie kam es trotzdem dazu, gerade diese Art für den Song zu wählen?

Ich wollte Leute zum Denken anregen. Ich habe den Aufzähler gewählt, damit die Leute, die es hören, sich mit den Organisationen und Personen, die ich nenne, auseinandersetzen und einfach mal die Namen googlen, sich darüber schlaumachen und sich eine Meinung bilden. Man hätte ja zu jedem der Schlagworte nen ganzen Song machen können. Die Idee, es so zu machen, kam mir dadurch, dass ich viel an Schulen unterwegs bin und dort immer wieder Jugendlichen begegne, die sich noch nie mit Problematiken wie Rassismus und Extremismus auseinander gesetzt haben. Ich wollte mit dem Song weder meine Meinung noch irgendwelche Wahrheiten kundtun, sondern nur aufzählen, damit die Leute sich informieren und eine eigene Meinung bilden können.

 

Bist du auch im Nachhinein noch überzeugt von „Zu Spät“ oder bereust du die Veröffentlichung?

Ich stehe immer noch hinter dem Song! Im Nachhinein fallen einem immer noch ein paar Sachen auf, die man hätte raus lassen können. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass das so einen Wirbel auslöst und ich jetzt in die Antisemitismus-Schublade gesteckt werde. Ich habe mir bei dem Song Zeit gelassen, weil ich einen guten Song machen wollte. Es ist ärgerlich, dass man nicht die ganze Version veröffentlichen konnte, aber meinem Kollegen, der das Video gemacht hat, ist leider der Rechner abgeschmiert und wir hatten leider nur diese Version. Man sieht ja auch, dass sich jetzt Leute damit beschäftigen und über die Thematiken diskutieren. Vielleicht manchmal ein bisschen plump, aber teils auch angemessen und fair.

 

 

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Ich kann quasi nur über Musik reden...
Hanfosan

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