Moshuss & Hanses über „Poltergeist“ und ihre musikalischen Ziele

Moshuss & Hanses veröffentlichten am 21. Januar ihre 10″ unter dem Titel „Poltergeist“ über das Label Fennek Records. Die beiden Produzenten aus dem Odenwald haben sich auf dem Album ausschließlich an japanischen Samples bedient. Passend dazu wurden fünf verschiedene Artworks von Czolk verwendet, um der Platte den passenden Rahmen zu geben.  Wir haben die beiden interviewt, um herauszufinden, wer hinter dem Projekt steckt. 

 

Wer sind Moshuss & Hanses?

Zwei Producer, die sich schon seit der Schulzeit aus dem Odenwald vom Sehen kennen und nun in Mannheim wohnen. Sie waren auf derselben Schule und haben sich dann sozusagen als Stagehands beim Arbeiten in der alten Feuerwache (Veranstaltungshaus in Mannheim) wieder kennengelernt. Natürlich redet man da auch über Musik und zeigt sich gegenseitig die Tracks, an denen man gerade bastelt.

Was für Equipment verwendet ihr?

Ableton Live mit diversen Midi-Controllern. Gesamplet wurde von Vinyl und Songs aus dem Internet. Die Melodien wurden mit diversen Software Synthesizern eingespielt.

Habt ihr Produzentenvorbilder?

Einige sind 9th Wonder, Oddisse, Dexter, Knowsum, Flying Lotus. Aber es gibt natürlich viele Produzenten, bei  denen man einzelne Tracks extrem gut findet, die man aber nicht im ganzen als Vorbild sieht.
Das spiegelt sich auch im Album wider und man hört, dass es aus vielen Subgenres des Hip-Hop, aber auch aus anderen Musikrichtungen Einflüsse gibt. Alle Genres können Vorbild sein.

Wieso besteht die Affinität zu japanischer Musik?

Grundsätzlich ist die japanische Ästhetik sehr interessant, aber eigentlich wäre auch alles andere, das ein Themengebiet absteckt cool gewesen. Leider ist es bei vielen Platten dann aber so, dass die furchtbar teuer sind: zB. türkische Musik aus den 70er Jahren.
Wir haben uns dann natürlich umgeschaut und einen japanisch orientierten Plattenladen in Mannheim gefunden, der erst ein paar Monate vor unserer Idee eröffnet hatte. Das hat die Vision noch mal extrem bestärkt. Zudem hatte unser Kumpel Czolk auch schon vorher mehrere Bilder im japanischen Stil  gemalt, die er uns für die 10″ zur Verfügung gestellt hat – das hat einfach alles extrem gut zusammengepasst.

Was steckt hinter dem Konzept?

Es ging darum, sich mit japanischer Musik und mit Japan selbst zu beschäftigen und alles aufzunehmen, was man so darüber findet. Dabei ist uns aufgefallen, dass es im japanischen Germanismen gibt. Poltergeist ist ein Beispiel dafür und wird sehr lustig ausgesprochen („Porutagaisuto“). Wichtig war uns im Vergleich zu anderen Beat- oder Instrumentalplatten, das Ganze möglichst abwechslungsreich und kurzweilig zu gestalten, dabei eine Idee kurz zu entwickeln, zu sehen in welche Richtung es geht und dann zum nächsten Beat zu wechseln, um dem Hörer in kurzer Zeit, verschiedene Eindrücke mitzugeben.

Auf „Sam-Son-Su“ habt ihr „Romance“ von Hiroshi Suzuki gesampled. Das Sample hat ja zum Beispiel auch schon einmal Dexter verwendet. Was ist euch selbst beim Diggen wichtig?

Das Sample war cool und die Jungs dachten, sie geben dem ganzen einen anderen Twist. Außerdem haben sie sich auch ein bisschen gefreut, zufällig das Originalsample zu finden. Allgemein wollten wir zuerst nur von Vinyl samplen. Leider wird das aber sehr, sehr teuer und wenn man beim Basteln mal einen bestimmten Sound braucht (und sich nur auf Japan eingeschossen hat), kommt man da nur mit Vinyl eher schwer dran. Manchmal  sitzt man zu Hause, braucht eine bestimmte Snare und da ist es dann einfach praktischer, das Internet zu nutzen – natürlich trotzdem nur japanische Sachen.

Wie ist die Produktion im allgemeinen abgelaufen?

Es gibt eigentlich drei Arten von Beats. Die von Hanses, die von Moshuss und Gemeinschaftsbeats. Man zeigt sich natürlich alles, gibt Feedback und so weiter. Als alle fertig waren, haben wir abgestimmt, welche Beats genommen werden und was unbedingt drauf muss. Dann haben wir das Ganze zu zwei Sets verarbeitet und alles durch Interview-, Anime- und Talkshowsamples verbunden

©Czolk

 

Was hat es mit den verschiedenen Artworks auf sich?

Als wir schon ziemlich weit mit dem Projekt waren, haben wir unseren Kumpel Czolk gefragt, ob wir seine Bilder dafür verwenden können (wir wollten schon ein bisschen was zum Zeigen haben). Er fand die ganze Idee gut!
Wir konnten uns nicht für eines entscheiden, deswegen haben wir dann unsere fünf Lieblinge aus den ursprünglichen neuen Bildern ausgewählt. Alle Cover erzählen eine kurze Yakuza-Geschichte. Zu den Covern ist noch zu sagen, dass wir alle bei Antighost im Siebdruckverfahren drucken durften – dort gibt es keine Auftragsarbeit, aber weil sie cool fanden, was wir machen und wir uns gut verstanden haben, wurden wir durch sie unterstützt. Außerdem hat Czolk noch die Banderolen, das Fennek-Logo und die Inlays für die Platte gestaltet.

Was ist Fennek Records? 

Fennek Records ist ein Beat- und Producerlabel, bei dem wir uns vorgenommen haben, nur 10″ Platten zu pressen, die jeweils ein bestimmtes Themengebiet haben und aus vielen kurzen Beats bestehen. Dieses Konzept wollen wir für alle zukünftigen physischen Releases beibehalten und auch visuell einen Stil verfolgen. Der Name ist eine Anspielung an „Füchse“, die eigentlich keine Rudeltiere sind – der Fennek hingegen ist Fuchs und Rudeltier. Zudem sind Fenneks nachtaktiv und durstig. In diesen Eigenschaften haben wir uns wiedergefunden. Das Label wird von Hanses und Shaga geführt. Unser Ziel war es, uns und unseren Freunden die Möglichkeit zu geben, Musik zu releasen und dem Ganzen einen Rahmen zu geben.

Was steht bei euch sonst in Zukunft an?

In Sachen physische Releases ist eine 10″ von Kill Emil geplant, der uns schon seinen Ansatz gezeigt hat. Des Weiteren arbeitet Hanses an einem nur aus Hörspielsamples bestehenden Album und Moshuss an einem aus UDSSR-Samples.
Dédé und the intern wollen eine digitale Remix-Compilation an den Start bringen. Es gibt einiges, das gerade ins Rollen kommt. Natürlich stehen wir auch für Kooperationen offen und sind bereit, mit coolen Leuten, coole Ideen nach bestimmten Vorgaben umzusetzen. – nur 10“, nur kurze Beats in Set-Form und ein Thema, das dem Ganzen einen Rahmen setzt.

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