Moses Pelham: „Es ist ein ganz normales Ausdrucksmittel geworden.“

Vergangen Freitag haben Glashaus nach 12 Jahren Pause mit „Kraft“ ihren neuen Longplayer veröffentlicht. Das Trio, bestehend aus Cassandra Steen, Moses Pelham und Martin Haas, hat sich in der Zwischenzeit anderen musikalischen Projekten gewidmet. Gemeinsam kann die deutschsprachige Soulband auf drei veröffentlichte Alben sowie einen charakteristischen und persönlichen Sound blicken. Moses Pelham, der sich in der Band für die emotionalen Lyrics und Produktionen verantwortlich zeigt, hat zuletzt 2012 mit dem Solo-Album „Geteiltes Leid 3“ seine Texte selbst vorgetragen. Worin sich der Ausdruck von Rap und Soul unterscheiden, wieso Spiritualität in den Lyrics immer wiederkehren und was Glashaus ausmachen, haben wir mit dem Rapper und Musikproduzenten besprochen.

Glashaus, wie man es aus der ursprünglichen Konstellation kennt, hat eine lange Pause hinter sich. Warum ist es jetzt zu einem neuen Album gekommen?

Es hat sich einfach richtig angefühlt. Wir haben auch nie den Kontakt zueinander verloren und zusammen gearbeitet, nur nicht als Glashaus. Erst jetzt bei den Arbeiten für „Nicht von dieser Welt 2“ von Xavier Naidoo, als Cassandra da war um Chöre einzusingen, haben wir nach ein, zwei Tagen konzentrierten Arbeiten gedacht: „Wir sind doch auch ne Band, was geht da denn eigentlich ab?“ Da ist die Idee geboren vier Tracks in der Konstellation zu machen, mit denen jeder nachhause gehen und gucken kann, ob man Bock hat was Neues zu machen. Aus den vier Tracks wurden dann immer mehr separate Songs, sodass einfach klar war, es wird ein neues Album geben. 

Wie sieht nach so vielen Jahren die Zusammenarbeit bei euch aus?

Wenn man schon ein paar Platten zusammen gemacht hat, muss man nicht mehr viel darüber reden. Man muss nicht alles von vorne erklären: Wir machen ein Instrumental, wenn mir was dazu eine Idee kommt schreibe ich dazu einen Text und singe es Cassandra vor. Sie macht daraus Zauberei, dann nimmt man es auf und bastelt weiter daran. Es gibt ja so viele Sachen am Älter werden, die einen Nachteil haben, aber ein paar Sachen erlebt zu haben und auf diesen aufbauen zu können, ist in diesem Fall natürlich ein Vorteil –

Und mit Menschen zu arbeiten, mit denen du diesen Erfahrungen teilst und schon eine gemeinsame Basis gefunden hast, kannst du auf dieser natürlich aufbauen und dich auf andere Dinge konzentrieren.

2009 habt ihr das Album „Neu“ veröffentlicht, auf dem Peppa den Gesang übernommen hat. Cassandra Steen ist vorübergehend wegen Solo-Projekten ausgestiegen. Da gerade der Gesang eine Hauptkomponente in der Musik ist, stelle ich mir diesen Wechsel schwierig vor. War dieses Album ein Versuch, ob die Band auch in einer anderen Konstellation bestehen kann?

Natürlich war das ein Versuch. Das Album hieß nicht zum Spaß „Neu“. Es war ein Glashaus Album, aber es war wirklich etwas anderes als die drei Alben davor und das Vierte jetzt. Wir haben schon versucht uns dabei neu zu erfinden. Die ersten beiden Singles waren beides Up-tempo Nummern – Das hat mit Glashaus eigentlich gar nichts zu tun. Es sollte schon einfach etwas Neues sein.

Die neue Platte knüpft jetzt wieder an „Drei“ an und das nicht nur wegen des Gesangs, sondern wegen der ganzen Stimmung und der Art und Weise wie es entstanden ist. 

Ich finde es nur interessant, dass trotzdem der Bandname gleich geblieben ist. 

Man hätte das Ganze auch Neu nennen können, aber irgendwie wäre das auch komisch gewesen. Ich hatte als Vergleich Massive Attack auf dem Schirm, bei denen die Sänger auch öfters gewechselt haben. Aber man kann natürlich auch finden, dass es eine Fehleinschätzung für eine Band wie Glashaus ist.

Kam daher auch die längere Pause zustande?

Ja, irgendwas ist ja immer – ganz einfach. Ich glaube es gibt echt nur die ersten drei Glashaus Alben, die in meiner Karriere so nah beieinander veröffentlicht wurden. Bei allen anderen Projekten kamen komplett andere Alben dazwischen, die ich produziert habe. Ich habe aber auch Freude daran andere Sachen auszuprobieren. Wenn du siehst was für Abstände zwischen meine Solo-Alben liegen – Ich genieße es nicht dauern dasselbe zu machen. Ich glaube auch, dass die anderen Sachen davon profitieren. Die Platte jetzt profitiert auch davon, dass ich dazwischen ein Solo-Album, die Xavier Platte und was weiß ich nicht alles gemacht habe.

Was auf allen Alben immer wiederkehrt sind christliche Worte, bzw. biblischen Zitate. „Kraft“ startet auch mit einer Ansprache in diesem Sinne. Siehst du das als ein zentrales Element eurer Musik und wie ist es dazu gekommen? Religion an sich ist ja kein zeitgenössisches Mainstream-Thema.

Ich weiß nicht ob es ein zentrales Glashaus Element ist. Diese Sinnfragen und auch den Halt den ich in meinem Leben in der Spiritualität finde, ist sehr wichtig für mein Leben. Die Musik ist ein Abbild meines Lebens und meiner Gefühlswelt, von dem was ich glaube, erfahre – Wie sollte das keinen Einzug darin erhalten.

Dann müsste ich es versuchen zu verschweigen, zu verstecken und diesen Teil der Wahrheit auslassen.

Von daher liegt es für mich sehr nah, dass es in den Stücken auftaucht. Es ist nicht konzeptionell. Ich mir nicht überlegt mehr christliche oder spirituelle Texte zu schreiben.

Das Bandprojekt ist entstanden, weil du Texte geschrieben hast, die du selbst nicht vortragen konntest – Wenn man sich deine letzten Solo-Alben anhört, findet man auch nachdenkliche, düstere Texte. Was kann mit Soul vermittelt werden, was mit Rap nicht funktioniert?

Ich glaube es ist gar keine inhaltliche Frage. Mit beiden Genres kann man jeglichen Inhalte behandeln, davon bin ich überzeugt. Es hat aber eine ganz andere Daseinsfunktion. Beim Rap merkt man schon, wenn man dem Menschen zuhört, das da etwas aussagekräftiges in der Stimme ist – Aber es ist eher eindimensional.

Während ein Gesang allein durch die Variation der Töne eine weitere Kommunikationsebene aufmachen kann.

Ich genieße es natürlich auch sehr mit so einem Mittel zu arbeiten, dass mir gar nicht zur Verfügung steht, da ich einfach nicht gut genug singe. Ich singe die Texte zwar während ich sie schreibe, aber es ist einfach nicht auf dem Level, dass ich es dir zeigen würde. 

Seit dem du mit dem Rappen angefangen hast, hat sich in der Szene einiges getan. Gerade deutschsprachiger Street- und Gangstarap ist im Mainstream angekommen. Wie siehst du diese Entwicklung?

Es gibt Sachen die ich unfassbar feiere und dann gibt es Sachen, die ich für den letzten Rotz halte – Dann höre ich sie mir aber nicht an. Ich finde es schon toll, dass Rap in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Je mehr Leute sich darin versuchen, desto mehr gute Ergebnisse gibt es auch. Natürlich gibt es auch mehr Schrott, aber was interessiert mich der Schrott.

Ich finde es gut, dass es ein ganz normales Ausdrucksmittel geworden ist.

Es können die verschiedensten Dinge formuliert und die verschiedensten Menschen erreicht werden. Da sind unfassbar gute Sachen bei, weil sie für mehr Verständnis sorgen. Da hat jemand etwas formuliert, bei denen andere feststellen, dass sie nicht alleine mit dem Gedanken sind.

Wirst du dich demnächst auch nochmal im Deutschrap blicken lassen?

Ich arbeite gerade an einem Solo-Album, das noch in diesem Jahr erscheinen wird.

In welche Richtung wird das Ganze gehen?

Es ist ähnlich wie bei Glashaus. Ich versuche Sachen zu formulieren die mein Leben abbilden, die mir wichtig sind und von denen ich denke, dass sie mal gesagt werden müssen. Es fängt ein bisschen da an, wo „Geteiltes Leid 3“ aufgehört hat.

Im Sinne von „Geteiltes Leid 4“?

Also diese „Geteiltes Leid“ Sache ist jetzt wirklich durch für mich. Wenn man eine Trilogie anfängt ist man natürlich auch in einer gewissen Verantwortung – Ich bin ganz froh es vernünftig zu Ende gebracht zu haben. Jetzt will ich was anderes machen. Das heißt nicht, dass nicht auch hier und da Leiden drin sind, es ist ja auch schon Teil meiner Musik. Das merkt man ja bei „Geteiltes Leid 3“ schon, der Sinn ist Pflicht.

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Meine Mehr- oder Wenigkeit heißt Anna. Ich bin hier, um straight aus dem Gangstarap-Richterstuhl mein Urteil fällen zu können.

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