Montez: „Ich kann keine Musik machen, die albern oder besonders lustig ist.“

Montez Wasser1Der Bielefelder Montez kann mit seinen 21 Jahren bereits auf eine fünfjährige Rap-Karriere zurückblicken. Nach einem Mixtape-Release 2010, präsentierte er ein Jahr später sein Debütalbum „Karneval“. In der Zwischenzeit konnte er zudem den Newcomer-Contest von hiphop.de und der Juice für sich entscheiden. Zusammen mit Kool Savas und unter anderem DCVDNS oder Laas Ultd. ging er 2012 zudem auf „Warum rappst du?-Tour“. Nun, etwa drei Jahre und eine Kollabo-EP mit KaynBock später, steht sein zweites Album „Für immer und eh weg“ in den Startlöchern. Erscheinen soll es als erstes Release auf Vegas Label „Über die Grenze“. Mit der Platte geht er zudem auf Tour. Er begleitet niemand Geringeren als den King of Rap, Kool Savas, auf seiner „Warum rappst du?-Tour 2“. Wir haben uns mit ihm über das Album, auf dem unter anderem Raf Camora und Vega gastieren, unterhalten:

Zwischen den Zeilen mit Montez zu „Für immer und eh weg“

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„Für immer und eh weg“ bestellen

 

Was für eine Idee steckt hinter deinem Album „Für immer und eh weg“?

Ein besonderes Konzept bzw. einen roten Faden gibt es nicht wirklich auf „Für immer und eh weg“. Wenn es einen roten Faden gibt, dann vielleicht, weil alle Songs das selbe Ziel haben – mit wahren Geschichten und Erlebnissen andere Menschen zu erreichen und zu berühren. Warum es genau diesen Titel trägt, kann ich nicht ganz beschreiben. Ich weiß nur, seitdem ich diesen Spruch im Kopf hatte, wusste ich, so muss das Album heißen. Ich habe ein ganz bestimmtes Gefühl bei diesem Spruch, den ich auch in meinen Songs habe. Das Cover soll das Gefühl noch verstärken und es bildlich besser darstellen. Wie ich ins weite Meer gehe, ohne zu wissen, was mich dort erwartet, trifft es schon ganz gut. Ein Sprung ins kalte Wasser 😉

Was gibt es zu den Features zu sagen?

Ich hatte von Anfang an 3-4 Wunsch- und Traumfeatures. Vega und Raf Camora sind 2 davon, die es auf das Album geschafft haben. Vega erklärt sich von selbst. Jeder, der sich auch nur ein ganz wenig mit mir beschäftigt, weiß, dass er mein größtes Idol ist. Bei Raf Camora ist es ähnlich. Es gibt wenig Künstler, die ich so respektiere und bewundere, was ihre Musik angeht. Daher war es logisch, mit ihm einen Song zu machen. Als er dann auch noch Bock hatte, war die Sache klar. Njungederalynes ist wohl die unbekanntere Featureversion. Den Jungen kenne ich schon seit ein paar Jahren, da er mir immer mal wieder Songs zugeschickt hat. Die haben sich im Laufe der Zeit so gut entwickelt, dass ich mega Fan geworden bin. Als dann auf dem Song noch ein Part frei war, dachte ich mir: „Warum eigentlich nicht?“. Dann hab ich ihn gefragt und von da an ging es ganz schnell.

Wie lief die Produktion ab?

Ich glaube meine Alben und allgemein meine Songproduktionen sind anders als bei den meisten Rappern. Normalerweise bekommt ein Rapper ein oder mehrere Beatpakete und pickt sich dann da die geilsten Beats raus und macht ein Album. So gerne ich das auch könnte, ich kann es leider nicht. Ich bin warscheinlich der skeptischste und komplizierteste Mensch, was Beats angeht. Somit mussten wir erstmal lange Zeit einen Sound finden, den ich als „genau meinen Sound“ betiteln könnte. Ich stehe sehr auf Gitarren und allgemein auf so Singer-Songwriter Sachen. Das dann mit HipHop zu verbinden, war schwierig, haben wir aber auf vielen Song sehr gut umgesetzt. Natürlich ist nicht jeder so. Fast jeder Song ist auf jeden Fall erst im Studio entstanden. Meist habe ich irgendwelche Songfetzen bei mir, wenn ich ins Studio fahre. Da bauen wir dann zusammen den Beat, hauptsächlich alles mit Liveinstrumenten und dann schreibe ich darauf und so entsteht ein Song. Also alle Songs bis auf „Ins Licht“ haben SVPA x NOVA produziert.

Was erwartet den Hörer inhaltlich auf „Für immer und eh weg“?

Ich habe schon immer Musik gemacht, die so ehrlich ist, dass sie weh tut. Ich kann keine Musik machen, die albern oder besonders lustig ist. Was ich schreibe, ist mein Leben. Wenn ich damit dann Menschen helfen oder so berühren kann, dann ist das natürlich ein sehr geiles Gefühl. Das zeigt mir, dass ich verstanden werde. Also grundsätzlich findet man, wie warscheinlich auf jedem Montez-Release, sehr persönliche Songs über meine Familie, Freundschaft, Liebe und die restlichen Sachen, die ich erlebt habe oder die mich beschäftigen.

Eine kleine Randnotiz rund um das Album?

Es war auf jeden Fall ein langer und sehr harter Weg. Ich wusste, wie gesagt, anfangs nicht wirklich wie ich klingen will. Das hat extrem lange gedauert, bis ich das wusste und wir es auch so hinbekommen haben. Der schönste Moment war, als wir den Song „Ohrwurm“ und „Vorbei“ im Studio aufgenommen haben. Wenn ich mich richtig erinnere, war das am selben Tag. Und mit „Aufnehmen“ meine ich auch schreiben, Instrumente einspielen usw. Also den ganzen Song erschaffen. Als wir die beiden dann am Ende des Tages gehört hatten, waren wir überglücklich und wir wussten, dass wir soweit sind. Das war das, was wir machen wollten und von da an war alles leichter als zuvor.

Von Track zu Track

01. SVPA x NOVA

Ich habe damals schon auf der „Perfektes Wetter“ EP mit kaynBock ein IntroBeat von Awe gehabt. Das ist immer meine persönliche Art, noch einmal Danke zu sagen. Daher hat es für dieses Album auch Sinn gemacht und ich hoffe, dass ich diese Tradition auf weiteren Releases fortführen kann.

02. OHRWURM

Als wir diesen Song gemacht haben, wusste ich direkt, dass ich mit diesem Song zurück kommen will. Das sollte das erste Lebenszeichen sein, wenn ich nach knapp 3 Jahren endlich mein Album veröffentliche. Ist nach wie vor einer meiner Favoriten auf dem Album und ich verbinde natürlich extrem viel damit. Wer den Song kennt, weiß wieso. Logischerweise ist es dann auch der erste Song auf dem Album.

03. FÜR IMMER UND EH WEG

Das ist, glaube ich, der älteste Song des Albums. Die ersten Zeilen hieraus sind noch von 2010 oder 2011. Ein paar Zeilen habe ich zusammen mit meinen Jungs geschrieben, obwohl die gar nicht rappen oder schreiben. Aber ich wollte, dass das so ein bisschen unser Song, unsere Hymne wird. Dann haben wir uns mal an einem unserer „Seven Oaks Abenden“ hingesetzt und ich habe ein bisschen was mit denen geschrieben.

04. KARUSSELL

Der Song war ursprünglich auf einem ganz anderen Beat. Leider ’nen Amibeat, den ich nicht verwenden konnte. Als Awe dann diesen Beat dazu gebaut hat, hatte der Song eine ganz andere Atmosphäre, die wir im Studio aber alle sehr geil fanden. Die Hook war dann im Studio fast ein Selbstläufer. Auch ein extrem persönlicher Song, der teilweise schon wieder fast zu tief geht. Aber so ist meine Musik halt. So hab ich 2008 angefangen und werde auch nicht damit aufhören.

05. NICHTS GESEHEN (feat. Vega)

Der Song ist mir natürlich eine große Ehre. Der erste Song zusammen mit Vega und ich hoffe, nicht der Letzte. Ich war für den Song auch mit ihm im Studio und es war einfach ein krasses Feeling. Man kann immer viel von Jungs lernen, die schon länger dabei sind und mehr Erfahrung haben. Ich bin ja erst 21, also sind fast ausschließlich alle Leute, mit denen ich zusammenarbeite, deutlich älter als ich. Das ist aber geil. Ich kann, wie gesagt, immer viel mitnehmen.

Lieblingszeile „Paar Probleme gegen Überzahl geregelt.“ – Vega

06. GESTERN

Zu diesem Song möchte ich gar nicht so viel sagen. Mir ist bewusst, dass den jeder für sich neu interpretieren kann, deswegen will ich da niemanden einschränken. Ich weiß, wie und wieso ich ihn für mich geschrieben habe, aber wie ihn andere wahrnehmen oder was sie damit verbinden, dass darf gerne jeder für sich selbst entscheiden.

07. WELT (feat. Njungederalynes)

Auch einer der ersten Songs. Hört man vielleicht am Beat, der hebt sich ein wenig von den anderen Songs ab. Finde ihn aber nach wie vor sehr geil und vor allem wichtig. Njungederalynes passte da perfekt drauf, deswegen war das die logische Konsequenz, dass ich ihn dafür frage, als ich wusste, dass da noch ein Part frei ist. Ihn habe ich dann auch ins Studio eingeladen, um seinen Part zu machen.

08. DEIN SONG

Ist wohl mit „Gestern“ und „Ohrwurm“ der düsterste Song auf dem Album. Der Song lebt von seiner Atmosphäre und ist auch einer meiner persönlichen Lieblingssongs auf „Für immer und eh weg“. Der hat so eine ganz bestimmte, kranke Stimmung. Das liebe ich so daran.

09. DER SONNE SO NAH

Der Song hebt sich nicht von der Produktion, aber von der Aussage oder der Atmosphäre stark von den anderen ab. Ich glaube, dass ist der hoffnungsvollste und positivste Song. Was den Song so besonders macht ist, dass er keine Hook hat. Ich hab im Studio immer mal wieder eine angefangen, aber ich fand am Ende einfach jedes Mal, dass der Song geiler wäre ohne eine Hook. Manchmal muss auch einfach mal eine Hook frei bleiben, um den Beat zu genießen.

10. URLAUB BEI DIR

Das ist der letzte und neueste Song, den ich gemacht habe. Ich bin vor ein paar Monaten morgens aufgewacht und hatte diese Hook im Kopf. Ich habe schnell in meinem Handy nach ’nem passenden Beat gesucht und habe von Raf Camora „Träumer“ gefunden. Bin dann schnell zu einem Kumpel gefahren, der mir den Beat deutlich schneller gemacht hat und da habe ich den Song fertig geschrieben. Es war im nachhinein sehr schwer, einen neuen Beat da drunter zu bauen, ohne dem „Träumer“-Beat zu nahe zu kommen. Am Ende haben wir es aber trotzdem geschafft und Raf weiß natürlich über alles Bescheid. Er hat mir auch angeboten für Live Auftritte seinen Beat zu nehmen, wenn ich den für Auftritte besser finde.

11. OUTBACK (feat. Raf Camora)

Dieser Song ist ähnlich wie der Song mit Vega. Raf ist auch ein großes Idol und Vorbild. Er macht ähnliche Musik wie ich, unsere Stimmen sind ähnlich und wir sind beide verrückt nach Gitarren. Ich wollte unbedingt mit ihm ’nen Song machen, der ein bisschen nach vorne geht und ich habe einen komplett typischen Camora-Part bekommen, wie man es sich vorstellt und wünscht. Ist auch ganz vorne bei meinen Favoriten mit dabei. Der Song hat mega Power und lässt einen in der Hook dann sehr geil entspannen, das feier‘ ich sehr an dem Ding.

Beste Zeile „Ich bin im Outback – chille mit Gnus“ – Raf Camora

12. AUF NEM GUTEN WEG

Ich muss mich korrigieren – das ist auf jeden Fall der persönlichste Song auf dem Album. Beziehungsweise ist es der Song, der wohl am meisten auf die Tränendrüsen drückt. Ich kann mir den selber schwer anhören, weil er für mich persönlich natürlich nochmal ’ne Ecke heftiger ist. Da steckt einfach brutal viel drin. Der war auch ursprünglich auf ’nem anderen Beat, aber als der jetzige Beat dann da drunter kam, war alles noch ’nen Stück emotionaler. Fast schon zu emotional, um es zu ertragen, haha.

13. VORBEI

„Vorbei“ ist mein persönlicher Favorit. Mein Lieblingssong des Albums. Hier passt einfach komplett alles. Text, Stimme auf dem Beat, Beat, Hook. Das ist einfach unser persönlicher Geniestreich auf dem Album. Wie gesagt, als der fertig war, war endlich wieder ein Gefühl da, das uns alle sehr motivierte und von da an ging alles wieder steil bergauf.

14. INS LICHT

Lustigerweise ist dies der erste Song, der damals fertig war. Wir haben also verrückter Weise mit dem Outro angefangen. Diesen Beat habe ich schon seit Jahren auf meiner Festplatte gehabt, ich hab mich aber nie getraut, etwas darauf zu schreiben. Ich habe ja schon oft angedeutet, dass ich extrem großen Wert auf Beats lege und mich da auch gerne mal reinsteigere. Es hat lange gedauert, bis ich darauf geschrieben habe. Für mich hört sich dieses Instrumental wie „Leben“ an. Wenn mich jemand fragen würde, ob mein Leben einen Soundtrack hat oder ob ich mein Gefühl für dieses Leben mit Musik erklären müsste, dann würde ich sagen: „Hör diesen Beat und diesen Song.“ So hört sich für mich das Leben an und deswegen hat es so lange gedauert, bis ich mich reif genug gefühlt habe, um darauf zu schreiben. Auch ganz ganz weit vorne in meiner Favoritenliste. Ein passenderes Ende als ein E-Gitarren-Solo von Amadeus Sektas am Ende hätte dieses Album nicht bekommen können. Das ist der perfekte Abschluss des Ganzen, auch wenn es zuerst der Anfang war.

Karten für die „Warum rappst du? – Tour 2“ mit Cr7z und Kool Savas bekommt ihr hier.

 

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