Money Boy x DAZN – Rap und Marketing

„Wir sind keine Rapper, wir sind Businessmänner“ – Das ist eine Zeile aus Money Boys zuletzt erschienenen Track „Adrien Broner“. Der Song ist nach einem amerikanischen Profiboxer benannt. Neben ihm nennt der Österreicher, der selbst beinahe Basketball-Profi geworden wäre, auch die Boxer Deontay Wilder und Canelo Alvarez. Ein Rapper vergleicht sich mit Profi-Sportlern, soweit nichts ungewöhnliches. Allerdings fällt hier auf, dass Money Boy lediglich Boxer nennt, die ihres Zeichens Aushängeschilder für DAZN sind. Also dem Streaminganbieter für Sport. Dem Streaminganbieter, mit dem er die letzten zwei Jahre bereits häufiger zusammenarbeitete und beispielsweise Interviews mit NBA-Profis führte. Ein Schelm, wer zwischen dem neuen Track, DAZN und dem anstehenden Kampf von Broner einen Zusammenhang vermutet.

 

Doch darum soll es hier nicht gehen. Hier soll es um die Frage gehen, warum DAZN sich mit Money Boy einen Rapper als Testimonial oder Werbefigur (you name it) aussucht, deren Werdegang sicherlich nicht immer ganz unbeschwert war. Skandal-Interviews, fragwürdige Aussagen und Aktionen sind in der Regel nicht gerade die Vorzeige-Attribute, wenn es darum geht, einen Werbedeal zu bekommen. Zuletzt geriet der einstige deutsche Handball-Held Stefan Kretzschmar in die Kritik, als er sich darüber ausließ, dass SportlerInnen durch Sponsorenverträge und Werbedeals kaum noch dazu in der Lage seien, sich kritisch oder politisch zu äußern:

Wir Sportler haben in Deutschland eine Meinungsfreiheit, für die man nicht in den Knast kommt. Wir haben aber keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne. Wir müssen immer mit Repressalien von unserem Arbeitgeber oder von Werbepartnern rechnen. Deswegen äußert sich heute keiner mehr kritisch.

Diese Problematik ist in der Rap-Welt (bislang) noch kaum vorhanden. Zum einen, weil Rapper lange Jahre schlichtweg nicht relevant für Werbedeals waren und zum anderen, weil Sponsoren sich scheinbar genau diese Unangepasstheit und Authentizität wünschen, die die Rapper an den Tag legen und die der jugendlichen Zielgruppe so gefallen. Seien es Gringo und Adidas, die 187 Strassenbande und Nike oder eben Money Boy und DAZN. Gerade letztgenanntes DAZN scheint gemerkt zu haben, dass es nicht nur zwischen Sport- und Rap-Fans große Überschneidungen zu geben scheint, sondern auch, dass es generell zwischen den Sport- und Rap-Welten einige Gemeinsamkeiten gibt.

Wir zeigten zum Beispiel zuletzt in einer Kooperation mit DAZN, wie viele Parallelen es zwischen der SG Eintracht Frankfurt und dem Rap aus Frankfurt gibt. Dazu setzte sich unser Head of BACKSPIN Niko mit Vega sowie Celo & Abdi im ehrwürdigen Frankfurter Moseleck an einen Tisch und diskutierte mit ihnen ihre Faszination für Fußball.

Auch hier haben wir ein weiteres Beispiel dafür, wie große Marken – denn auch das ist Eintracht Frankfurt – sich auf Rap einlassen. So durften die drei Frankfurter Rapper, in deren Lyrics es auch durchaus mal härter zur Sache geht, diese Saison offiziell die neuen Trikots präsentieren. Auch Niko lässt mit der Aufmerksamkeit, die ihm durch sein Engagement in der Rap-Welt zu Teil wird, keine Gelegenheit aus, um klarzustellen, dass er die Daumen für Werder Bremen drückt. Sei es mit Rappern vor der Konsole, in der Instagram Story oder auch beim Fußball-Nerdtalk „Bohndesliga“. Für viele Szenevertreter gehen diese beiden Welten mittlerweile Hand in Hand. Da mutet es fast schon romantisch an, dass Fler und Farid Bang nach jahrelangen Streit zeitgleich jeweils eine EP veröffentlichten und diese nach UFC-Kämpfern benannten, die sogar noch gegeneinander antraten. Eine trug den Namen „Conor EP“ und die andere „Nurmagomedow EP“. Rapper haben häufig mehr gemeinsam als sie denken – Sport zum Beispiel.

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