Mein Mixtape mit: Fard (aus der BACKSPIN MAG #111)

Oft totgesagt, feiert sie in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Ihre besten Zeiten freilich hat die Musikkassette trotz dieses Jubiläums hinter sich. In den Erinnerungen vieler Musik-Connaisseure aber wird sie auf ewig einen Ehrenplatz haben. Auch Fard weiß noch genau, wozu man das gute alte Tape benutzen kann. Für uns hat er ein Mixtape mit zehn Titeln zusammengestellt, das er dem Busfahrer seines Nightliners in die Hand drücken würde.

Früher hat man sich seine Lieblingssongs für unterwegs immer auf Musikkassette zusammengestellt. Hast du eine ganz spezielle Erinnerung an oder mit Kassetten?

Ja, und zwar hatte ich einen Kassettenrecorder, den ich von meinen Eltern geschenkt bekom- men habe. Da konnte man, drückte man Play und Rec gleichzeitig, sich selbst aufnehmen. Ich habe die Kassette dann mit meiner eigenen Fantasiesprache besprochen, zurückgespult und angehört. Das coole an dem Ding war auch, dass man den Recorder mit Batterien mit nach Drau- ßen nehmen konnte. Das war der Ober-Shit. Und heute haben alle schicke iPods oder iPhones mit den weißen Kopfhörern.

Hast du damit deine Mixtapes aufgenommen?

Als Kind habe ich nicht so viel Rap gehört. Wenn ich da im Vergleich andere Ü-30 Rapper höre, die immer sagen: Mein Vater hat eine Plattensammlung gehabt, und ich habe dies und das gefunden… Mein Vater ist vor dem Krieg geflohen und konnte mir daher so etwas nicht bieten. Ich hab aber Sachen aus dem Radio auf Kassetten auf- genommen und das auch überspielt, aber das war noch ohne großen Rap-Einfluss.

Aber du hattest schon auch das eine oder andere Rap-Album auf Tape, oder?

Ja, aber die habe ich noch auf dem Flohmarkt gekauft. Bei polnischen Händlern, das waren dann sozusagen die ersten Bootlegs.

Deine Tracklist, die du für unser Mixtape zusammengestellt hast, klingt abwechslungsreich. Aber 2Pac durfte nicht fehlen, oder?

2Pac ist eine Legende, dagegen lässt sich nichts sagen. Ich erinnere mich da an eine Anekdote, da fand ich deutschen Rap so ekelhaft, dass ich ihn mir gar nicht anhören konnte. Im Trashmark in Dortmund wurde mir mal eine Platte von Tony Touch in die Hand gedrückt. Darauf hat der ein- fach nur gescratcht, richtig Nerdy-Shit. Als ich die Platte dann zurückgab, fragte er mich, ob ich das geil fände und ich meinte einfach nur: Nö! Der Typ und die restlichen Leute guckten sich dann an und er meinte: Was hörst du denn sonst so, 2Pac, oder was? Ja klar, 2Pac, wieso auch nicht. Da habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt mit Rap-Deutschland. Diese drei Typen fanden es völlig absurd, dass ein 16-Jähriger Junge auf 2Pac steht.

Snaga ist gleich zweimal vertreten, davon ein- mal mit eurer „Talion“-Kollabo. Du feierst ihn nach wie vor?

Wenn es nach mir ginge, könnte ich mit ihm noch zehn Alben aufnehmen. Er hat sich aber für etwas anderes entschieden, und ist, glaube ich, zurzeit gar nicht so auf dem Film. Wenn man ihn fragt, ist es irgendwie ein bisschen so, als ob man einen Ex-Häftling darum bitten würde, nochmal ein großes Ding zu drehen. Snaga hat wohl einfach kein Turn mehr drauf. Der ganze Business-Kram hat abgenervt.

Frankreich darf, hier mit Lunatic, auch nicht fehlen?

Booba und Ali haben damals dieses Lunatic– Ding gemacht, und heute, finde ich, hören sich die Deutsch-Rap-Sachen sehr ähnlich an. Dabei haben sich Lunatic auch nur von Mobb Deep beeinflussen lassen. Und dann weißt du, wie weit Deutschland zurzeit ist. Für mich sind Booba und Ali in jedem Fall Leitfiguren der französischen Szene, auch wenn die aktuell eher auf dem Ami- Film sind.

Der iranische Künstler Moien hat es auch auf dein Mixtape geschafft. Welche Bedeutung hat der für dich?

Der Typ ist einfach super lyrisch, die Texte könnte man gar nicht ins Deutsche übersetzen, weil die so komplex sind. Wörtlich übersetzt würde das bescheuert und schnulzig klingen, aber im Persischen klingt das einfach krass. Er redet häufig über Sehnsucht und Liebe. In meinem speziell ausgewählten Track spricht er darüber, wie enttäuscht er vom Himmel ist. Wie er das metaphorisch beschreibt – sehr poetisch, sehr real und nachvollziehbar. Das hat mich einfach berührt. Neben 2Pac hast du auch Biggie in deiner Auswahl. Für dich gibt es da kein entweder oder? Dazu brauche ich nicht viel zu sagen. Biggie ist jedermann ein Begriff – ich fühle ihn heute noch, er hat Legenden-Status. Was ich aber erstaunlich finde: Die heutige Generation Facebook gibt immer noch Pac und Biggie als Musik an. Das wirkt auf mich etwas wie Mitläufer-Shit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das mit 15 richtig fühlen und verstehen. Parallel dazu ziehen die sich auch Partybrüder rein, da kann doch irgendwas nicht stimmen.

Mit Redman konntest du schon selbst einen Track machen, hast hier „Pick it up“ ausgewählt. Was macht Redman aus?

Ich feiere dieses freche und dreckige Auftreten, das Redman dort verkörpert hat.

Interessant ist auch, dass du R&B-Künstler wie Bobby Valentino oder Lauryn Hill mit dabei hast. Warum?

Bobby Valentino hat einfach eine hammer Stimme.

Und Nas durfte muss für dich auch dabei sein?

Ich wollte das Tape nicht so ultra Rap-Technisch halten, weil tägliche Musik auch über den Rap hinausgehen sollte. Aber „Made You Look“ ist schon ein Super-Hit.

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