Megaloh: “Ich habe viel Lehrgeld zahlen müssen”

Als Megaloh vor mehr als zehn Jahren das erste Mal auf sich und seine Musik aufmerksam machte, sah er seine Chance. Die Chance, Deutschrap nach vorn zu bringen und das zu liefern, auf das viele warteten, das aber einfach noch nicht geliefert wurde. Jung und hungrig war er. Bereit, das Game zu verändern.
2003 dann die erste EP “Game Set Match”. Ein Jahr zuvor gründete er gemeinsam mit Partner KD Supier das eigene Label Level Eight. Richtig “Im Game” ist er, als das erste Album 2005 erscheint. Jung und hungrig ist er immer noch – leider jedoch auch verdammt unfokussiert.
Mega ist ein Macher. Die Realität ist jedoch hart und so finden die Projekte in der deutschen Rapszene nicht den Anklang, den er sich erhofft.
Gut eine halbe Dekade später dann die Überraschung. Nach Einsicht und kurz vorm Aufgeben folgt ein Achtungserfolg mit dem Album “Endlich Unendlich”, seinem ersten Major Album, das über Max Herres Label Nesola erscheint.
Die letzte Chance trifft auf fruchtbaren Boden. Der Berliner schöpft neuen Mut und beweist Durchhaltevermögen.
Jetzt – im Frühjahr 2016 steht mit “Regenmacher” ein Album in den Startlöchern, auf das Deutschrap wartet, sich freut und so viel Hoffnung setzt.
Der langersehnte Regen nach einer langen Dürrezeit.

Wir trafen uns mit Megaloh in Berlin zum Interview und sprachen neben dem dreijährigen Prozess um “Regenmacher” über die Vergangenheit, das Leben zwischen Musik, Familie und Vollzeitjob und den Konsum von Kräutertee.

 

„Regenmacher“ steht in den Startlöchern, hinter dir liegt ein fast dreijähriger Produktionsprozess. Arbeitest du nebenher immer noch in deinem Job?

Megaloh: Tatsächlich arbeite ich immer noch als Lagerarbeiter. Das einzige, das sich geändert hat, ist, dass ich keine Doppelschichten mehr übernehmen muss. Glücklicherweise ist es inzwischen so, dass die Kombination aus der Kohle, die ich durch Musik mache, und dem geregelten Einkommen aus der Lager-Arbeit ausreicht.

Wie kulant ist das Team denn, wenn der Job mal wegen der Musik zurückstecken muss?

Megaloh: Mein Chef unterstützt mich da schon sehr. Im Vorfeld planen muss man natürlich, auch ich kann nicht von heute auf morgen zwei Wochen Urlaub nehmen. Bisher hat das aber alles gut geklappt. Tatsächlich hat die Musik auf der Arbeit auch schon viel mehr Aufmerksamkeit als mir lieb ist. Mittlerweile gibt es sogar einige, die Fans geworden sind. Das ist super, aber dort hat man eigentlich nicht die Zeit dafür.

Auf der Arbeit bin ich froh, wenn ich eine anonyme Figur im Uhrwerk bin.

Morgens vor der Schicht gibt es immer eine kleine Rede. Auf „Endlich Unendlich“ habe ich auch meinen Kollegen gedankt. Eines Morgens hat unser Chef das während seiner Rede extra erwähnt und besonders hervorgehoben. Der übergeordnete Center-Manager fragte mich sogar mal, ob ich firmenintern auf einem Event nicht ein paar Songs spielen will – da habe ich natürlich abgelehnt (lacht).

Meinst du, durch diese ständige Belastung fallen dir auch härtere Phasen während der Albumproduktion leichter?

Megaloh: Es kann gut sein, dass ich gelernt habe, bei Arbeit einfach durchzuhalten und auch über Müdigkeit hinwegzugehen. Ich denke schon, dass es Einfluss hat, am Ende des Tages ist es aber reine Willensstärke. Das liegt an jedem selbst und wie sehr er an das glaubt, was er tut. In meinem Fall spielt es natürlich auch eine Rolle, dass die Karriere nicht von Anfang an durch die Decke ging, sondern ich einen steinigen Weg hatte und viel Lehrgeld zahlen musste. Jetzt, wo ich die Möglichkeiten habe, gehe ich natürlich auch mit einem ganz anderen Fokus ran.

Im Titeltrack behauptest du, dass alle Songs in einem Zwei-Quadratmeter-Badezimmer geschrieben wurden. Wie viel Wahrheit liegt darin?

Megaloh: Tatsächlich war das so. Das hängt auch viel damit zusammen, dass ich gern … sagen wir mal, ich konsumiere gern Kräutertee (grinst). Da auch Kinder in der Wohnung sind, geht das natürlich nicht so einfach. Weil ich keinen Balkon hatte, war die einzige Möglichkeit, das im Badezimmer am geöffneten Fenster zu tun. Neben dem Fenster steht ein kleines Regal, auf das ich meinen Laptop gestellt habe. Abends wurde dann die Tür abgeschlossen und ein paar Stunden dort verbracht.

Ich schätze, den Kindern wird schon bewusst sein, was du dort tust.

Megahloh: Mittlerweile sind die beiden 15, es sind Zwillinge. Die wissen auch, dass ich sehr gern Kräutertee trinke, wir haben darüber gesprochen. Auch, dass sie bitte zu mir kommen sollen, wenn sie irgendwann auf die Idee kommen sollten, selbst mal gern Kräutertee trinken zu wollen. Dann sprechen wir darüber. Grundsätzlich finde ich aber, dass das zu jung ist. Ich habe natürlich einen großen Einfluss auf sie, weshalb ich das aber eben auch nicht unbedingt direkt vor ihnen machen muss.

Das heißt, sie sind in einem Alter, in dem sie dein Musiker-Dasein definitiv schon verstehen und potenziell wahrscheinlich auch eher cool finden, oder?

Megaloh: Es kommt total drauf an. Manche Sachen finden die tatsächlich cool und andere finden sie total peinlich. Ich habe zum Beispiel mal bei Ju von Massive Töne auf einem WM-Song mitgewirkt, der „Das dicke dicke Ding“ hieß. Damit ziehen sie mich bis heute auf (lacht). Wie gesagt, im großen und ganzen finden sie es aber nicht peinlich, ich bin schon der Coole zuhause.

„Regenmacher“ ist dein zweites Major-Album, das über Nesola, das Label von Max Herre, erscheint. Welche Rolle hat Max denn bei der Entstehung dieser Platte gespielt?

Megaloh: Max ist jemand, der mich sehr viel selbst übernehmen lässt. Auch vom Charakter ist das niemand, der kommt und dir total reinpfuscht oder sagt, wie das ganze zu laufen hat. Bei dieser Platte bin ich einfach mit Ghanaian Stallion ins Studio gegangen für drei Monate und wir haben nur Songs produziert. Irgendwann hatte man zehn, zwölf Nummern und dann habe ich Max erst ins Studio geholt. Was Max sehr gut versteht, ist, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Er kann Sachen zusammenbringen, die ein anderer nicht sieht. Beispielsweise hatten wir schon die ganze Zeit mit den afrikanischen Einflüssen gespielt und über Livebläser nachgedacht. Von Max kam dann die Idee, die Bläser einfach echt zu machen.
Allgemein gesprochen macht er alles auf eine sehr unaufdringliche Art und Weise. Er sagt Dinge und schlägt Dinge vor, aber am Ende des Tages liegt die Entscheidung, was wir davon umsetzen, bei Ghanaian Stallion und mir.

Den Vorgänger „Endlich Unendlich“ hast du mehrfach als letzte Chance betitelt. Was wäre denn passiert, wäre das Album nicht so erfolgreich gewesen, wie es war?

Megaloh: Gute Frage. Auf jeden Fall hätte ich jetzt noch ein zweites Album gemacht, weil mein Vertrag das auch beinhaltet (lacht). Zum Glück musste ich da nicht durch. Es war ein Achtungserfolg, alle waren überrascht, beziehungsweise wurden die Erwartungen erfüllt.

Das ist total schwer zu sagen, was gewesen wäre, wenn „Endlich Unendlich“ nicht so funktioniert hätte. Ich hatte keinen Plan B.

Ich habe mal BWL studiert und wurde irgendwann exmatrikuliert, weil ich das Studium habe schleifen lassen. Da ich damals mit Level Eight mein eigenes Label hatte und auch mehr über das Geschäft wissen wollte, dachte ich, es könnte mir da vielleicht helfen.
Das war also keine Option mehr durch die Exmatrikulation. Wäre das Album gefloppt, hätte ich erstmal in mich gehen müssen.

Hättest du dich damit abfinden können, die Musik, zumindest auf kommerzieller Ebene, an den Nagel zu hängen?

Megaloh: Ich war schon an dem Punkt. 2010 wollte ich eigentlich schon aufhören und die „Monster EP“ sollte mein letztes Projekt werden. Da hatte ich schon damit abgeschlossen, also hätte ich es theoretisch auch nach „Endlich Unendlich“ machen können. Vielleicht sogar noch entschlossener, weil ich das Gewissen gehabt hätte, bei der Platte wirklich noch mal alles gegeben zu haben und es vielleicht schlichtweg nicht sein soll. Ob ich grundsätzlich aufgehört hätte Musik zu machen, weiß ich nicht. Ich mache das doch auch schon sehr viel für mich, weil es der Seele gut tut. Das Veröffentlichen kostet ja nun aber auch ganz schön viel und wenn es dann nur ein teures Hobby gewesen wäre, hätte ich’s wohl schon gelassen.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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