Mauli – “Spielverderber”

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„Trap braucht kein Abitur, Abitur braucht Trap“ rappt Mauli, formerly known as DirtyMaulwurf, auf
seinem ersten Langspieler. Der 22-Jährige Moabiter ist Teil des neusten Deutschrap-Movements, das sich ohne falsche Scheu an den US-Trends der letzten Jahre orientiert. Das weiß man spätestens seit Maulis letzter EP mit eben jenem Titel „Trap braucht kein Abitur“. Und um genau das soll es gehen und wenn die Backpacker sich daran stören, sollten sie jetzt schon aufhören zu lesen. Für den Rest der Rap-Fans bleibt ein beeindruckendes Debütalbum und eines der besten Trap-Releases des Jahres. Aber was macht Mauli eigentlich anders, als die meisten Kollegen?

 

Zuerst ist da eine ganze Menge Attitüde. Zwar reicht er bei weitem nicht an die Arroganz seines Busenfreundes Marvin Game heran, allerdings ist auch bei ihm das egozentrische Weltbild Teil des Images. Zumindest erweckt das auf den ersten Blick den Eindruck, doch wer so viele Rapper auf einem Album erwähnt (von MoTrip bis Bosca, von Rockstah bis eRRdeKa bekommen einige ihr Fett weg) kann sein offensichtliches Interesse an der hiesigen Szene nur leidlich verbergen. Die Ambivalenz, die Mauli an den Tag legt, zeichnet seinen Sound aus. Denn nur, wer sich mit Rap auseinandersetzt, kann die ewigen Realkeeper-Motive ironisch brechen („93 Til Infinity“) und sich humorvoll darüber hinwegsetzen.

 

Dass diese Mischung aus Querverweisen und Überheblichkeit funktioniert, liegt vor allem an den überragenden Produktionen. Denn Morten, der das ganze Album produziert hat, beweist erstaunliches Gespür für verträumten US-Trap mit Cloud-Elementen, auf denen Maulis Autotune-Hooks perfekt funktionieren. Wenn gegen Ende von Tracks wie „Mauli pt.2“ das Tempo verschleppt wird, dann zeugt das von Liebe zum Detail. So werden aus guten Refrains Hits und aus minimalen Melodien Ohrwürmer. Zwar ist Mauli immer noch kein Spitter vor dem Herrn, aber seine Delivery ist schlichtweg grandios, selbst oder vielleicht gerade weil seine Stimme immer wieder bewusst ins Weinerliche übergeht.

 

Zwar gibt es kaum bis keine Variationen in Stil und Flow, aber Mauli ist auf Albumlänge trotzdem überraschend unterhaltsam. Ob jemand sich von seinen augenzwinkernden Provokationen tatsächlich beleidigen lässt, wird sich noch zeigen. Doch für wirkliches Konfliktpotenzial ist „Spielverderber“ eigentlich viel zu humorvoll und zahm. Einzig die Political-Correctness-Polizei wird sich an Wörtern wie „schwul“ und „Spasten“ stören, was auch wirklich nicht nötig gewesen wäre, wirkt Mauli doch eigentlich zu clever für diese Überbleibsel aus alten Berliner Rap-Tagen.

Hier könnt ihr euch das Album bestellen.

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