Mauli: „Charts sind das Irrelevanteste überhaupt“

Lange wurde es erwartet, diverse Male verschoben.
Zeitweilig kursierte gar ein Releasedatum im Internet, das auf Silvester 2016 angesetzt war. Die Begründung ganz einfach: Deutschrap sei schlichtweg noch nicht bereit für das, was Mauli mit seinem Debütalbum liefern werde.

Anfang 2012 weckte er durch seine Teilnahme am VBT erste Aufmerksamkeit. Anfangs noch mit gepitchter Stimme, stets mit Starwars-Klonkrieger-Maske.
Nach 2013 wandte der Berliner sich dem Battlerap ab und schlug neue musikalische Pfade ein.
Mittlerweile zieht Mauli die Aufmerksamkeit durch seine omnipräsente Anti-Alles-Attitüde und einen zugegeben gewöhnungsbedürftigen, aber eben auch innovativen Flow auf sich.
Wie passend, dass folglich auch auf angebliche Releasedates gepflegt ein Fick gegeben werden kann.
„Spielverderber“ kam aus dem nichts. Einfach so. Spiel aus.

 

Bevor du „Spielverderber“ quasi aus dem Nichts releast hast, war das angekündigte Releasedatum der 31.12.2016. Die offizielle Begründung lautete, dass Deutschrap noch nicht bereit dafür sei. Es gab schon Leute, die dir das abgekauft haben, oder?

Mauli: Es gibt sicherlich Leute, die das geglaubt haben. Ich glaube aber, es ist klar, dass das nicht ganz freiwillig passiert ist.

Was führte denn zu der Entscheidung, den Move so durchzuziehen?

Mauli: So wie alles, das passiert, hatten wir das wirklich nicht geplant. Amazon hat das Erscheinungsdatum eines Morgens plötzlich umgestellt, weil irgendetwas verspätet war oder nicht geliefert worden ist, keine Ahnung. Daraufhin wollten die sich etwas Zeit verschaffen und haben das Datum einfach anderthalb Jahre nach hinten verschoben. Die haben nichts gehört und haben es dann auf unbestimmte Zeit vorverlegt. Das Datum war dann zufällig der 31.12.2016.
Die Vorbesteller haben dann E-Mails bekommen, dass ihr Artikel erst in anderthalb Jahren geliefert wird, woraufhin die natürlich Zustände bekommen haben und mir geschrieben haben.
Wir haben uns gefragt, wie wir reagieren und haben uns dann gegen eine Erklärung und für einen Witz entschieden.

Ich gebe zu, auch ich war kurzzeitig verwirrt.

Mauli: Wenn sich ein roter Faden durch die Promophase zieht, dann ist es Verwirrung. Verwirrung ist das einzige, das wir stiften.

Wirft man einen Blick auf Konsorten wie LGoony und Co., scheint jetzt doch ein guter Zeitpunkt für die Platte zu sein. 

Mauli: Ich finde es zwar schwierig, mich mit denen in einen Topf zu werfen, aber ich weiß, was du meinst. Es ist auf jeden Fall offener geworden. Jeder zweite Journalist und jeder dritte Falk pusht ja auch LGoony und momentan hat sowas einfach eine größere Chance zu bestehen. Durch das Internet erreicht es schon die Leute, die es erreichen soll.

 

Eins deiner Lieblingsopfer, was Seitenhiebe anbelangt, scheint Errdeka zu sein. Was ist der Hintergrund?

Mauli: Es ist nie etwas vorgefallen zwischen uns, ich habe lediglich sein Album gehört.
Ich höre mir alle neuen Alben und als ich damals das erste Errdeka Album gehört habe, konnte ich einfach nicht fassen, wie schlecht das ist. Jedes Mal, wenn mir dann ein guter Spruch eingefallen ist, hat der sich gegen Errdeka gerichtet.

Hatte das bisher schon Konsequenzen?

Mauli: 
Er hat das mitbekommen und findet das natürlich auch nicht gut, aber ich glaube nicht, dass da noch groß was kommt. Zwar hat er mich hier und da erwähnt, aber richtig unangenehm – soll er ruhig machen. Bei solchen Erwähnungen geht es mir ja auch nicht um Resonanz oder sowas, sondern lediglich darum, den Leuten zu sagen, wer nicht cool ist.

Ich mag lediglich die Musik nicht, das ist alles.

Deutschrap hat aktuell ja einen wahnsinnig hohen Output – du hörst dir wirklich alles an?

Mauli: Definiere „alles“. Anscheinend rappt ja inzwischen jeder zweite Mensch in Deutschland und bringt jeden zweiten Monat etwas raus. Dennoch würde ich sagen, dass ich mir sicher 70% der Releases anhöre. Einmal zumindest.

Lässt man das eigene Camp außen vor: Mit wem könntest du dir in Zukunft eine Zusammenarbeit vorstellen? 

Mauli: Die Ami-Features kommen auf’s nächste Album. Ich finde zum Beispiel K.I.Z. ganz cool, da sehe ich aber einfach nicht, dass das musikalisch irgendwie zusammenpasst. Ich glaube, ich würde richtig gern Maxim einzeln featuren und ich glaube, dann ist es auch egal, welchen Beat man nimmt (lacht).

Na, Streetlife International könnte da doch sicher Kontakte klären.

Mauli: Sicherlich könnte man da über Kontakte US-Features klären. Aber der Sinn besteht ja auch nicht darin, US-Künstler für irgendwelche Featureparts zu bezahlen, sondern darin, mit Künstlern zusammen zu arbeiten, die man zumindest über eine Ecke kennt und die dich irgendwo feiern.
Ich verstehe diese Einstellung nicht, jemanden um des Features Willen zu featuren.
Wer freut sich denn 2015 über einen verkackten The Game Part? Ich nicht.

Genauso unwichtig scheinen dir Charts zu sein – du würdest dich also potenziell nicht über eine Platzierung freuen?

Mauli: Klar – Würde ich das Album nicht alleine rausbringen, sondern über irgendein Sub-Label irgendeines Sub-Vertriebes, dann hätte ich vom Album vermutlich nichts, wenn ich es nicht auf Platz Eins schaffen würde.

Alle würden sich kurz freuen, weil es in den Top 10 oder sonst wo gelandet ist, aber was bringt mir das am Ende des Tages?

Man gibt unfassbar viel Prozente an Leute ab, die im Endeffekt gar nichts mit der Musik zu tun haben. Wenn man in den Charts mit Leuten verglichen wird, die überhaupt nichts mit einem zu tun haben, empfinde ich das als Frechheit. Die Diskussion um Charts geht leider komplett am Thema vorbei.

Die Charts-Diskussion ist in den letzten Jahren ja leider ein beliebtes Phänomen im Deutschrap geworden.

Mauli: Das geht aber wieder zurück, glaube ich. Dadurch, dass inzwischen jeder chartet und es nichts besonderes mehr ist, wird nicht mehr so viel Wert drauf gelegt. Natürlich wird eine große Masse von Rappern geben, die sich irgendwem hingeben und ein Label einfach machen lassen. Für Leute, die jedoch lediglich Musik machen wollen, sind Charts das irrelevanteste, was es gibt.
Ich höre ja wie gesagt auch die Musik, die chartet und weiß so, dass das überhaupt nichts zu sagen hat. Die einzigen beiden guten Alben aus dem letzten halben Jahr, die mir so einfallen, sind nicht einmal in den Top 5 gelandet.

Welche beiden Alben waren das?

Mauli: Das war Haftbefehl mit „Russisch Roulette“ und Zugezogen Maskulin mit „Alles brennt“.
Die beiden habe ich gehört und war krass positiv überrascht. Das hat mich gefreut.

Um noch einmal auf den kommerziellen Aspekt zurück zu kommen: Arbeitest du aktuell noch neben der Musik?

Mauli: Ich mache gerade nur Musik. Vom Kopf her könnte ich es mir nicht erlauben, ein paar Stunden nicht an Musik zu denken. Deshalb wäre es Zeitverschwendung, würde ich noch arbeiten.
Wir werden sehen, wie lang es so weitergeht.

Auch du hast eine VBT-Vergangeheit. Ziehst du dir das heute noch rein?

Mauli: Nein, gar nicht.
Das VBT ist ja wie die Miniatur-Version von Deutschrap.
Da wiederholt sich alles. Auf einem Album kannst du ja wenigstens noch erzählen, was du willst. Aber in Battles? Du hast jedes Mal einen Gegner und es sind jedes Mal die gleichen Opfer. Das System nutzt sich sehr schnell ab, wenn man das kreativ aufziehen will. Allerdings zieht es da niemand kreativ auf, da sonst richtige Musik dabei rauskommen würde.

Wirklich verfolgt habe ich ehrlich gesagt auch nur das erste Jahr.

Mauli: Das erste Jahr, das alle mitbekommen haben, war wie eine Art Serie, die du verfolgen konntest.
Wenn du aber eine Serie hast, in der die erste Staffel gut war, heißt das nicht automatisch, dass die sechste Staffel auch gut sein muss. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber es ist nur natürlich, dass sich Sachen abnutzen und dadurch uninteressant werden.
Im VBT sieht man sehr gut an Zahlen. Ich brauche gar keinen Blick auf die Zahlen werfen. Es reicht, wenn ich mir ein aktuelles Video angucke und sofort denke, dass es das gleiche ist, das vor drei Jahren schon durchgezogen wurde.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview – deine letzten Worte? 

Mauli: Money Boy ist pädophil und jeder, der mit Pädophilen chillt, hat keinerlei Basis verdient.

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