Maeckes: “Dann schmilzt die Platine in meinem Kopf.”

Maeckes ist eigener Aussage nach ein Unsicherheitsexperte. Jemand, der sich schon seit Jahren in einer unsicheren Branche, wie es das Musikgeschäft nun einmal ist, durchschlägt. Wobei sich das Risiko einer Musikerkarriere immer weiter minimiert, wenn man erfolgreich ist. Klingt logisch, oder? Der Weg zum Erfolg ist allerdings hart und siebt Jahr für Jahr Leute aus, die diesem Weg nicht gewappnet sind. Wenn man sich überlegt, wer aus der “Feuer über Deutschland”-Ära heute noch sein Geld auf den Bühnen des Landes verdient, kommt man schon nach wenigen Namen ins Grübeln. Doch Maeckes war stets mehr als “Der hat eben gut gerhymt”. Maeckes war stets jemand, der über den Tellerrand hinausblickt und so auf Musiker wie Tristan Brusch oder einen Menschen mit dem geheimnisvollen Namen “Äh, Dings” trifft.
Wir können also froh sein, dass er immer noch tagtäglich aufsteht, Cornflakes isst, Logic startet und aufnimmt. Denn dann kommt dabei neue Musik heraus, wie sein am 21. Oktober erscheinendes Album “Tilt”. Auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg haben wir uns mit dem in Österreich geborenen Stuttgarter über die Entstehungsphase des Albums unterhalten, Künstlervermittlung zwischen ihm und Jan Böhmermann betrieben sowie über die Momente in seinem Leben gesprochen, in denen einfach nichts mehr geht, in denen die Platine in Maeckes’ Kopf schmilzt.


Im Pressetext zum neuen Album wird von „Maeckes“ als Band gesprochen.

Ja (lacht). Das hat sich so zufällig ergeben eigentlich. Ich habe angefangen mit Tristan Brusch Musik zu machen. Den habe ich mal für ein Orsons Beat gesampled, dann habe ich ihn kennengelernt, dann haben wir angefangen erste Skizzen zu machen, dann sind wir auf die Idee gekommen ein Album zu machen. Er hat einfach viel Musik geschrieben und dann kam noch irgendwann Äh, Dings als Produzent hinzu, der auch Bass live spielt und plötzlich waren wir fast eine Band – Es hat nur noch ein Drummer gefehlt. Dadurch, dass wir zu dritt musikalisch alles für das Album gemacht haben, war das schon so Kollektiv-/Band-mäßig.

Möchtet ihr denn dann auch als Band wahrgenommen werden von nun an?

Das ist uns scheißegal. Im Endeffekt haben wir’s nur zu dritt produziert und jetzt spielen wir’s halt live.

Okay, weil es mir so offensiv vorkam, dass vom „ersten Maeckes-Band-Album“ gesprochen wurde.

Ey, diese merkwürdigen Pressetexte immer – das versteht ja kein Mensch (lacht). Ich finde auch, dass es gar nicht so Bandsoundig ist. Es ist schon das musikalischste, was ich bis jetzt gemacht habe, aber es ist schon so trotzdem voll Beat- und Produktions-lastig.

Ich war auch überrascht. Auf dem splash! habe ich nur einen kleinen Teil deiner Show gesehen, der mir sehr indielastig vorkam. Da dachte ich mir direkt: „Okay, in die Richtung geht’s also.“ Das Album ist dann aber deutlich Beat- und Rap-lastiger ausgefallen als ich erwartet habe.

Auch als ich erwartet habe (lacht)! Ich hatte aber auch Bock drauf. Ich hatte Bock darauf, dass es Beats sind, dass es Rap ist und ich nicht so Singi-Zeug mache. Eigentlich mache ich das kaum. Manche Hooks sind so Singsang, aber ich hatte Bock auf Rap.

Ich hatte nämlich durch deine Gitarrenkonzerte und auch den Blogs zum Album hin den Eindruck, dass es nicht in die Raprichtung gehen wird. Aber jetzt wo „Gettin’ Jiggy With It“ gerade herausgekommen ist, wird das Bild wieder klarer.

(lacht) Ja, Hip-Hop-Beat, Samples drin – stimmt!

Wie wichtig war Tristan Brusch denn für das Album?

Immens wichtig. Wie gesagt, ich bin jetzt auch schon eine Weile am Musik machen und produzieren, aber ich bin kein Musiker. Ich habe kaum musikalisches Verständnis – vieles sind Zufälle und Ideen und vieles geschieht durch Musiker, die ich mir hole, die dann etwas einspielen. Doch mit Tristan die Musik zu machen, das war ein ganz anderes Level – das war wie „Musik machen“. Ich dachte immer: „Ah, so machen das Musiker wahrscheinlich!“ Und so entstand das Album und das war schon krass für mich. Das steckt da überall drin, im ganzen Album, das kleine Genie von dem Typen.

Doch mit Tristan die Musik zu machen, das war ein ganz anderes Level – das war wie „Musik machen“.

Wie kam denn dann Äh, Dings hinzu?

Wir haben schon vor Jahren angefangen das Album zu machen und –

„Gettin’ Jiggy With It“ ist ja auch schon etwas älter.

Ja, genau! Das ist eigentlich ein Gitarrenlied. Dann habe ich den Beat gemacht und gemerkt: „Warte mal, dass ist eigentlich ein Rap-Lied“ (lacht). So rum ist’s ein Rapsong geworden – eigentlich ist es oft anders herum.

Und Äh, Dings?

Wir waren schon ein paar Mal unterwegs, zum Beispiel in Dänemark, und haben Musik gemacht. Irgendwann war es mir aber zu viel, alles zu produzieren, zu editieren und ich bin da auch wirklich nicht der Beste. Ich bin eher ein kreativer Produzent, wenn es aber darum geht Kompressoren einzustellen, da ist jeder Andere besser als ich. Dann habe ich aber mitbekommen, was der alles macht, dass er so ein Tausendsassa ist und durch Zufall mitbekommen, dass er im selbe Kaff wie ich groß geworden ist. Normalerweise kennt man da jeden, weil’s ein kleines Kaff ist, aber ihn hatte ich nicht so auf der Uhr. Ich war beeindruckt von allem, was er so macht. Der hat Acht Millionen Bands, ist eigentlich Grafiker und wenn man ihm eine Woche gibt, lernt er das, was man braucht – ein Video animieren oder was weiß ich was. Es war mir eine Ehre ihn mit an Bord zu holen.

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Hanfosan

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