Macklemore: „Nach Perfektion zu streben ist doch einfach nur menschlich, oder?“

Macklemore aus Seattle, Washington ist ein Rapper, an dem man in den letzten Jahren in der Musikwelt nicht vorbeikommt. „Gemini“ heißt sein neues, viertes Studio Album, das am 22. September 2017 erscheint. „Gemini“ ist das Erste Projekt seit zehn Jahren, dass nicht in Zusammenarbeit mit seinem Freund und Produzenten Ryan Lewis erscheint. Der Rapper, der im Jahr 2000 bereits die ersten Releases hatte, bekam seine erste größere Aufmerksamkeit  in Deutschland im Jahr 2012. Angefangen mit „Thrift Shop“, dem Track, dessen Video innerhalb kürzester Zeit viral wurde, ist mit einer Milliarde Aufrufe eins der meistgeklicktesten Videos auf ganz YouTube. Darauf folgte das Album „The Heist“ mit Tracks wie „Can’t Hold Us“ und „Same Love,“ mit denen er sehr große Erfolge verzeichnen konnte. Macklemore spricht politische Problematiken in seiner Musik an, aber auch persönliche Umstände. Auf der anderen Seite hat der Ausnahmekünstler aber auch Lieder, die einfach eine durchweg gute Stimmung haben. Kurz gesagt gibt es wenig, was dieser Rapper nicht kann. Die ersten beiden Singleauskopplungen des Albums „Gemini“, „Glorious“ und „Marmalade“ geben schon einen Vorgeschmack auf das kommende Album. Wie der Albumtitel „Gemini“ zu verstehen ist, warum die Zusammenarbeit mit Ryan Lewis nicht zustande kam findet ihr hier heraus.

macklemore gemini

 

Macklemore, wie gehts dir?

Gut und selbst?

Auch, danke. Ist das „Gemini“ Album schon fertig?

Klar! Fertig und eingeschickt. Bis zum Release sind es jetzt noch drei Wochen.

Das klingt gut. „Gemini“ Ist der Albumtitel. Wieso grade dieser Name? Wegen deines Sternzeichens Zwilling oder wieso hast du das Album so genannt?

Ja, genau richtig. Ich bin Zwilling als Sternzeichen und die Metapher des Zwillings zieht sich auch durch das Album. Denn auf der einen Seite hat es eine helle, positive Seite und dann sind da auch Titel die eine eher dunklere Seite haben.

Vorbestellen könnt ihr „Gemini“ hier!

 Das wird meiner Persönlichkeit gerecht. Ich habe in meiner Musik immer wert darauf gelegt, dass ich beide Seiten des Lebens und somit beide Stimmungen kombiniere. Alle Schatten und alle einfachen Dinge im Leben.

Gemini ist jetzt das erste Projekt ohne Ryan Lewis. Wieso?

Ryan und ich machen jetzt seit 10 Jahren durchgehend gemeinsam Musik. Und nach dem letzten Album haben wir uns beide dazu entschlossen eine Pause einzulegen, nicht unbedingt dauerhaft – aber eine Pause, in der wir mit anderen Leuten arbeiten. Um wieder zu Kräften zu kommen. Denn weisst du, manchmal ist es schwierig inspiriert und kreativ zu bleiben, wenn du mit jemandem jeden Tag gemeinsam verbringst. Das kann einen echt fordern. Wir haben uns dazu entscheiden, dem Ganzen einfach ein bisschen Raum zu geben. Wir verstehen uns weiterhin sehr gut. Er ist mein Bruder. Wir machen weiterhin Shows gemeinsam und reden gelegentlich. Das war einfach etwas, das wir machen wollten um andere Wege der Musik gehen zu können.

Das ist vollkommen verständlich. Apropos Shows: Du gehst auf Tour in Amerika, hast auch schon ausverkaufte Termine. Ist eine Tour in Europa geplant?gemini tracklist

Oh ja, sicher! Das ist der Plan. Europa ist für 2018 angesetzt. Ich meine die Tour ist bereits gebucht und bereit 2018 raus zu gehen.

Wird es Konzerte in Deutschland geben, Hamburg vielleicht ?

Es wird sicher Daten in Deutschland geben. Absolut.

Reden wir weiter über deine Musik: Durch den Erfolg deiner Tracks hat man das Gefühl, dass du zu einer Art Hit-Fabrik geworden bist. Fragst du dich jemals, ob deine Tracks in Wettbewerb miteinander gehen?

Auf jeden Fall! Ich bin definitiv eine wettbewerbsfähige Person. Mit mir selber natürlich am aller meisten, weil die Kritik an mir selbst auch das ist, was mich immer wieder dazu bringt ins Studio zu gehen. Und ja, da wären Songs, die ich lieber mag als andere. Einer meiner Lieblingssongs beispielsweise ist auf dem kommenden Album. Weisst du ich habe zwar keine Ahnung ob andere Leute das Lied mögen werden, ich habe es auch Leuten gezeigt, dessen Meinung mir was wert ist. und die meinten „ah okay ja, ist cool“ aber für mich ist es mein Lieblingssong. Nicht direkt mein Lieblingssong, aber der Song, den ich am ehesten höre, wenn ich im Auto bin. Es sind immer verschiedene Stimmungen und Emotionen. Auf ein Großteil meiner Arbeit, die tiefgründiger ist, politischer und darüber wie es um den sozialen Stand auf er Welt steht bin ich stolz, aber ich würde mir das nicht
selber anhören. Ich denke nämlich, dass es für diese Titel einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit gibt. Mit diesem Album wollte ich einfach Musik machen, die ich wie gesagt im Auto hören kann. Nicht nur im Auto natürlich, es sind viele verschiedene Stimmungen zu erkennen, aber Musik fürs Auto ist auf jeden Fall Teil davon.

Ich habe den Album-Trailer gesehen, in dem du sagst, dass du einen Track am Tag machen willst. Gab es einen Track mit dem meisten Arbeitsaufwand oder hattest du Probleme beim Schreiben einiger Songs?

Nein. Also worauf du dich grade beziehst ist letzter November, als wir mit unserem „lass uns einen Song am Tag machen“ anfingen. Was die Idee dahinter war, ist, dass wenn man jeden Tag einen Song macht, man sich selber weniger kritisiert. Denn normalerweise weisst du okay, ich habe morgen einen Tag frei, dann kann ich meine Arbeit morgen weiter machen. Aber so wirst du einfach kontinuierlich besser. Wenn ich an das Album denke, ist da wirklich kein Track, der mich richtig lange beansprucht hat. Also kein Song, an dem ich zwei Wochen gesessen habe, und einfach nicht wusste wie ich voran komme. Dieses Problem hatte ich in den vorherigen Alben. Bei dem jetzigen hatte ich einfach Spass.
 

Das hört sich gut an. Dein Leben scheint auch sehr erfüllt zurzeit. Du hast deine Tochter, eine starke Bindung zu ihr und zu deiner Familie und zu deiner Frau. Shows ziehst du durch, auch wenn du dich davor übergibst. Gibt es denn etwas, dass Macklemore stoppen kann?

Ich denk natürlich darüber nach für wie lange ich das Ganze machen werde und wie lang ich das machen kann. Ich habe die Wahl. Ich habe die Wahl aufzustehen und zu arbeiten und die Wahl am Telefon Presse zu machen oder mit meiner Tochter grade auf der Treppe zu spielen. Es ist zwangsläufig eine Balance und eine Wahl, die ich da vor mir habe. Denn so wie sich unsere Familie möglicherweise vergrößert und sowie ich auch älter werde stellt sich die Frage in wie weit ich diese Opfer in meiner Familie bringe um eine Musik Karriere zu haben. Glücklicherweise bin ich gesegnet den Erfolg zu haben, bei dem es nicht notwendig ist, mit Musik die Rechnungen zu bezahlen. Diese Wahl, die ich da habe wird sich mit der Zeit in eine immer schwarz-weißere Fragestellung entwickeln. Will ich ein Jahr ein neues Album machen und dann ein weiteres touren? Ein Album dauert wirklich zwei Jahre wenn alles gut läuft. Da ist also ein großes Fragezeichen.

Und realisierst du diesen ganzen Erfolg überaupt? Du scheinst mir wie eine sehr offenherzige, bodenständige Person. Ich frage mich, wie du deine Fassung behälst. Wo findest du Ruhe? Bei deiner Familie, Freunden, in der Musik?

Für mich ist das Größte auf jeden Fall meine Familie und meine Entzug-Community. Du weisst ja, ich bin im Entzug und clean. Ich bin ein aktives Mitglied, gehe zu Treffen und lege sehr viel Wet auf die Mitgliedschaft. Das sind die Dinge, die mich am Boden halten und mich spirituell erfüllen.

Trotzdem bist du immer noch ein sehr unabhängiger Künstler. Deine Musik kann nicht gelabelt werden. Welche Musik hörst du eigentlich?

Ich höre sehr viel Jazz, Grand Green, Still Avens und andere. Zum anderen Teil behalte ich natürlich auch den Überblick was in der Rap Industrie so los ist. Also Rap und Jazz höre ich.

Lastet nicht ein starker Leistungsdruck auf dir? Welche Tips würdest du Artists geben? 

Der Druck wird nie verschwinden. Man hat nie das Gefühl, als hätte man etwas hundert prozentig geschafft und ist komplett zufrieden. Selbstzweifel, öffentliche Meinungen, man wird in Schubladen gesteckt und beurteilt.- Es geht eigentlich nur darum, über diesen Dingen zu stehen. Es stellt sich natürlich immer die Frage, ob man Musik als Hobby oder als Job haben will. Entweder hast du Spaß an der Musik und hast es nicht zu deinem Beruf gemacht oder du hoffst, dass es dein Job wird. Am Ende des Tages geht es wirklich nur darum, Spaß zu haben und den Prozess des Schreibens und der Produktion an erster Stelle zu sehen. Am wenigsten Gedanken machen sollte man sich über das fertige Produkt, auch wenn das am wichtigsten scheint. Frag dich niemals ob dir ein Track mehr Fans bringen wird, mehr Anerkennung, mehr Geld … Weil genau das lenkt einen von dem Gedanken der Musik weg, die dich selber ja eigentlich definiert. Denn was man kreiert ist größer als man selbst. Ein Moment, den man im Studio einfängt. Wenn man den Prozess mehr lieben lernt als das Ergebnis fängt die Musik meistens an besser zu klingen. Das ist dann der Punkt, an dem der eigentliche Prozess beginnt. Aber sobald man sich zu viele Gedanken macht, steht man sich selber im Weg. Man muss sich auf einen „Spitit“ einlassen, der größer ist als man selbst. 

„Man hat nie das Gefühl, als hätte man etwas hundert prozentig geschafft und ist komplett zufrieden.“

Vielen Dank für diese starke Aussage. Meine letzte Frage wäre …

… Lass uns das so beenden: Nach Perfektion zu streben ist einfach menschlich oder? Wir wollen alle perfekt sein. Wir wollen als perfekt gesehen werden und wertgeschätzt werden. Egal was wir tun. Wir zeigen uns auf eine bestimmte Art anderen Menschen und es wird auf eine bestimmte Art aufgenommen. Wir wollen immer allem gerecht werden weisst du … Was wir aber vergessen, ist, dass wir so eine kurze Zeit auf dieser Erde haben. Alles ist für uns begrenzt und wir sind in mitten eines so kurzen Augenblicks auf dieser Welt, dass wir einfach genießen und annehmen sollten.

„Nach Perfektion zu streben ist einfach menschlich oder?“

Wo auch immer du bist lebe für den Moment und merke, dass nur du die beste Version von dir selbst werden kannst. Wenn du davon nicht wegkommst wird es mit Sicherheit klappen. Einfach niemals zu hart zu sich selbst sein und aufhören Angst zu haben und zu zweifeln.

Vielen Dank für deine ehrlichen Worte und das du dir die Zeit genommen hast.

Gerne! Ich danke dir.

 

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