Macklemore & Ryan Lewis – This Unruly Mess I’ve Made (Review)

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Ein Drittel der Songs als Singles ausgekoppelt, Platin in den Vereinigten Staaten und den Grammy für das beste Rap-Album – kaum ein Debüt mischte die US-Szene so auf wie „The Heist“. Doch der Titel des Nachfolgers funktioniert nicht nur auf Erfolgs-, sondern auch auf persönlicher Ebene. Macklemore kämpfte in den vergangenen Jahren mit Drogenproblemen, die das Release von „This Unruly Mess I’ve Made“ verzögerten.

Die Gästeliste von DJ Premier und KRS One bis Grandmaster Caz, Melle Mel und Kool Moe Dee aber auch Ed Sheeran verspricht zunächst etwas mehr Stringenz. Klingt nach „Back to the Roots“, doch das Duo aus Seattle bindet die Rap-Urgesteine in die Moderne ein. Auf „Downtown“ beispielsweise singen Caz, Mel und Moe im Chor auf einem Latin-Piano unterlegt von einem Cowbell-Cascara. „Lets eat“ ist eine jazzige Nummer, „Need to know“ weist Elemente des Neo-Soul auf. Mit „Dance off“ wiederum findet sich auf der Tracklist ein geladener Clubsong. Wie bereits auf dem Vorgänger entwirft Produzent Ryan Lewis eine eigene Soundästhetik, die in ihrer breiten Streuung ihre Homogenität findet. Am ungewöhnlichsten gestaltet sich das 9-minütige Anti-Rassismus-Plädoyer „White Privilege II“, das bereits ausgekoppelt wurde. Mehr als auf jedem anderen Track merkt man Macklemores akribische Arbeit am Text und Vortrag an; sein prophetischer Charakter erinnert an Brother Ali. Der hier unterlegte Chor als Träger des Wir-Gefühls und als Einladung zum Mitsingen findet sich mehrmals auf dem Album.

Allgemein würde ich empfehlen, das Album an einem Stück zu hören – allzu oft bricht die Rhythmik, um Raum für eigene Gedanken und Offenbarungen zu schaffen, um den direkten Kommunikationskanal mit dem Hörer zu nutzen.

Darin liegt der wahrscheinlich größte Unterschied zwischen „The Heist“ und „This Unruly Mess I’ve Made“. Obwohl auch der Nachfolger Elemente verschiedener Genres einbindet, gleicht „The Heist“ im Vergleich einem Ensemble an eigenständigen Hits. Einen ähnlichen Wechsel vollzog beispielsweise Mac Miller. Obwohl ich den Wechsel befürworte, könnte dies zu einer Entfremdung beim Hörer führen; schließlich wurde das Duo in den letzten Jahren als Ohrwurm-Maschine kategorisiert. Andererseits bedeutet dieser Bruch für Macklemore und Ryan Lewis künftige künstlerische Freiheit.

Macklemore & Ryan Lewis
VÖ Datum: 26. Februar 2016
Verkaufsrang: 1
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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.

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