BACKSPIN Mag #107: Mac Miller

Bei seinen ersten Auftritten in Deutschland wurde er bereits frenetisch gefeiert und sorgte für ausverkaufte Häuser. Erstaunlich bei einem Künstler von gerade einmal 19 Lenzen, der bisher nur durch YouTube-Videos (über 30 Millionen Clicks für „Donald Trump“) und diverse free-download-Mixtapes von sich Reden machen konnte. Wenn man so jung ist, nimmt man das mit der Disziplin natürlich nicht so genau und befindet sich zum vereinbarten Interviewtermin noch unter der Dusche. Aber von Starallüren keine Spur. Vielmehr lebt der junge MC aus Pittsburgh seine Texte, die vom unbeschwerten Leben eines heranwachsenden Highschool-Teenagers handeln. Für seine Videos sind seine Most-Dope-Freunde verantwortlich, die auch stets darin zu sehen sind. Vielleicht sind es gerade Werte wie Freundschaft und Familie, mit der sich seine Hörer identifizieren können.

Mac Miller ist jünger als der Gameboy und samplet dennoch eine Zeile von Nas‘ „Illmatic“ für einen seiner größten Hits „Nike’s on my feet“. Es ist genau diese Retro-Ästhetik, die ihn auch für ältere Hörer interessant macht und deren nostalgische Gefühle bedient. Aber Mac Miller steht nicht für einen bestimmten Sound. Wenn er nicht gerade Beats von sei- nem Freund DJ Premier bekommt, hört man ihn auch auf neuen synthetischen Erzeugnissen mit hochgepitchten Popsamples seine Zeilen zum Besten geben. Diese Linie der Mixtapes ist er auch auf seinem Debütalbum „Blue Slide Park“ treu geblieben. Es geht soundtechnisch in keine bestimmte Richtung, Mac Miller macht das, worauf er Lust hat und was Spaß bringt. Und genau so könnte er sich in die Riege der Top-Rapper katapultieren, eine ganze Generation hat er jedenfalls schon im Rücken. Nicht wenige sehen in ihm einen potentiellen Eminem-Nachfolger. Die Karriere von Asher Roth hat gezeigt, dass man bei solchen Vergleichen vorsichtig sein sollte. Angesprochen auf seine ersten Besuche in Wiz Khalifa‘s Gegend als kleiner weiße Junge, gibt Mac Miller klar zu verste- hen, dass er sich um solche Sachen keine Gedanken macht. Er geht da hin, wo er will und arbeitet, mit wem er will. Ein mögliches Zeichen dafür, dass die Zeiten vorbei sind, in denen weiße Rapper aufgrund ihrer Hautfarbe mangelnde Respektbekundungen erfuhren und heute vielmehr auf die Musik und den verkörperten Lifestyle geachtet wird. Ob er diesen Lifestyle auch noch in ein paar Jahren angemessen repräsentieren kann, wird sich zeigen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dürfte dies jedoch ein Klacks sein.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

The following two tabs change content below.
Schreibt in freier Mitarbeit für BACKSPIN.
Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.