LX und Maxwell „Obststand“ (Review)

obststand_lx_maxwell_187_cover_505Dass die gemeinsame Vorliebe für exzessiven Marihuanakonsum eine gute Arbeitsgrundlage ist, haben Gzuz und BonezMC mit ihrem Album „High und Hungrig“ bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. „Warum also etwas anders machen?“, dachte sich vielleicht die 187 Strassenbande. Nun schickt sie ihren Nachwuchs, LX und Maxwell, mit ähnlichen Interessen und ihrem Album „Obststand“ ins Rennen. Können die beiden Newcomer mit den alten Hasen mithalten und was verbirgt sich hinter dem Albumtitel, eine musikalische Reise nach Obstfriesland?

Bereits beim ersten Hören wird klar, dass das Album seinen Namen nicht zu Unrecht trägt. Nahezu jeder Song handelt vom Verkauf und Konsum von verbotenen Früchten, also dem Verticken von Drogen. Ebenso präsent ist die Leidenschaft für Lacoste-Trainingsanzüge und schneeweiße Sportschuhe. Mit dem Song „Außer Kontrolle“ geben LX und Maxwell gleich zu Anfang die Marschroute des Albums vor: „Nur noch gerade aus, nie wieder rückwärts.“ Der Hunger ist den Newcomern deutlich anzumerken. Obwohl die beiden „Obsthändler“ völlig unterschiedlich klingen, harmonieren sie überraschend gut miteinander. Maxwells raue, dauerheisere Stimme, gepaart mit LX aggressiver Artikulation und dem sympathischen lispeln sorgen für einen unverwechselbaren Sound. Dazu trägt natürlich auch Jambeatz bei, der das ganze Album produziert hat.

Trotz des lustigen Albumtitels und Lines wie: „Guck, ich häng hier ab wie ein Koalabär, viel zu schlapp, sie macht ihn wach per Oralverkehr“, ist die Stimmung größtenteils ernst und aggressiv. Auch wenn die Künstler auf dem Album nicht ausführlich ihre schwere Kindheit oder sonstige Schicksalsschläge verarbeiten, bekommt man auf Songs wie „N.I.G.G.A“ einen Eindruck von den weniger schönen Seiten ihres Alltags. Nicht nur „Kunden mit Schulden wie Griechenland“ scheinen in ihrem Leben für Probleme zu sorgen, sondern auch Gefängnisaufenthalte und Gerichtsverfahren.

Selbstverständlich werden LX und Maxwell auf dem Album von der restlichen Bande mit Featureparts unterstützt. Besonders profitiert „Obststand“ von den eingängigen Hooks des experimentierfreudigen Labeloberhaupts Bonez MC auf Tracks wie „Weiße Haifischnikez“ oder „Gangsta Rap“.

Wer sich „Obststand“ zulegt, kommt in den Genuss von authentischem Straßenrap mit einer Prise „Balla Balla, ich hab nicht alle Tassen im Schrank“, um es mit Maxwells Worten auszudrücken. In typischer 187-Manier berichten LX und Maxwell vom Kleinkriminellen Dasein in der Großstadt Hamburg. Sollten sich Gzuz und Bonez MC irgendwann in den Ruhestand begeben, müssen sie sich um Nachwuchs und Altersvorsorge keine Gedanken machen!

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Paul Schwenn, geboren 1995, beendete im Jahr 2014 seine Schullaufbahn mit dem Abitur. Der glühende Fußballfan und treue HSV-Anhänger absolvierte bereits Praktika bei transfermarkt.de und dem Investigativ-Ressort der ZEIT. Neben Fußball und Politik begleitete deutschsprachiger Rap seine Jugend. Prägende musikalische Einflüsse aus seiner Heimatstadt Hamburg waren beispielsweise "Am Wasser Gebaut" von Fettes Brot oder Nate57 mit "Stress aufm Kiez". Für jede Stimmungslage oder Lebenssituation liefert ihm die vielfältige deutsche Raplandschaft den passenden Soundtrack.

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