Luke Cage: Ein Statement für die afroamerikanische Kultur

Cage

luke-cageSeit zwei Wochen ist mit „Luke Cage“ der neueste Streich aus dem Hause Marvel beim Streamingdienst Netflix verfügbar – und nicht nur Fans von Superhelden, sondern auch Hip-Hop-Heads kommen bei der 13-teiligen Serie auf ihre Kosten. Ob Episodentitel, Soundtrack der 1. Staffel oder diverse Gastauftritte – wer sich im Hip-Hop-Kosmos zuhause fühlt, ist auch hier gut aufgehoben.

Mike Colter verkörpert in „Luke Cage“ den gleichnamigen Protagonisten, der nach einem missglückten Experiment über übermenschliche Kräfte und eine undurchdringbare Haut verfügt. Im New Yorker Viertel Harlem beheimatet, versucht Cage ein normales Leben zu führen, wird jedoch früh aus seiner Deckung gerufen. Fortan muss sich der Hüne den Kriminellen in Harlem stellen, darunter der Gangsterboss und Nachtclubbetreiber Cottonmouth.

„Eine kraftvolle Fusion aus dunklem Drama, Hip-Hop und klassischer Superheldenaction“. – Showrunner Cheo Hodari Coker über „Luke Cage“

Und was hat das ganze mit Hip-Hop am Hut? Nun, es fängt damit an, dass jede Episode nach einem Song von Gang Starr benannt ist, z.B. „Moment of Truth“, „Step in the Arena“ oder „You Know My Steez“. Auch der Soundtrack der Marvel-Serie fällt stark Hip-Hop-lastig aus, für den die A Tribe Called Quest-Gründungsmitglieder Ali Shaheed Muhammad und Adrian Younge verantwortlich zeichnen. So finden sich Songs von Nas, Wu-Tang Clan oder Rakim, den bereits erwähnten Gang Starr und A Tribe Called Quest, aber auch von Jazz-Pionier Miles Davies, Soul-Barde Charles Bradley oder Gospelsängerin Mahalia Jackson in „Luke Cage“ wieder.

Showrunner Cheo Hodari Coker bezeichnet die Serie als „Hip-Hop-Western“, und auch Hauptdarsteller Colter schlägt im Gespräch mit dem Musikexpress in dieselbe Kerbe. „Es geht einfach um einen Typen ohne Namen, der in eine fremde Stadt kommt, in der eine etablierte Hierarchie herrscht. Und auch wenn die Oberen dieser Hierarchie nur das Beste für die Stadt wollen, sind die Leute nicht glücklich und wenden sich an den Neuankömmling“. Ein Motiv in vielen Filmen, und auch der Hip-Hop-Kultur, in der Geschichten um Underdogs und das Aufbegehren gegen die Obrigen elementar sind, nicht gänzlich fremd.

Mit der Kulisse des modernen Harlems wurde bewusst eines der Haupzentren afroamerikanischer Kultur in den USA als Drehort gewählt, entstammen dem Viertel im New Yorker Stadtbezirk Manhattan doch Rap-Akteure wie P. Diddy, A$AP Rocky, R’n’B-Sängerin Alicia Keys und nicht zuletzt Kurtis Blow. Luke Cage, die erste dunkelhäutige Person im Marvel-Universum, der eine tragende Rolle zukommt, bewegt sich stilecht in Schuhen von Timberland und Hoodies von Carhartt durch die Straßen des New Yorker Stadtteils.

Und verkörpert dabei eine Art schwarzen Sheriff, passend zur Hip-Hop-Western-Thematik, der sich mit denselben Fragen und Problemen wie einst Malcom X und Martin Luther King konfrontiert sieht: Ist Gewalt der einzige Weg, um in die Position der Selbstbestimmung zu gelangen? Muss man sich einem korruptem System fügen, um eine Machtposition zu erreichen? Oder ist das behutsame Weitergehen des eigenen Wegs die einzige Möglichkeit, um etwas zu verändern? Fragen, mit den Protagonisten und Antagonisten gleichermaßen zu kämpfen haben.

Serienschöpfer Coker, ein ehemaliger Musikjournalist, der für das Musikmagazin VIBE die Titelgeschichte zu Notorious B.I.G.’s Tod schrieb, eckt mit seinem schwarzen Rächer an. Denn: In Zeiten von Black Lives Matter, der internationalen Aktivisten-Bewegung der afroamerikanischen Gesellschaft, die sich gegen ausufernde Polizeigewalt und Tötung schwarzer Mitbürger einsetzt, polarisiert eine Figur wie Luke Cage.

Doch gerade deswegen ist für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch Gastauftritte von Method Man, Faith Evans oder Raphael Saadiq tun ihr Übriges. Und wen das alles nicht überzeugt, der kann sich zumindest an den Hip-Hop- und Jazzklängen der Serie erfreuen.

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von „Luke Cage“ anhören:

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Yannick H. ist seit Oktober 2015 bei BACKSPIN. Wenn er nicht gerade in seinem knallgelben Ostfriesennerz durch die Stadt schlendert, hält er Ausschau nach dem Besten vom Besten in Sachen Hip-Hop.

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