Lucky Looks: „Was ich kann ist Atmosphäre.“

Lucky

“Typisch, Lucky, Liebe und Delapi” – so beschreibt Lucky Looks sein jüngstes Release “Lieutenant”. Schon seit zehn Jahren macht der Bietigheim Bissinger mit seiner Musik auf sich aufmerksam – früher noch als Battlerapper in der RBA, heute mit melancholischen Texten und atmosphärischem Sound. Sein Debütalbum “Rotznase” erschien Ende 2013, ob es da 2017 Zeit für einen Nachfolger wird? Diese und weitere Fragen beantwortet Lucky Looks im Interview. Auch was hinter “Lieutenant” steckt, welches das beste Lied seiner Karriere ist und wie er zu Shindy steht erfahrt ihr hier.

Auch wenn du schon eine ganze Weile Musik machst, gibt es noch zu viele Hip-Hop Hörer, denen der Name Lucky Looks nichts sagt. In ein paar Worten: Wer steckt hinter diesem Pseudonym?

Lucky Looks: Looks gibt es noch gar nicht solange, vielleicht kennt man mich ja unter Doc Cock, MeinSchweißgeruch, Airgeiz oder Lux noch aus der RBA. Ist jetzt so 10 Jahre her. Richtig verrückt. Lucky Looks an sich gibt es glaube ich erst seit 2011. Dahinter steckt ein Internetrapper der früher ein Headset hatte und jetzt ein etwas teureres Mic.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?

Irgendwas zwischen Schnulzen- und asozialer Battlerapper. Veröffentliche bisher zwar nur das schnulzige Zeug, aber hab eigentlich demnächst vor mal ein Best-Of meiner Banger rauszuhauen.

Irgendwas zwischen Schnulzen- und asozialer Battlerapper.

Welches ist für dich das beste Lied deiner Karriere?

Puh schwierig. Ist gefühlt immer der neueste Song. Im Moment ist das “Nummer 5”, der kommt aber erst noch. Irgendwann.

Jetzt stehst du mit “Lieutenant” in den Startlöchern. Wie lange hast du an der EP gearbeitet?

So wirklich dran gearbeitet habe ich nie. Mache ich generell nie, wenn es um Musik geht. Zwischen dem neuesten und den ältesten Track der EP liegen aber 2 Jahre. Also so etwa über diese Zeitspanne dran rumgetüfelt und verschiedenste Demos zu aufgenommen.

Wieso hast du diesen Titel gewählt?

Fand ich passend. Hat dem ganzen so einen höheren Aufhänger gegeben. Habe mir ehrlich gesagt gar nicht so viel gedacht dabei, aber die Tracks haben alle eine etwas selbstzerörerische Atmo. Auch textlich greife ich immer wieder Kriegsbilder auf. Liegt entweder am zu vielen COD zocken oder dem Scheiß der passiert. Keine Ahnung. Unterbewusster Schaffensprozess an der EP und immer wieder Kopf gefickt von Krieg. Deshalb Lieutenant.

Mit welchen vier Worten würdest du die EP beschreiben?

Typisch, Lucky, Liebe und Delapi.

In den Tracks setzt du dich, wie schon oft, mit deiner Beziehung auseinander. Diese Thematik begleitet dich seit deinen ersten Releases. Wie wichtig ist diese Inspirationsquelle für dein kreatives Schaffen?

Komisch, dass du das so siehst. Beziehungsweise schade irgendwie. Ich versuche es eigentlich immer so offensichtlich zu machen, dass ich oft denke, dass muss man verstehen. So an der Oberfläche geht ein Haufen meiner Tracks über ein Mädchen und meine Beziehung zu ihr. Es geht aber größtenteils einfach nur um mich und ich versuche das irgendwie nicht so düster zu verpacken. Sondern mit Liebe. Ich benutze die Beziehung quasi als Vermittler meiner Ansichten.

Alle Beats der EP stammen von Delapi. Wie entstand die Zusammenarbeit zwischen euch? 

Delapi hatte mir nachts vor 2 Jahren mal einen Beat zukommen lassen (zu “Abzug”). Ich hab in der selben Nacht noch den Song dazu recordet und ihn darum gebeten mir in Zukunft öfter Beats zu schicken. Als ein paar der Tracks standen, sie ein ähnliches Klangbild hatten und unterbewusst immer mit Kriegswörtern betitelt wurden – lag es nahe dass wir daraus ne EP basteln.

Warum sind die Beats von Delapi perfekt für deine Texte?

Weil sie den nötigen Freiraum bieten. Ich bin nicht der beste Sänger oder Rapper. Das weiß ich auch. Aber was ich kann ist Atmosphäre, und dazu brauche ich eine gewisse Grundstimmung und Platz zum Entfalten.

Ich bin nicht der beste Sänger oder Rapper. Das weiß ich auch.

Du hast bisher Musikvideos zu “Lieutenant” und “Kapitulation” veröffentlicht. In beiden sind Ausschnitte zu sehen, die man bereits aus alten Clips kennt. Dies, und die wiederkehrenden Inhalte, lassen deine Musik (alle bisherigen Veröffentlichungen) wie eine zusammenhängende Einheit wirken. Wie siehst du das?

Zu meiner Musik passen keine Acting-Szenen o.ä. Zumindest nicht zu den Tracks zu denen es Videos gibt. Mit 1,2 Ausnahmen. Sie sind halt minimal aus meiner Sicht gehalten, wie die Tracks.

Shindy hat das Musikvideo zu “Lieutenant” geteilt. Kennt ihr euch persönlich?

Da wir beide aus Bietigheim kommen, und das nicht die größte Stadt ist – kennt man sich und läuft sich hier und da mal über den Weg. Ich selbst feier Shindy Songs jetzt so seit 13 Jahren oder so. Kenne die Tracks bis heute noch auswendig und mag auch sehr was er heute macht und wie sich das entwickelt hat.

Du hast immer betont, dass es dir bei deiner Musik nicht um Erfolg geht. Wünscht man sich als Künstler nicht trotzdem irgendwann mehr Aufmerksamkeit für das, was man tut?

Klar. 2011 hatte ich glaube ich 100 Likes oder so. Dann kam “Doppelpunktklammerauf” und ich war total geflasht dass der über Nacht 1000 Klicks hatte. Und immer mehr und mehr. Dann dachte ich ich habs geschafft und egal was ich raushaue wird groß. Wie du heute sehen kannst, ist das nicht so. Aber ist ok. Weil mir die Labelangebote etc. damals schon direkt zu Kopf stiegen und ich dachte ich werde n Star. Total kindisch. Heute mach ich einfach lieber so Musik ohne irgendwelche Erwartungen. Freue mich aber trotzdem über jede persönliche Nachricht.

Weil mir die Labelangebote etc. damals schon direkt zu Kopf stiegen und ich dachte ich werde n Star. Total kindisch. Heute mach ich einfach lieber so Musik ohne irgendwelche Erwartungen.

Dein Debütalbum “Rotznase” erschien vor über zwei Jahren. Wird es da nicht langsam Zeit für einen Nachfolger?

Nachfolger sind doch schrecklich. Weil sie nie an die Vorfolger rankommen. Ich mache lieber immer eigenständige Projekte und 2017 wird es erstmal endlich Zeit für das Ding mit Buskapé. Ob Album, EP, LP oder was weiß ich wie man das sonst noch nennt ist egal, hauptsache Musik.

„Lieutenant” erschien zum Jahresende. Wie blickst du auf das Jahr 2016 zurück? 

2016 war doch eigentlich ein tolles Jahr. Bezogen auf die Musikszene zumindest. Das kann und wird inklusive paar Bietigheimern 2017 genau so weitergehen.

Hier kannst du Lucky Looks neue EP „Lieutenant” kostenlos downloaden

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Aus der südlichsten Ecke in den hohen Norden gezogen um über Hip-Hop zu schreiben. I'm all the way up.

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