LP meines Lebens: Weekend

Welches ist dein Lieblingsalbum aller Zeiten? Diese Frage ist nicht sonderlich komplex, dennoch aber gar nicht so leicht zu beantworten.
Wir haben uns gefragt, welche eigentlich die Lieblingsalben der Künstler unserer Szene sind und direkt mal nachgefragt.
Bevor am 13. Oktober mit „Keiner ist gestorben“ das neue Album von Weekend erscheint, hat er die Zeit gefunden, mit uns über sein Lieblingsalbum zu sprechen.

LP meines Lebens: Weekend

Weekend, wenn du dich auf ein Album als die LP deines Lebens beschränken müsstest, welche wäre das?

Weekend: Mein Lieblingsalbum ist „The Future Is Now“ von Non Phixion.

Wieso hast du dich für dieses Album entschieden?

Weekend: Boah, unter dem Strich ist das auf jeden Fall das Album, das ich in meinem Leben am meisten gehört habe. Für viele Leute ist das, glaube ich, auch gar nicht solch ein krasser Klassiker wie beispielsweise „Illmatic“ von Nas oder so. Nach „The Future Is Now“ habe ich die ganzen Ill Bill Sachen auch nicht mehr so krass verfolgt. Auch Jedi Mind Tricks habe ich früher viel gehört, das ist musikalisch ja auch sehr nah dran. Rückblickend ist es übrigens auch heftig, wer alles auf dem Album gefeatured war: Large Professor, DJ Premier, MF Doom – da finden sich viele Künstler, die heute richtig erfolgreich sind.

Kannst du dich dran erinnern, wann du das Album zum allerersten Mal gehört hast?

Weekend: Tatsächlich war ich da sehr klein und ich war auf einem Freestyle Battle. Da war ein Typ, der wirklich gut war und dieser Typ hat später wem anders erzählt, dass gerade das Non Phixion Album erschienen ist. Ich habe mir das heimlich in meinem Handy notiert und das Album besorgt. Da wollte ich unbedingt wissen, worüber die geredet haben. Das war zu dieser Zeit, als man noch krass diggen wollte und alles aufgesogen hat. Da war ich früher sowieso total interessiert: Wenn ein Künstler irgendwo gefeatured war, habe ich immer sofort geguckt, wer das ist, wo er herkommt und mir die Alben angehört. Eine Zeit lange hatte ich einfach alles auf dem Schirm, was an US-Rap erschienen ist. Inzwischen bin ich da etwas anders, muss ich sagen.

Aber heutzutage brauchst du ja nicht mehr so tief zu diggen, sondern kannst dir schnell im Internet einen Überblick verschaffen, welche Alben aktuell sind.

Weekend: Ja, aber das erschlägt mich momentan total. Früher konnte man noch alles checken. Natürlich gab es auch viel Untergrund-Shit, den man nicht gecheckt hat und den nur 20 Leute aus der jeweiligen Stadt kannten. Heute kannst du nicht mehr alles hören. Aus den letzten Jahren ist mir das Vince Staples Album „Summertime o6“ noch hängen geblieben. Es hat mich richtig gefreut, dass es mal wieder ein Album gibt, das ein halbes Jahr lang bei mir läuft. Das war ein Moment, in dem ich realisiert habe, wie selten es geworden ist, dass man Alben noch so lang hört. Auch auf das neue Album von Kendrick Lamar habe ich mich unfassbar gefreut, es am Ende dann aber doch nur zehn Mal oder so gehört, weil so viel anderes erschienen ist. Diese kurze Lebensdauer von Alben liegt ja gar nicht an den Alben selbst, sondern an der krassen Masse an Releases.

Kommen wir wieder auf „The Future Is Now“ zu sprechen. Wie fiel deine erste Reaktion aus, als du das Album gehört hast?

Weekend: Das war einfach so böse, so rough und so aggressiv. Das war genau der Style, den ich mochte. Immer, wenn ich allein draußen mit Kopfhörern rumgelaufen bin, habe ich dieses Album gehört und es hat mich angetrieben. Dann ist man zur Bushaltestelle damit gelaufen und hat sich vorgestellt, wie es wäre, wohl mal ein paar Songs auf einer Bühne zu performen.

Besitzt du die CD oder die Vinyl oder konsumierst du Musik ausschließlich digital?

Weekend: Ich hatte das Album auf CD, die dann irgendwann verschwunden ist. Irgendwann erschien eine krasse Special-Edition auf Platte, die ich mir danach gekauft habe.

Kannst du dich für einen Lieblingssong von dem Album entscheiden?

Weekend: Ein richtig geiles Album hat, wie ich finde, nicht den einen Lieblingssong, sondern keinen, den du skippst. Wahrscheinlich ist mein Lieblingssong trotzdem „It’s us“ oder „Rockstars“. Trotzdem würde ich fast lieber nein sagen, weil alles auf dem gleichen Level geil ist.

Konntest du Non Phixion schon einmal live erleben?

Weekend: Die haben sich ja leider dann recht fix aufgelöst. Es gab einen Amsterdam Gig, da war ich aber viel zu jung und durfte schlichtweg nicht. In der Formation also nicht, aber einzelne Mitglieder von Non Phixion habe ich schon live erlebt.

Hat das Album Einfluss auf deine eigene Musik genommen?

Weekend: Früher schon. Mittlerweile bin ich musikalisch ja viel offener. Dennoch glaube ich, dass man musikalisch davon sicher jede Menge mitgenommen hat. Gerade rappt ja jeder slow auf 70 BpM. Ich bin immer noch bei 90 BpM – ich mag auch trappige Sachen gern, aber selbst habe ich gar nicht vor, das in meiner Musik einfließen zu lassen. Auch, wenn es vermutlich nicht klug ist, gerade mit herkömmlichen Sachen um die Ecke zu kommen.

Stell dir mal vor, du triffst auf der Straße jemanden, der noch nie von dieser Platte gehört hat: Wie würdest du dieses Album bewerben? Wieso sollte man es sich auf jeden Fall anhören?

Weekend: Aktuell leben wir in einer Zeit, in der man Leuten US-Rap gar nicht mehr sehr nah bringen kann. Die aktuelle Generation von Rap-Hörern in Deutschland hört Deutschrap. Daher ist es wohl schwierig. Dennoch würde ich wohl mit Argumenten kommen wie: Das ist textlich so geil, das ist so asozial und rough. Für mich ist das ein perfektes Album. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass ich das lediglich so empfinde, weil ich es damals so gehört habe und heute Nostalgie verspüre, wenn ich das höre. Heute würde es wohl den Zeitgeist nicht treffen.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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