ACHTVIER

LP meines Lebens mit: Megaloh (aus der BACKSPIN MAG #111)

Megaloh, welches Album ist die LP deines Lebens? Welche Scheibe hat dich im Rückblick am meisten beeindruckt und geprägt?

Das war „The Blueprint“ von Jay-Z, also ein Hip- Hop-Album. Ich bin ja ziemlich ignorant und höre fast ausschließlich Hip-Hop.

Kannst du dich daran erinnern, wie und wann du es gekauft hast?

Ich habe es auf CD gekauft, einen Plattenspieler habe ich nie besessen. Wie das war, weiß ich nicht mehr, aber ich erinnere mich noch daran, wie ich es das erste Mal gehört habe. Ich war damals mit einem Kumpel in den Ferien nach Schweden unterwegs. Auf der Fähre hatten wir während der Überfahrt genug Zeit, uns das Al- bum anzuhören. Und es war einfach krass für mich. Wir haben uns einfach nacheinander jeden Song gegeben – ohne zu skippen. Es war das erste Mal, dass ich mir ein Album so angehört habe. Und dann hat es auch direkt Spuren hinterlassen. Jeder Song war für mich krass. Er hat das immer weiter aufgebaut. Das war in jedem Fall ein übertriebenes Hörerlebnis.

Warum? Was war für dich das Besondere?

Zum einen war es für mich sehr musikalisch. Das war ja auch die LP, die das ganze Soul-Sample-Ding wieder in den Fokus von Hip-Hop gerückt hat. Zu der Zeit war ja alles ein bisschen Synthilastiger – wegen der Kosten für die Samples. Ich habe mal gehört, dass Jay-Z für das Album eine Million Doller für das Sample-Clearance ausgegeben haben soll. Er war ja schon erfolgreich und hat dann quasi den ganzen Erfolg in diese Platte gesteckt, um das krasseste Ding zu machen. Das hat mich beeindruckt. Und dann die Texte, der state of mind, in dem er da war. Dazu hat er in einem Song Mobb Deep und Nas quasi – naja, nicht beerdigt, aber auf jeden Fall hart angeschlagen. Zu jedem Song gibt es irgendwas. Bei „Girls, Girls, Girls“ hatte er Q-Tip, Biz Markie und Slick Rick nur für die Hook dabei. Drei Oldschool- Legenden, nur damit der Refrain jedes Mal eine andere Stimmfarbe kriegt. Das muss man sich mal vorstellen!

Kann man sagen, dass dich Jay-Z nachhaltig beeinflusst hat?

Das kann man. Dieses Business-Denken, was er da mit reingebracht hat – er hat gezeigt, dass er eben nicht nur der gesignte Rapper ist, der einfach Mucke macht, sondern dass er die volle Kontrolle über sein Schaffen behalten hat und das dann auch inhaltlich in seiner Musik spiegeln kann. So kam es zumindest bei mir an.

Und was hast du da für deine eigene Musik herausgezogen?

Wir haben ja 2002 unser eigenes Label gegründet, Level Eight – da steckte viel Inspiration von Jay-Z und seinem Schaffen mit drin, auch wenn die in einer anderen Situation waren. Aber dass du Herr deiner Sache sein kannst, das hat er uns gezeigt.

Mega und KD Supier, mit dem du damals ja Level Eight gemacht hast, als Jay-Z und Damon Dash?

Ein bisschen haben wir uns so gesehen, obwohl die Realität letztendlich gezeigt hat, dass das doch alles ein bisschen anders läuft. Vor allem sollte man sich generell nicht so große Fußstapfen aussuchen, in die man treten will. Vorbilder, oder Leute, die einen inspirieren, sind okay, aber auf keinen Fall sollte man versuchen, denselben Weg zu gehen. Das war meine Lektion. Ich habe die zwar nicht nachgeahmt, aber ich musste eben trotzdem erkennen, dass ich an einem ganz anderen Punkt bin, und andere Dinge für mich eher relevant sind und ich andere Taktiken wählen muss. Zumal der Markt in Deutschland auch einfach ein ganz anderer ist.

Noch mal zurück zu „The Blueprint“: Hast du mit dem Album auch begonnen, dich für die Leute hinter den Kulissen zu interessieren, oder ging es dir allein um die Musik?

Unbewusst, aber dadurch, dass er viel von hinter den Kulissen in die Songs reingepackt hat, war das halt so. Zum Beispiel im Song „U don’t know“, wo er seinen Wert runterbricht und das in der zweiten Strophe nochmal aufgreift und erzählt, wie er jetzt durch Klamottenverkäufe noch mal ein vielfaches von dem verdient, was er vorher verdient hat. Wie er sagt, dass man das mal zusammenrechnen und sehen soll, was aus ihm geworden ist. „Mama hat keinen dummen Jungen erzogen“ – das ist doch das Ding! Jeder Junge will seine Mama stolz machen.

Hast du dir auch das Booklet durchgelesen und die Credits gecheckt?

Weniger, damals war ich noch nicht so tief drin. Jetzt gucke ich vielleicht schon mal, von welchem Song was gesampled wurde. Aber damals habe ich nur nach den Features geguckt.

Und die Producer-Credits? Hat das Album Kanye und Just Blaze in deinen Fokus gerückt?

Die sind mit dem Album auf einmal auf der Bildfläche erschienen. Die haben vorher auch Sachen gemacht, aber mit dem Album waren die auf einmal die gefragtesten Produzenten. Nach deren Beats habe ich dann schon mal geguckt, wobei ich sagen muss, dass ich Just Blaze gar nicht so feiere. Sicher gibt es Sachen von ihm, die ich total feiere, aber dann gibt es auch wieder welche, die ich total absturz finde.

Welcher Song ist dein Favorit auf der Scheibe?

Eigentlich ist das „U don’t know“. Das ist kein Hit oder so, aber das ist einer der krassesten Live- Songs von Jay-Z. Man rastet einfach aus, wenn er den live spielt. Ich finde, es ist meistens eh so, dass die Songs eine größere Bedeutung haben, die nicht den ganzen Tag im Radio rauf- und runtergespielt werden. Die Radio-Tracks sind einfach irgendwann ausgelutscht, abgenutzt. Es liegt am Ende aber auch an einem selbst, wie oft man einen Song oder das ganze Album hört.

Du gehörst ja wahrscheinlich noch zu den Generationen, die mit noch mit physischen Tonträgern groß geworden ist…

…ich kenne Kassetten. (lacht)

Was denkst du über die Entwicklung der letzten Jahre, durch die physische Tonträger für die Masse stark an Bedeutung verloren haben?

Schwierig. Auf der einen Seite gibt es einem natürlich viel mehr Möglichkeiten zu archivieren und sich seine eigene Playlists zu erstellen wenn man nicht mehr ganze Alben oder Singles kaufen muss, sondern auch einzelne Songs. Man braucht nur das zu kaufen, was man gut findet und kann so die Suche verfeinern. Auf der anderen Seite nimmt es der ganzen Sache ein bisschen seine Wertigkeit. Wenn man Musik als MP3 runterladen kann, hat sie in meiner Vorstellung auch weniger Bedeutung, als wenn du in den Laden gehst und dir die Platte kaufst, auf die du dich gefreut hast. Dafür hat man dann etwas geleistet. Heute muss man nichts mehr leisten, um an Musik zu kommen. Dadurch hat sie ein wenig an Wert verloren, aber das ist eben der Lauf der Dinge. Nun muss man andere Wege finden, Werte in die Musik zu bringen, zum Beispiel über die Qualität.

Lass uns auch auf dein Album zu sprechen kommen. Du bist wahrscheinlich einer der ganz wenigen, denen viele in der Szene seit vielen Jahren sehr viel zutrauen und auf deinen großen Wurf warten. Nun erscheint am 8. März dein neues Album...

Ja, und ich hoffe, dass es zu einem wichtigen Punkt für meine Karriere und mein Leben wird. Wie du schon sagst, ich mache das nicht seit gestern. Ich habe eine Menge Arbeit und Liebe in das Album gesteckt, und natürlich will ich, dass nun etwas passiert. Es soll irgendetwas verändern. Ich sehe das ein bisschen wie eine Geburt. Wenn es kommt, sollte sich danach etwas verändern. Der einzige Punkt, an dem ich mich während der Arbeit an dem Album orientiert habe, war der zu versuchen, Musik zu machen, die auch in vielen Jahren noch cool ist. Ich habe nicht auf Hypes oder Trends geschaut, sondern allein auf die Nachhaltigkeit.

Von den vielen Einflüssen des „The Blueprint“- Albums ist also für deine neue Platte nicht so viel übrig geblieben?

Den Gedanken, mich selbst aufzubauen, habe ich übernommen. Ich selbst will Megaloh schaffen. Als ich damals das Album zum ersten Mal hörte, wusste ich natürlich noch nicht, wie das werden soll, aber der Gedanke, etwas Zeitloses schaffen zu wollen, war in jedem Fall der Hauptaspekt. Damals habe ich ja auch noch zum Großteil auf Englisch gerappt. Erst so um 2000, 2001 habe ich die ersten Texte auf Deutsch geschrieben. Und als ich dann „The Blueprint“ hörte, dachte ich, der Typ ist auf so einem krassen Level mit der Sprache, der lebt das einfach. Da musste ich mit meinem Anspruch auf Deutsch rappen. Ganz egal, wie gut ich auf Englisch rappen konnte, ich wäre trotzdem immer nur einer gewesen, der in Deutschland lebt und auf Englisch rappt.

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