LP meines Lebens: Jalil

Und? Welches ist dein Lieblingsalbum aller Zeiten? Diese Frage ist nicht sonderlich kompliziert, dennoch aber alles andere als leicht zu beantworten.
Auf dem diesjährigen splash! Festival sind wir losgezogen, um herauszufinden, welches eigentlich die all time favorite Alben der dort vertretenen Künstler sind.
So haben wir uns mit Jalil getroffen und ihn gefragt, welches Album er als die LP seines Lebens bezeichnen würde, um danach mit ihm über das Release quatschen zu können.

 

LP meines Lebens: Jalil

Welches Album würdest du als die LP deines Lebens bezeichnen?

Jalil: E. 1999 Eternal von Bone Thugs-n-Harmony.

Kannst du dich erinnern, wann du das erste Mal mit dem Album in Berührung gekommen bist?

Jalil: Das war die erste CD, die ich als Kind besessen habe. Das Album ist 1995 erschienen, da war ich sieben.

Mit sieben Jahren hast du die englischen Texte vermutlich gar nicht verstanden, oder?

Jalil: Ich habe englisch verstanden, aber die haben so schnell gerappt, dass ich die ganzen Schimpfwörter nicht verstanden habe. Die ganzen Kiffer-Anekdoten habe ich auch nicht verstanden. Einzelne Zeilen konnte ich mitrappen, aber ich habe eben nicht verstanden, was die gesagt haben. Als Kind hast du bloß die Melodie, die Harmonie und den Stil gehört. Da war auch der ganze Style und alles drumherum für mich sehr inspirierend. Erst als Jugendlicher habe ich verstanden, über was sie da wirklich rappen.

Hat dich diese Platte auch dazu animiert, selbst mit dem Rappen anzufangen?

Jalil: Jein. Das erste Mal gerappt habe ich durch Ice Cube, wenn ich ehrlich bin. Das kam durch den „Boyz n the hood“ Soundtrack. Allerdings hatte ich da noch nie daran gedacht, wirklich Rapper zu werden. Bone Thugs-n-Harmony war für mich aber schon ein Wegbereiter, was Rap betrifft und was mich inspiriert hat. Das waren so viele Künstler, die so verschieden waren, aber dennoch gut miteinander harmoniert haben, das hat viel zu meinem musikalischen Verständnis beigetragen.

Hast du die CD original zuhause im Schrank stehen?

Jalil: Ja. Da ich als Kind ein riesiger Fan war, habe ich alle CDs von denen original. Irgendwann habe ich mal meine CD Sammlung ausgemistet. Insgesamt besitze ich jetzt nur noch so 80-90 CDs, von Bone aber habe ich alle behalten. Teilweise habe ich sogar noch Erstauflagen zuhause, beispielsweise „The Chronic“ von Dr. Dre oder „Doggy Style“ von Snoop Dogg. Die haben einen richtigen Wert mittlerweile.

Hattest du mal die Chance, Bone Thugs-n-Harmony live zu erleben?

Jalil: Ich habe tatsächlich mal Krayzie Bone kennengelernt. Das Treffen war für mich allerdings eher etwas erschreckend, ganz nach dem Motto lern nie deine Idole kennen lernen. Wir kamen gerade selbst von der Tour und haben im Schnitt vor so 1000 Leuten gespielt und alles war für mich total groß. Dann komme ich auf das Konzert von ihm und vor der Bühne waren ca. 100-150 Leute. Das war total der Ghetto Club und plötzlich war sein Legendenstatus etwas verrückt. Ich dachte so: Okay, er kommt nach Berlin und die Leute feiern ihn gar nicht, die geben ihm nicht die Anerkennung. Das war komisch, trotzdem war es cool, ihn kennenzulernen, weil ich ihn als Kind so idolisiert habe.

Wie war er denn persönlich?

Jalil: Persönlich war der ein ganz komischer Typ. Er hat nur gechillt. Er saß in einer Ecke und hat seine Musik gehört. Dabei hatte er einen Ghettoblaster, so ein riesiges Ding. Daran hat er seinen Laptop angeschlossen und saß im Endeffekt eine Stunde da und hat sich selbst und seine Musik gefeiert. Den Auftritt habe ich mir 20 Minuten angeguckt und bin dann auch gegangen.

Inwiefern hat dich das Album musikalisch beeinflusst?

Jalil: Musikalisch mache ich ja mittlerweile etwas ganz anderes, weil es natürlich auch eine andere Zeit ist. Als Kind und später auch als Jugendlicher hat mich das Album stark beeinflusst, besonders dahingehend, dass ich mir abgeguckt habe, mit der Stimme zu arbeiten und auszutesten, wo meine Limitierungen sind. Ich glaube, auf „Epic“ hört man das gut, wie ich mit den Flows rumexperimentiert habe. Da merkt man schon sehr, dass das von damals kommt.

Hast du einen Lieblingssong auf der Platte?

Jalil: Ja, „Mo’ Murda“, weil ich den Beat extrem krass fand damals. Außerdem rappen alle Vier auf dem Song so krass. Da war nicht der Fall, dass einer den anderen übertroffen hat. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist das ganze Album krass, alle 16 Songs. Jeder Song ist eigen und klingt nicht wie der davor oder danach. Sie rappen krass auf alle Beats, die Produktion ist abgestimmt und für die Zeit damals ist die Platte auch extrem gut gemischt und gemastert. „Mo’Murda“ ist für mich allerdings am krassesten rausgestochen.

Würdest du heute auf jemanden treffen, der noch nie von der Existenz dieser Platte erfahren hat. Wie würdest du das Album beschreiben – wieso sollte man dieses Album unbedingt sofort hören?

Jalil: Weil die Gruppe und das Album damals einen Grundstein gelegt haben und sie eine Zeit lang nie den Respekt bekommen haben, den sie verdient hätten. Und weil du hörst, dass sie super viele Künstler beeinflusst haben. Hört man die aktuellen Künstler wie Drake beispielsweise, sagt jeder, dass Bone Thugs-n-Harmony damals die krassesten waren. Für fast jeden Künstler der heutigen Zeit ist das in der Kindheit das Nonplusultra gewesen und deshalb sollte man dieses Album dringend hören, um zu verstehen, woran diese Künstler sich orientiert haben.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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