LP meines Lebens: Genetikk

Und? Welches ist dein Lieblingsalbum aller Zeiten? Diese Frage ist nicht sonderlich kompliziert, dennoch aber alles andere als leicht zu beantworten.
Auf dem diesjährigen splash! Festival sind wir losgezogen, um herauszufinden, welches eigentlich die all time favorite Alben der dort vertretenen Künstler sind.
So haben wir uns mit Genetikk getroffen und Karuzo und Sikk gefragt, welches Album sie als die LP ihres Lebens bezeichnen würden, um danach mit ihnen über das Release quatschen zu können.

LP meines Lebens: Genetikk

 

Könnt ihr euch auf ein Album einigen, das ihr als LP eures Lebens bezeichnen würdet?

Sikk: Ich würde sagen „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ von Kanye West.

Karuzo: Da bin ich auf jeden Fall dabei.
Was zeichnet das Album für euch aus?

Karuzo: Das Album ist extrem warm und sehr musikalisch. Dazu ist es abwechslungsreich, es findet sich auch viel Gesang auf dem Album, es befindet sich sehr nah am Pop ohne dabei Plastik zu sein.

Sikk: Das ist auch schwer nachzumachen, so wie es seit Jahren in Europa versucht wird. Dieses Level, das da erreicht wurde, ist so schwer zu adaptieren. Man kann das mit einer Platte von Michael Jackson vergleichen: Du kannst es nicht einfach nachmachen. Jeder könnte aber theoretisch Trap machen, Beats bauen.

Könnt ihr euch daran erinnern, wann ihr die Platte zum ersten Mal gehört habt?

Sikk: Als es veröffentlicht wurde.

Karuzo (zu Sikk): Du hast es auf jeden Fall zuerst gehört und mir das Cover gezeigt. Der Film war aber auch krass.

Sikk: Richtig, auch da stimmt einfach alles. Das Artwork von George Condo ist heftig.

Habt ihr das Album original im Schrank stehen als CD oder Vinyl?

Karuzo: Ich habe es nur digital.

Sikk: Ich habe zuhause die CD.

Habt ihr einen Lieblingssong der Platte?

Karuzo: Boah, viele. Das ist immer phasenabhängig. „Blame game“ ist krass. Das Intro zum Beispiel ist aber auch asozial. Eigentlich aber alles – auf der Platte sind nur Hits, ohne dass es im klassischen Sinne Hits sind.

Hat euch das Album selbst musikalisch beeinflusst?

Sikk: Ja, hat es sehr. Jedoch nicht unbedingt, was die Musik betrifft, sondern haben wir uns eher abgeguckt, wie man mit Features umgeht. Im Intro singt zum Beispiel Nicki Minaj unerwartet und kommt einfach so rein. Dann switcht es in einen RZA Beat. Wir machen auch solche Kollagen wie er, das ist cool.

Karuzo: Ich finde auch die Wärme des Albums krass. Unabhängig von einzelnen Songs, aber es ist total warm. Das ganze Soundbild berührt einen, auch, wenn es sehr schwer zu erklären ist.

Hast du einen Hang zu Synästhesie, also siehst du Musik in Farben?

Sikk: Das Cover des Albums ist aber auch rot.

Karuzo: Ich glaube, wir sind beide einfach sehr visuelle Menschen, Sikk noch mehr als ich. Das ist aber auch die Art, wie wir untereinander über Musik sprechen. Wenn wir eine Songskizze entwickeln, müssen wir uns natürlich austauschen. Bei uns funktioniert das oft ohne Worte. An manchen Stellen sprechen wir dann doch darüber und man fragt den anderen nach seinen Vorstellungen, in welche Richtung der Song geht. Da kann es schon vorkommen, dass man solches Vokabular benutzt und zum Beispiel sagt: „Der Song ist rot, der muss stechen“. Manchmal verstehen außenstehende Leute das nicht ganz, aber wir beide haben uns über die Jahre solch ein Verständnis erarbeitet. Er weiß, was ich meine, wenn ich sage, das soll rot klingen.

Konntet ihr Kanye schon einmal live erleben?

Sikk: Leider nein.

Karuzo: Ich habe Kanye leider auch noch nie live gesehen.

Sikk: Ich glaube, als es möglich gewesen wäre, waren wir nicht da.

Karuzo: Wir sind aber in den nächsten Monaten in Amerika, da könnte man ja mal gucken, ob da was geht.

Eine abschließende Frage: Würdet ihr jemanden treffen, der noch nie von „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ gehört hat, mit welchen Worten würdet ihr in überzeugen, sich diese Platte unbedingt anzuhören?

Sikk: Ich würde wirklich sagen: Das ist Hip-Hop, so wie ich es wahrnehme. Es ist bei Musik immer schwierig, das irgendwie in Worten auszudrücken.

Karuzo: Was man vielleicht noch hinzufügen könnte: Es gibt Songs, die klingen nach Blues und Klavier, das ist richtig schwarze Musik, die starken Gospel Einfluss hat. Dazu gibt es dann noch Songs mit Jay-Z, Rick Ross und Nicki Minaj, also ein absolutes Gigantentreffen. Und es gibt Songs wie „Blame game“, die super zart und einfühlsam sind. Es gibt auch so künstlerische Alben, die total gestellt wirken. Hier wurde mit allen handwerklichen Mitteln gearbeitet, die man haben kann. Es ist alles drin und es ist trotzdem Hip-Hop und Straße. Da wurden alle Register gezogen – ich weiß nicht, ob man eine Platte runder machen kann als diese.

The following two tabs change content below.
Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.