Loyle Carner: “Man darf nicht vergessen, warum man Texte schreibt.”

Loyle

In dem angesprochenen Track äußerst du ebenfalls mehre Selbstzweifel. Nach all den Dingen, die in deiner Karriere in den letzten Monaten passiert sind. Sind diese Zweifel immer noch existent oder sind sie verflogen?

Loyle: Ich denke, die sind immer noch da.

Worauf arbeitest du hin? Was muss passieren, damit sie verschwinden?

Loyle: Das kann ich nicht sagen. Ich schreibe weiter Texte, da sich mich befreien. Das hört niemals auf, da immer wieder neue Sachen passieren, über die ich schreiben muss. Wenn ich Texte schreibe, habe ich das Gefühl etwas sehr sinnvolles zu tun.  Es gibt immer wieder Menschen die dein Herz brechen oder dich durch andere Taten zum schreiben motivieren. Das ist mein Antrieb.

Fällt dir das schreiben manchmal schwer oder reicht dein Erlebtes für längere Zeit?

Loyle: Letztens hatte ich so eine Phase, da fiel es mir schwer. Dann setzte ich mich selber unter Druck und dann ging gar nichts mehr. “Shit”. Dann merkte ich, dass es so nicht weiter geht. Manchmal konnte ich ein halbes Jahr nicht schreiben, aber innerhalb eines Wochenendes schrieb ich Bars für zehn Alben. So funktioniert das. Es klingt pathetisch, aber ich liebe das, was ich tue. Ich kann es deswegen aber nicht erzwingen.

Wir sehen dich in dem Musikvideo auch als alten Mann immer noch mit einem Textbuch in der Hand und rappend. Freust du dich auf diese Zeit?

Loyle:  Ja, zu 100 Prozent. Wenn ich 70 bin, dann stehe ich immer noch in der Booth und schreibe die besten Tracks.

Auf deinem Cover zu der Single “No CD” sehen wir dich und Rebel Kleff durch Schallplatten stöbern. Erinnerst du dich an deinen letzten Fund?

Loyle:  Vor zwei Tagen habe ich zwei Chet Baker Vinyl für meinen kleinen Bruder gekauft. Er ist ein großer Fan, also besorgte ich sie ihm. Das ist zum einen ein Spinn-Up von ihm und die andere Platte ist die Aufzeichnung einer Live-Show aus Utah.

Nach welcher Vinyl suchst du zur Zeit aktiv?

Loyle:  Ich würde mich sehr freuen, wenn mir eine Schallplatte von The Jones Girls “Nights Over Egypt” in die Hände fallen würde. Aber gar nicht für mich, sondern für den Vater einer Freundin von mir. Er ist ein großer “Funk-Head” und liebt gute, alte Sachen. Deswegen suche ich gerade so etwas für ihn.

Als Weihnachtsgeschenk?

Loyle: Ja, genau. Ein paar Wochen habe ich noch.

Er klopft dreimal auf den alten Holztisch und das Aufnahmegerät wird einem spontanem Basstest unterzogen.

In dem Track sagst du auch, dass du kein Geld hast, da du dir neue Alben gekauft hast. Wie ist deine Meinung zu Streaming?

Loyle: Ich denke es ist eine gute Sache. Obwohl, ich habe nicht so wirklich eine klare Meinung. Als Künstler werde ich so gut wie nicht bezahlt, also schon, aber das sind ganz kleine Beträge. Das ist zumindest besser als nichts. Ich als Künstler verdiene den Großteil meines Geldes durch den Verkauf von Merchandise und Konzertbesuchern. Aber ohne Streaming würden sich die Leute die Musik einfach von YouTube runterladen. Als ich jünger war, war das oft meine einzige Möglichkeit Musik zu hören. Aber das ist zum einen illegal und zum anderen vermittelt es die falschen Werte. Das Streaming muss auf jeden Fall noch verbessert werden, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit. Grundsätzlich ist es aber eine tolle Möglichkeit viele Menschen zu erreichen.

Jeder Künstler macht Musik, um von so vielen gehört zu werden wie möglich.

Loyle: Eben und dann muss man akzeptieren, dass man mit “Musik machen” nicht das große Geld verdient. Du wirst nicht nur durch das veröffentlichen von Musik Millionär, aber deswegen machst du es ohnehin nicht, sondern weil du es machen musst.

Aktuell ist das ein sehr interessantes Thema. Künstler wie Chance The Rapper, der nie eine CD im klassischen Sinne verkaufte bis heute oder ein Kanye West, dessen Musik wohl nicht mehr auf CD erscheinen wird, nur als Beispiel.

Loyle: Es sind verrückte Zeiten. Aber es hat auch so viele Vorteile. Die Musik ist zwar das Herzstück eines Künstlers und wenn die Leute an dich glauben, dann werden sie deine T-Shirts kaufen und deine Konzerte besuchen. Mir ist es sehr wichtig gehört werden zu können. Ich kann mich daran erinnern, das als mein Stiefvater starb, ich sehr viel Musik hörte und den Großteil davon auf Spotify. Aber wenn es die Musik dort nicht gab, sah ich keine andere Möglichkeit sie zu bekommen. Es gibt so viele Menschen, die es sich nicht leisten können jedes Album zu kaufen, dass sie gerne hören würden. Jeder soll in der Lage sein meine Musik zu hören, deswegen ist Streaming wichtig.

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Viele Menschen kaufen wieder Vinyl, obwohl das Medium schon seit Jahrzehnten abgeschrieben ist. Ende Januar erscheint dein Debütalbum: Hat sich etwas verändert oder “ain’t nothing changed?”

Loyle: Es ist nah, an dem was ich zuletzt veröffentlicht habe. Ich bin etwas älter und reifer geworden, aber die Botschaft des von dir angesprochenen Songs ist immer noch aktuell. Noch bin ich kein durchgedrehter Popstar, sondern der Junge, der Musik macht.

Das erste Album bei einem Label ist für viele Künstler in deinem Alter eine schwere Herausforderung und sie kriegen das Gefühl, etwas außergewöhnliches machen oder sich neu erfinden zu müssen. Du wirkst auf mich aber ziemlich entspannt.

Loyle: Wie du schon sagtest: “Ain’t nothing changed .” Es ist natürlich mehr Druck, aber bis jetzt sehe ich alles locker. (lacht)

Das “BACKSPIN Unterwegs” zu sienem Konzert im Hamburger Molotow, könnt ihr hier lesen.

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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien macht, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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