Loomit: „Das absolute Privileg noch Langeweile zu erfahren“

Es ist Sommer 1994 und ein Graffiti Künstler namens Loomit berichtet für die erste BACKSPIN Ausgabe aus New York über die dortige Graffiti Szene.  117 BACKSPIN Ausgaben und 22 Jahre später ist Loomit einer der bekanntesten Graffiti Künstler unserer Zeit und hat auf der ganzen Welt seine Kunstwerke hinterlassen. Was im Alter von 15 Jahren mit dem örtlichen Wasserturm in Bayern begann, ist heute Loomits Beruf und hat ihn auf der ganzen Welt begehrt gemacht. Loomit war an der Gestaltung des ersten großflächig bemalten Zuges in Deutschland dabei, hat in New York viele seiner Spuren hinterlassen und in Südamerika, China, Neuseeland und ganz Europa maßgeblich die Graffiti Szene geprägt, gefördert und beeinflusst. Er war 2001 am größten Graffiti- Projekt der Welt beteiligt, welches anlässlich des Hamburger Hafengeburtstages gemalt wurde, hat das Salzburger Fußballstadion verschönert und 2002 den Schwabinger Kunstpreis erhalten. Zurzeit sind Loomits neueste Werke bis zum 02. Juli  in der OZM Art Space Gallery in der Sternschanze in Hamburg ausgestellt. Das war für uns natürlich ein Grund uns mit Loomit zu treffen und mit ihm über seinen höchst spannenden Werdegang und seine Sicht auf die Entwicklung der Graffiti Szene zu sprechen.

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Was hast du dir bei der Ausstellung vorgenommen?  Welche Ideen wolltest du verwirklichen? Welchen Hintergrund gibt es?

Loomit: Der Hintergrund ist, dass die OZM Gallery und ich ja vor drei Jahren hier schon einmal eine Ausstellung gemacht haben. Ich bin jetzt nicht so der Ausstellungsmensch, ich mache das nur sehr selten. Hamburg mache ich aber sehr gerne. Als dann die Anfrage kam ob ich wieder eine Ausstellung in Hamburg machen würde – mit der Aufforderung das Vordach zu bemalen – hat sich das so ergeben. Also das was du jetzt unten siehst sind die Arbeiten der letzten 2 Jahre. Mal hab ich ein bisschen Zeit im Winter genutzt, etwas daran gemacht, etwas hier gemacht, es ist halt nicht so als direkte Ausstellung konzipiert. Trotzdem habe ich jetzt mal die Mittelformate zusammengefasst und schon bei der Auswahl darauf geschaut, dass es eine Linie gibt.

Letztes Mal war das alles sehr naturverbunden, gibt es da wieder eine bestimmte Linie wie letztes Mal?

Loomit: Wenn du genau hinschaust ist es das jetzt immer noch. Ich hab da jetzt keine menschlichen Charaktere drin. Ich habe da wirklich sehr viel mit Tieren und 3D Elementen gearbeitet. Ich mache halt immer gerne was mit all den verschiedenen Techniken, die da sind um die Farbe an die Wand zu bringen. Es sind natürlich auch viele Geschichten dabei, die ich mit Sprühdosen, Lackstiften oder mit Kombination von beidem oder mit Rollen gemacht habe. Also das was du halt normalerweise auf großen Wänden verwendest,  das habe ich bewusst auf kleinem Format angewandt.

Also gibt es da auch einen  fließenden Übergang, wenn das die hier gesammelten Werke aus den letzten Jahren sind?

Loomit: Ja, hauptsächlich letztes Jahr und dieses Jahr auch. Und wie gesagt: Es ist ja nicht so, dass ich das auf eine ganze Ausstellung konzipiere, sondern es kommt immer mal wieder vor dass ich Zeit dafür hab aber trotzdem zieht sich schon ein Faden durch. Ich versuch dann schon mit dem anzuschließen was ich beim letzten Mal probiert hab.

Beim letzten Mal sind die Bilder meine ich schneller entstanden.

Loomit: Ja da waren die auch sehr viel kleiner. Jetzt sind sie ein bisschen größer und ich bin ein bisschen langsamer.

Wann war das erste Mal, dass du etwas von deiner Kunst im legalen Rahmen verbreiten konntest?

Loomit: Das muss ’84 gewesen sein. Da hab ich was für ne Fotoproduktion gemacht. Das war nur ein Hintergrund auf Papier aber dafür wurde ich schon bezahlt.  Und wenn man das mal so sieht dass ich dann wirklich was Richtiges legal machen konnte war das auf einem Abrissgelände und ’85 natürlich das Gelände in der Dachauer Straße. Dachauer Straße war ja ein Flohmarkgelände, da hatte ich natürlich auch schon mal meine Einkommensquellen, weil du durch die Händler da auch Schilder oder sonst was zu malen hattest, da ging natürlich auch geschäftlich was. Ich hatte da immer eine gewisse Nähe bzw.  Affinität zu den Flohmarkthändlern. Das ging dann weiter. Beim Flughafen Riem- München hab ich damals auch schon etwas gemacht.

Wie hat sich das für dich angefühlt? Du hast ja vorher alles eher undercover im illegalen Rahmen gemacht. Wie ist das dann wenn einer zu dir ankommt und sagt „hey du kannst damit jetzt Geld verdienen“?

Loomit: Andersrum. Ich hab ja zuerst gefragt ob ich dafür Geld bekomme wenn ich das mache. Du denkst ja auch du bist ein junger Mensch mit 16 Jahren und du brauchst Geld. Wenn du da irgendwas hast was die anderen unbedingt wollen fragst du auch mal ob die dafür auch zahlen würden.

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Hi! Ich bin Philip aus Hamburg und ich mag lange Spaziergänge, Filme mit Jessica Alba oder Will Ferrell, Tauben hinterherjagen und vor allem Hip Hop.

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1 Comment

  1. Dusty Destruction

    9. Juni 2016 at 23:19

    Wer sind denn die Osgenios ?! HAHAHAHAH FAIL Herr Autor …

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