Pimp C: „Long Live The Pimp“ (Review)

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Jadakiss sagte einmal „Dead Rappers get better Promotion“. Dies mag tragischerweise stimmen, weshalb oftmals das Wort Leichenfledderei in einem Atemzug mit Posthum-Releases genannt wird. In Sachen Pimp C handelt es sich nun um das dritte Soloalbum nach seinem Tod (das „Greatest Hits“-Album ausgenommen). Dieser ist nun beinahe zehn Jahre her, weshalb die Befürchtung naheliegt, langsam in den verstaubten Resten von Pimp Cs Vermächtnis zu graben.

Der Titeltrack „Long Live The Pimp“ eröffnet das Album im Down-South-Stil der frühen 2000er Jahre. Über ein organisch klingendes Orgel-Instrumental widmet sich der Rapper seine eigene Hymne. Der Stil ist richtungsweisend für den Rest des Albums und in gewisser Weise Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite können alle langjährigen Fans aufatmen, denn Leichenfledderei in Form einer Modernisierung von Pimp C wird hier quasi nicht betrieben. Auf der anderen Seite hat man das Gefühl, dass sich die  Produktionen gar einen Schritt zurückentwickelt haben, da viele Tracks zu Pimp Cs Lebzeiten etwas frischer klangen. Lediglich den Juicy-J-beeinflussten Stücken heftet eine gewisse Eigenwilligkeit an, was im Falle von „PayDay“ allerdings auch nach hinten losgeht, klingt der Track doch eher nach billiger Großraumdisko-Produktion. Etwas besser funktioniert der Reggae-Tune „Butter Cookies“, da er zumindest zum gemütlichen Rapstil eines Pimp C passt. Wo wir schon bei Gemütlichkeit sind, „Bitch Get Down“ bietet mit seinem lässigen Beat die perfekte Sofa-Hymne für den Player von Nebenan. Dass man als Frau die Texte dabei besser überhört, dürfte sich von alleine verstehen, denn nicht nur auf „3-Way-Freak“  hat Pimp C in Sachen Frauen nur eine Sache im Sinn. Aber lyrische Großtaten sollte man bei einem Pimp-C-Album auch nicht unbedingt erwarten. Am Nachdenklichsten wird es noch, wenn er zusammen mit Nas und Juicy J über falsche Freunde sinniert („Friends“). Ansonsten beherrschen Kodein, Geld und Sex das Album, Pimp C in Reinform eben. Dass Ersteres zum Tod des Rappers geführt hat, gibt einigen Tracks übrigens eine unfreiwillig tragische Note.

Long Live The Pimp“ ist ein kompromissloses Album, welches für wenig Begeisterung sorgen dürfte. Es ist mit kleineren Abstrichen durch und durch Pimp C, was man gut finden kann, aber keinesfalls muss. Zu altbacken und ausgegoren wirkt das Album an vielen Stellen, um über ein solides Niveau hinauszuwachsen. Fans des verstorbenen Rappers dürfen auf jeden Fall einmal reinhören, alle anderen finden an anderer Stelle sicherlich originiellere Varianten des Pimp-Raps (ältere Werke von Pimp C mit eingeschlossen). Vielleicht wird es nach fast zehn Jahren seit dem Tod von Pimp C langsam Zeit, nicht veröffentlichtes Material dort ruhen zu lassen, wo es bisher auch sonst niemand finden wollte.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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