Lil Kleine & Ronnie Flex: „Wir können Tracks in unserem Zimmer zuhause aufnehmen und gehen Platin.“

Niederländischer Rap wurde bisher immer nur in einem Land so richtig wahrgenommen und zwar in den Niederlanden. Als Duo zusammengetan, schafften es Lil Kleine und Ronnie Flex ihren Hit „Drank & Drugs“ auch in unseren Charts zu platzieren. Damit nicht genug: Zwei der populärsten Fernsehgesichter, Joko und Klaas, parodierten den Song und die deutsche Übersetzung des Tracks „Stoff & Schnaps“ steht mittlerweile bei über 12 Millionen Aufrufen bei YouTube. Was sich leicht als konstruierte Chartstürmer betiteln lassen würde, ist in Wahrheit die Zusammenarbeit von zwei Rappern, die bereits Jahre bevor sie über Stoff und Schnapps rappten, in der benachbarten Szene bekannt waren. Wir sprachen kurz mit Lil Kleine & Ronnie Flex über ihre Probleme mit radiofreundlichen Texten, Vorbildsfunktionen und die niederländische Hip-Hop-Landschaft.lilklflex_collage_1200_web

Wenn man sich eure letzten Solo-Alben anhört, hört man zwei Rapper mit einem ähnlichen Style,
der eine Zusammenarbeit erleichtern sollte. Wie ist es, wenn ihr zusammen im Studio seid?

Lil Kleine: Ich denke, dass wir einen ähnlichen Style haben und die selben Sachen mögen.

Also wenn ihr im Studio seid, gefallen euch die gleichen Beats und ihr arbeitet ähnlich?

Lil Kleine: Genau, da müssen wir fast gar nicht drüber reden.

Euer Track „drank and drugs“ entwickelte sich zu einem internationalen Hit. Über ein Jahr
nachdem der Track in den Niederlanden veröffentlicht wurde, habt ihr ihn auf Deutsch übersetzt.
Wer hatte die Idee dazu?

Ronnie Flex: Unser Plattenlabel kam auf uns zu und fragte uns, ob wir es machen wollen. Sie
machten uns darauf aufmerksam, dass der Track auch in Deutschland gefeiert wird. Für uns machte
es Sinn. Die Deutschen und Niederländer mögen ungefähr die gleiche Musik und die Sprache ist sich
auch sehr ähnlich, deswegen ist es nicht sehr abwegig.

Mit „1,2,3“ habt ihr einen weiteren Song veröffentlicht, der ebenfalls ein großer Hit werden
könnte. Er beinhaltet jedoch wieder Zeilen und Inhalte, die viele Radiosender nicht spielen wollen.
Könnt ihr die Meinungen nachvollziehen, die euch deswegen nicht im Radio hören wollen?

Lil Kleine: Wir erkennen das Problem, aber kämpfen dagegen an. Das Problem gibt es überall, egal ob
in den Niederlanden, den U.S.A und wahrscheinlich auch in Deutschland. Wenn wir so weitermachen
und weiterhin so viele Leute erreichen, können sich die Radiosender bald nicht mehr uns gegenüber
verschließen. Dann müssen sie uns spielen. Wenn dein Song nicht im Radio gespielt wird, aber
Aufrufzahlen in Millionenhöhe hat, dann wirst du auch ohne Airplay groß.

Ronnie Flex: Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber den niederländischen Radiosendern geht
es nicht mehr so gut. Die Hörerzahlen schrumpfen und das Interesse der Hörer fehlt. Wir brauchten
nie das Radio um uns zu vermarkten. Die sozialen Medien machen uns größer und helfen uns mehr
als die Sender.

Lil Kleine: Definitiv.

Ronnie Flex: In den Niederlanden wird es die Radios so, wie es sie gerade gibt, nicht mehr lange
geben.

Ohne Musik, keine Radios.

Ronnie Flex: Wir sind Musiker und wir machen das, was wir fühlen. Ich möchte kein Vorbild sein.
Falls ich eins bin, dann habe ich nie danach gefragt. Ich möchte Kunst machen.

In Deutschland ist Rap von einem kleinen Genre zu dem am stärksten wachsenden Genre
geworden, mit einer eigenen Rubrik bei wichtigen Preisverleihungen und steigenden
Verkaufszahlen.

Ronnie Flex: Bei uns ist es genau das Gleiche. In den Niederlanden ist es mittlerweile das größte
Genre. Es gibt kaum Konkurrenz zu einem anderen Genre. Wir als Rapper kriegen fünf Platinplatten.
Wir können Tracks in unserem Zimmer zuhause aufnehmen und gehen Platin. Also ist es genauso wie
in Deutschland oder sogar noch größer.


Welchen niederländischen Rapper könnt ihr unseren deutschen Lesern empfehlen?

Lil Kleine: Kennst du Ronnie Flex? Der ist krass und wenn du noch einen Namen hören willst, dann
checkt mal Lil Kleine.

Den Hit der 257ers „Holland“, kennen sie übrigens nicht. Aber vielleicht hat sich das nach der Tour der Essener durch die Niederlande geändert.

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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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