Letzte Seite (aus BACKSPIN #118)

BACKSPIN wird im August 22 Jahre alt. Das ist eine lange Zeit. Und eine Menge Liebe. Liebe zur Kultur. Liebe zum Magazin. Zum Namen und dem, was die Leute damit verbinden. BACKSPIN hat Leute verbunden, ihnen eine (neue) Sicht auf die Geschehnisse in der Szene gegeben und eben dieser auch mal den Spiegel vorgehalten. Das war so und wird auch immer so bleiben.

Aber die Zeit steht nicht still. Was 1994 als Printmagazin begann und bis heute 118 Ausgaben auf den Marktplatz der Szene warf, hat sich über die Jahre verändert. Irgendwann gab es weniger Interesse daran, seine Geschichten im Heft zu lesen, weil es im Web schneller ging. Auch hier hat BACKSPIN immer versucht, den Bedürfnissen der Leute gerecht zu werden und ein umfassendes Bild von Hip-Hop, nicht nur Rap, zu liefern. Eine schwierige Aufgabe, an der wir bis heute arbeiten.

Doch dies waren eben die Gründe für die Pause, die 2009 kam. Bodo Falk und Frank Petering liefern in dieser Ausgabe noch mal ihre Gedanken zu dieser Zeit. Denn auch wenn es viel um Liebe geht, entscheiden manchmal einfach die kalten Zahlen über den Weg, den ein Magazin gehen muss. Doch es kam der Moment, in dem Dennis Kraus und ich nach vielen gemeinsamen Fahrten durch Hip-Hop-Deutschland die Entscheidung trafen, das Heft zu retten, ihm ein neues Gesicht zu geben.

Das haben wir nun fast sechs Jahre und 16 weitere Ausgaben lang getan. Die Idee war es, ein Magazin zu schaf- fen, das zeitloser ist, langlebiger und damit auch nicht austauschbar. Eine Mission, die uns in unseren Augen mit den Heften, die veröffentlicht wurden, schon gelungen ist, einzig bei der Anzahl der Ausgaben hingen wir immer ein wenig hinterher. Und das hat Gründe.

Denn das Konsumverhalten der Hip-Hop-Fans hat sich, wie schon erwähnt, verändert. Heute gucken wir mit Stolz auf über 100.000 Abonennten unseres YouTube-Kanals und ein immer größer werdendes Interesse an dieser Form der Berichterstattung. Diese zu produzieren, ist spannend, macht Spaß und liefert viele Möglichkeiten, den- noch die Kultur zu pflegen, was Formate wie „BACKSPIN YO!“ zeigen. Aber es bedeutet eben auch, dass unsere Kapazitäten begrenzt sind. Und darunter hat in den vergangenen Jahren immer mehr die Produktion des Hefts gelitten. Das ist für uns nicht zufriedenstellend, ebenso wenig für die Leute da draußen, die immer auf unser Magazin warten.

Darum haben wir uns im Team dazu entschlossen, bei der Produktion des BACKSPIN MAG jetzt erst einmal auf Pause zu drücken. Wir haben hier noch einmal eine sehr runde Ausgabe geschaffen, die zeigt, was wir uns vor- stellen, aber damit wird es das auch erst einmal gewesen sein.

Ich spreche bewusst nicht vom Ende des Magazins, weil wir dazu noch zu viele Ideen und Konzepte in der Schublade haben, mit denen wir es schaffen könnten, diesem so schönen und wichtigen Stück der deutschen Hip-Hop-Geschichte eine Zukunft zu geben. Aber dazu wollen wir uns jetzt erst einmal sammeln und sortieren, ohne den Druck zu spüren, wieder eine neue Ausgabe machen zu „müssen“.

Den Abonennten und Fans sei versprochen: Wir werden uns melden. Mit einer Idee, wie es weitergeht. Lasst euch überraschen – und habt Vertrauen. Wir wissen, wer ihr seid. Und was es bedeutet, auch 2016 noch ein Heft zu kaufen.

Wer uns im Web oder bei YouTube begleitet, sieht ja, dass wir weiter am Ball sind und der Kultur mit all ihren Facetten ihren Raum geben werden. Und allen, die dies nicht im Auge haben, sei immer wieder gesagt: „Wenn ihr denkt wir waren weg, heißt das nur, wir haben gearbeitet“.

Zu weiteren Artikeln aus BACKSPIN Mag #118  u.a mit Frost 187, Blumentopf und Ali As geht es hier

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