Laas Unltd. – Daemon (Review)

LaasUnltd_Daemon_COVER_BEITRAG

An einem grauen Sonntagmorgen im Januar bin ich in meinem klapprigen Ford unterwegs zu einem Messetermin, beruflich, unbezahlt natürlich. Schlecht gelaunt und müde mache ich also das, was die zweieinhalbstündige Fahrt einigermaßen sinnvoll erscheinen lässt: Ich höre Laas Unltd., genauer gesagt sein neues Album „Daemon“. Niko hat es mir gegeben, damit ich eine Review dazu schreibe. Warum ich das hier so ausbreite? Weil ich, nachdem ich diese Scheibe drei Mal durchgehört habe, nun der Meinung bin, dass etwas mehr Persönliches bei all der vorherrschenden Oberflächlichkeit nicht schaden kann. Denn Laas Unltd. scheißt auf Fake-Attitüde, das zeigt sich auch wieder bei „Daemon“. Und das funktioniert ziemlich gut.

Nicht erst seit seinem Auftritt und Hafti-Battle beim Soundclash vergangenen Jahres scheiden sich die Geister an Fat Lace, doch das ewige Gehate soll hier nicht noch einmal aufgewärmt werden. Mittlerweile müsste auch in den hintersten Ecken von Deutschrap angekommen sein, dass Laas erstens mit Skills und zweitens mit einem unglaublichen Durchhaltevermögen gesegnet ist. So verwundert es auch wenig, dass er mit seinem siebten Album „Daemon“ einmal mehr ein durch und durch rundes Ding aus seinem Rucksack geholt hat.

Denn Backpack hin oder her, Laas bietet auf den insgesamt 16 Tracks der Platte nicht nur soliden, sondern schlicht dopen Rap. Das liegt nicht nur an den Skills oder den gelungenen Beats, die selbst mit Glocken ziemlich überzeugend und überwiegend kopfnickend rüberkommen. Vor allem liegt es an dem Gefühl, das der Rap-Nerd (O-Ton Savas) seinen Hörern hier auftischt. Denn da wären wir wieder bei meiner morgendlichen Autofahrt: Laas gibt dem Hörer einen Einblick in seine Gefühls- und Alltagswelt, die von einer so bodenständigen Ehrlichkeit geprägt ist, dass man ihm als Rapper entweder Weichheit vorwerfen oder ihm – und das tue ich – einfach nur Props geben kann. Das beginnt bereits mit dem Intro-Track „Falling Down“, auf dem Laysen einem richtig beschissenen Tag seinen Soundtrack verleiht. Denn – auch das gehört zu diesem Rapper – mit Rückschlägen kennt er sich aus. Dass er aber auch aus diesen Erfahrungen einen solchen Track baut, spricht ohne Zweifel für seine Qualität.

Das Persönliche und die authentische Ehrlichkeit ziehen sich wie der berühmte rote Faden durch die gesamte Platte. Besonders im Ohr bleibt vor allem der eher melancholische Track „Er“, in dem Laas seinen ganz eigenen Dämon beschreibt. Für manche vielleicht etwas kryptisch, doch für die, die einen solchen Dämon ebenfalls kennen, einfach nur passend und berührend on point.

Kryptisch ist auch das Stichwort bei „Real Rap Stories“: Hier plaudert Fat Lace aus dem Nähkästchen der Deutschrap-Welt, erzählt Geschichten von früheren Begegnungen und gibt Einblicke in die Szene, ohne dabei persönlich beleidigend zu werden. Hier gibt’s keine Namen, „doch achtet auf die Details“. Gefühlsecht bedeutet eben nicht immer gleich handzahm, das ist bei Rappern nicht anders als bei Gummis.

Doch neben all den Gefühlsduseleien steht der Name Laas Unltd. Natürlich vor allem für eines: Einen talentierten Battle-Rapper. Den Beweis dafür gibt’s bei „Ihr könnt nicht rappen“, einer gekonnten Generalabrechnung mit der Szene und ihren Auswüchsen abseits dessen, was früher noch „Real keepen“ hieß. Oder wie Laas es formulieren würde:  „Für Fame jeden Schwanz lutschen, das könnt ihr am besten/Doch eine Sache könnt ihr nicht – ihr könnt nicht rappen.“. Bei „0:30 Uhr“, einem der drei Bonustracks, wird das Ganze dann sogar noch über einen ordentlichen Antreiber-Beat gelegt und in Richtung Vollgas geschraubt. Auch hier geht die Rechnung auf.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Auch „Daemon“ hat bisweilen zähe Phasen, beispielsweise kann „Teufel im Nacken“ trotz Doubletime nur mittelmäßig auf dem Klavier-Sample-Beat überzeugen. Diese sind jedoch erfreulich überschaubar gesät.

Alles in allem und Schlussendlich: Man hat den Ford Focus auch am Nachmittag laut scheppernd  über die A7 brettern sehen. Denn Laaspumpt Beats statt Muskeln“ – und hat ein Brett von einem Album gedroppt.

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Bei Mr. Doctor gelernt, bei Large Professor den Abschluss gemacht: Ob als Journalist oder einfach nur so, Flo steht auf diesen Hip Hop Scheiß - vom dreckigen Süden bis hoch zur Hansestadt.

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