Album der Woche: Laas Unltd. – “Laas Man Standing”

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Diese Woche bespricht unser Autor Peter mit “Laas Man Standing” das neue Album von Laas.

Künstler: Laas Unltd.
Titel: Laas Man Standing
Features: Shindy, AK Ausserkontrolle
Produzenten: Richard Milli
Label: Major Movez

 

Peters Erwartungshaltung:

Laas kenne und höre ich schon immer. Mein “immer” fängt 2011 an. In den Schulferien stoße ich auf das Format HDF von AGGRO.TV, klicke mich nächtelang durch die verschiedenen Clips und bleibe bei einem weißen Mann mit zu großer Hose, Kappe und 3XL Shirt hängen. So Hip-Hop verkörpernd schreitet er die Schritte vor Axels Kamera runter und erzählt mir seine Geschichte. Erfolgreich. Ich bestelle mir sein Album “Blackbook” und bleibe bis heute Fan. Seit diesem Release hat mich “Im Herzen King” noch so richtig beeindruckt. Mittlerweile ist er wohl eher als Reimfinder für Savas, Fler, Bushido oder eben vor allem Shindy bekannt. Nach alldem was bei ihm in den letzten Jahren los war, bin ich erstmal froh, dass wir überhaupt noch ein neues Album bekommen. Meine Erwartungen? Optimistisch. Wir sind jetzt beide neun Jahre älter. Ich habe keine Ferien mehr und Laas trägt weniger Backpack, bin ich mir sicher. Wobei die Singles schon verraten, dass das Soundbild an alte Zeiten erinnert.

1. AAA (ft. Shindy)

Den kennen wir schon. Beide beweisen, warum sie weiter zusammen arbeiten sollten. Ungewöhnlicher Albumauftakt, aber gefällt mir.

“Jede Line ausgezeichnet/
das nenn’ ich ein Comic-Heft”

2. Stakks

Was in den letzten Jahren in Berlin passierte? Laas erzählt es uns. Er lebt von der Hand in den Mund während seiner Anfangszeit in Berlin.

Das wird ein langer Weg durch das Album. Bei meinem zweiten Blick auf die Tracklist fällt auf: Keine klassisch gewordenen 2:30 Minuten langen Tracks. Kaum welche unter 3:30 Minuten. Sehr schön.

3. Crazy

Laas’ Tage in Berlin bessern sich. “Crazy” war auch schon als Single bekannt, und geht mir auch gut ins Ohr. Wirklich krass bringt er sein Doppelleben zwischen dem Vater sein in einfachen Verhältnissen und dem Teil einer Neureichen Gang auf den Punkt.

“Ich ging nicht in Wedding zur Schule, sondern Bielefeld-Quelle /
Jede Wette ohne Rap bekäm ich in Berlin ‘ne Schelle”

4. Stupid

Von Berlin geht es ab in den Süden, zu den Friends With Money nach Stuttgart. Welches Blasinstrument ist da so dominant? Eine Posaune? Bisher das euphorischste Stück der Platte.

5. No Deal / No Promo

Laas hat wirklich so viel zu erzählen. Storyteller nach Storyteller und jede Geschichte bleibt spannend.

6. Norman & Tarek

“Minden, Bielefeld, Gütersloh, wir nannten’s: ‘OWL rockt'”, war eine der ersten Zeilen, die ich 2011 von Laas hörte. In dieser Nummer widmet er sich wieder seinen alten Heimat Gütersloh. Bisher die bedrückendste Stimmung auf dem Album. Eine Geschichte über eine alte, zerbrochene Freundschaft.

7. S.O.S.

Stimmung bleibt sehr düster, trifft bisher am wenigsten meinen Geschmack.

8. Phillies

Reicht damit jetzt aber auch, zurück zu den Representern. Was ein Beat dazu. Sekunde,…der dann auch in der Mitte des Liedes swicht. Ziemlich in genau der Mitte des Albums, klingt nach dem stilistischen Wechsel nach Bietigheim.

9. 40/40

So, wer erinnert sich hier noch an die Line gegen Hamburg? Wahrscheinlich kaum jemand. Aber es ist wirklich schön, dass hier so viele alte Themen nochmal beleuchtet werden. Dazu gehören auch sein Acapella gegen Haftbefehl, seine Freundschaften zu Fler und Arafat. Und noch viel mehr, sehr schöner Song.

10. Psycho

Gewidmet ist dieser Song seiner Mutter. Allerdings beschäftigt Laas hier vielmehr, was seine Eltern und Erziehung für eine Auswirkung auf ihn und seinen Charakter hatten.

Das ganze Release sprudelt übrigens nur vor Referenzen und Anspielungen, von denen ich sicher nicht alle erkenne. Hier wird zum Beispiel eingangs Jay-Z persifliert, Star Wars Anspielungen – ob in Text- oder Soundgestalt – sind allgegenwärtig.

11. Rauschgift (ft. AK Ausserkontrolle)

Es bleibt im Familienrahmen. Die traurigen Geschichten zweier Männer, die gerne bessere Väter wären, aber mit den Folgen von Drogen und Kriminalität kämpfen. 

12. Snapshot

Ich steh auf so melancholische, zurückblickende Nummern mit versöhnlicher Stimmung. 

13. Mos Def

Damit kam er zurück, richtig? Starke Nummer. Mir fällt aber auch auf, das die Song ausgekoppelt wurden, die meiner Meinung nach am wenigsten exemplarisch für das Album stehen.

14. Damnson

Track für Track beweist er, dass er zu den besten Textern seiner Art gehört. Und er möchte sicher gehen, dass wir das wissen, dass wir das hören. 

15. Berlin Calling

Das Hauptstadt-Leben muss eine unfassbar prägende Zeit für Laas gewesen sein, die mit viel Verzicht in Verbindung stand. Musik läuft jetzt besser, aber seine Familie sieht er so gut wie nie. 

16. Life is Nice

Der Abspann beginnt. Vor meinem geistigen Auge laufen die Credits des Albums runter, die Musik bringt uns Richtung Sonnenuntergang.

17. Word

Nochmal kurz die jüngste Vergangenheit im Schnelldurchlauf. Ein würdiger Abschluss.

 

Fazit:

Ich saß grade knapp zwei Stunden, immer mal wieder mit einem Kumpel, aber hauptsächlich alleine mit Kopfhörern auf meinem Stuhl mit offenem Mund. Das ganze Album macht kaum Pause, Laas‘ Texte sowieso nie. Vers nach Vers. Geschichte nach Geschichte nimmt mich mit. Er war schlichtweg nunmal in den letzten 15 Jahren mit den prägendsten und begabtesten Künstlern unserer Szene unterwegs. Du erkennst den spannendsten Künstler der Stunde immer daran, dass Laas mit ihm arbeitet. Das ganze Release klingt so stimmig und die Beats beginnen und enden beinahe alle mit alten Zitaten, die – wie Laas im Interview mit Aria verraten hat – aus einem Interview mit einem Namensvetter von ihm aus den 1960ern stammen. Meine Favoriten des Albums sind “Phillies”, “40/40” und “Berlin Calling”. Dass dieses Album so lange auf sich hat warten lassen ist wirklich eine Frechheit. 8/10

 

 

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