Kurdo – „Verbrecher aus der Wüste“ (Review)

Verbrecher-aus-der-Wueste cover Review

Kurdo – Verbrecher aus der Wüste

In den letzten Tagen wurde die Promo-Trommel trotz des selbstauferlegten Interview-Verbots und ähnlichen Maßnahmen über Dritte ordentlich gerührt. Schließlich berichteten „Focus“, „Spiegel Online“ und „Welt“ von den überrannten Autogrammstunden Kurdos in Hamburg und Dortmund. Der Auslöser steht seit vergangenem Freitag in den Läden.

Der Sound zu „Verbrecher aus der Wüste“ gestaltet sich über weite Strecken interessant, da die sehr sub-lastige Base und die taktgebende Snare auf ein Minimum reduziert werden, um den füllenden orientalischen Klängen eine tragende Rolle zuzuordnen. So halten Sitars, Zimbeln, Riqs und Frauenstimmen im heptatonischen Modus Einzug auf vielen der insgesamt zwölf Beats. Ein solides Fundament für die lyrischen Ergüsse des Wüstenjungen, der es in Deutschland zu landesweiter Beachtung gebracht hat. Das Spektrum reicht von nachdenklicheren Stücken wie „Sherazade“, der Hauptfigur der Rahmenhandlung in „1001 Nacht“ und erklärten Traumfrau des Rappers, über den Mittelfinger bis hin zu autobiographischen Erzählungen aus dem Nordirak und Heidelberg. Leider lässt die weite Streuung der Themen das Album etwas kommerzialisiert, etwas zu berechnet aussehen. In meinen Augen hätte der Rapper auf die materialistischen Tracks verzichten und seine Reichweite stattdessen dazu ausreizen können, mit politischen Statements auf die Hauptdebatte der deutschen Medien einzudreschen. Unter dem Strich kann sich auf „VADW“ die musikalische Komponente durchaus feiern lassen, die inhaltliche dagegen muss noch zu ihrer vollen Reife finden.

Die patriotische Ader des „kurdischen Löwen“ hängt mit der Entschlossenheit der kurdischen Emanzipation zur selbstständigen Nation zusammen; Rap-Größen wie Azad und Xatar machten es bereits vor. Doch nach drei inhaltlich ähnlichen Releases bin ich gespannt, ob sich Kurdo auf seinem Vierten neu erfinden wird. Von der jüngsten Aufmerksamkeit rap-ferner Medien erhoffe ich mir durch „VADW“ mehr Bewusstsein in Deutschland für den Alltag im nahen Osten, ohne den Protz-Tracks auf dem Album zu viel Beachtung beizumessen.

Kurdo
VÖ Datum: 19. Februar 2016
Verkaufsrang: 9
Jetzt bestellen für 39,99
The following two tabs change content below.
Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.
Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.