Kulturerbe Achim: „Ich hatte schon immer einen guten Geschäftssinn“

Kulturerbe Achim ist Geschäftsmann. Außerdem Urberliner, Based030-Member und HipHop-Fan.
Wickelt er nicht gerade Geschäfte ab, trifft man ihn mit Kumpanen Fruchtmax und Hugo Nameless auf der Bühne des splash! Festivals oder bei einem Gastauftritt bei Berliner Legende Frauenarzt. Passend zum Release der „Geschäftsmann“-EP trafen wir Kulturerbe Achim zum Interview und sprachen mit ihm über den ersten Auftritt in Ferropolis diesen Sommer, darüber, wie seine Cousins ihn zu HipHop brachten und welche Rolle Twitter eigentlich spielt. Macht Auge auf Achim, der Junge macht Alman-Trap groß.


Du bist in Berlin aufgewachsen – Erzähl doch mal, welche deine ersten Berührungspunkte mit Rap waren.

Kulturerbe Achim: Als ich jünger war, habe ich viel Zeit mit meinen Cousins verbracht, die damals viel Rap gehört haben. Die haben mir so den Wu Tang Clan eingetrichtert und mir Dickies Hosen angezogen, also direkt zu HipHop erzogen.

Bist du damals auch schon mit Deutschrap in Kontakt gekommen oder gab es zunächst nur US-Einflüsse?

Kulturerbe Achim: Als ich in der fünften oder sechsten Klasse gewesen bin, haben die mir einen MPC-Player geschenkt. Zusätzlich haben sie für mich ein böses Tape zusammengestellt, das ich darauf hören könnte. Da waren Songs von Basstard und so drauf. Das waren die ersten Deutschrap-Sachen, die ich gehört habe. Später kamen dann Kool Savas und so. Angefangen hat diese Zeit ungefähr mit „Der beste Tag meines Lebens“.

Beim Frauenarzt-Konzert hast du vor Kurzem ein Foto mit MC Bogy gepostet und ihn als Jugendidol betitelt.

Kulturerbe Achim: Ja, auf dem Schirm hatte ich MC Bogy damals in jedem Fall schon, allerdings noch nicht wirklich viel Musik von ihm gehört.

Warst du Lokalpatriot oder gab es für dich auch Rap, der nicht aus Berlin stammte?

Kulturerbe Achim: Neben Savas war Aggro Berlin natürlich auch ganz wichtig. Dass die alle aus Berlin kamen, war aber Zufall. Ich habe auch Künstler wie Samy Deluxe oder Blumentopf gehört.

Wann hast du deine ersten Gehversuche als Rapper gestartet?

Kulturerbe Achim: Da muss ich 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein. In der Schule habe ich damals neue Leute kennengelernt und gemerkt, dass es auch noch andere Leute gibt, die darauf Bock haben. Einer von denen hat nices Equipment von seinem Vater klargemacht und dann haben wir mit Headset und irgendeinem billigen Vorverstärker Disstracks gegen Schulkameraden aufgenommen (lacht).

Wie ist die Based030-Kombo entstanden, sprich wie hast du Fruchtmax und Hugo Nameless kennengelernt?

Kulturerbe Achim: Fruchtmax und Hugo Nameless habe ich über die Leute kennengelernt, die früher rap-ist.net betrieben haben. Mit denen bin ich schon seit Schulzeiten gut befreundet und eines Abends war Fruchtmax auf einmal mit dabei. Da hat er erzählt, dass er mit Hugo Nameless ein Mixtape macht – „Auf der Jagd nach dem Hak“. Nachdem ich erzählt habe, dass ich auch rappe, haben wir beschlossen, dass wir ja mal gemeinsam etwas machen könnten. Wir haben uns einfach supergut verstanden. Fruchtmax und Hugo Nameless kamen bei mir vorbei und Hugo Nameless hat total hyperaktiv tausend Beats angemacht, bis wir irgendwann einen richtig geilen gefunden hatten und dabei gemerkt haben, dass wir alle absolut den gleichen Flow haben und eine krasse Harmonie zwischen uns besteht.

Steckte da von Anfang an mehr Ambition hinter?

Kulturerbe Achim: Das war absoluter Spaß, es wusste gar keiner, was passiert. Zu Beginn war ja auch „Wie kann man sich nur so hart gönnen“ nicht der krasse Hit, zu dem es dann später geworden ist.

Stellt Musik für dich eine realistische Karriereoption dar?

Kulturerbe Achim: Nein, ich mache tatsächlich auch noch andere Sachen nebenbei. Aber hoffentlich kann man irgendwann von der Musik leben. Das wird aber wohl nie passieren. Es gibt so viele Künstler, die krass verkaufen und dennoch nebenbei noch arbeiten müssen.

Trotzdem war das ein krasses Jahr für euch – was war dein persönliches Highlight?

Kulturerbe Achim: Dass wir auf einmal auf der splash!-Bühne standen, war total crazy. Zu dem Zeitpunkt haben wir gerade etwa fünf oder sechs Monate gemeinsam Musik gemacht und dann stehen wir einfach auf der Bühne, auf die andere Rapper zehn Jahre oder so hinarbeiten. Was für andere so ein großes Ziel ist, haben wir einfach mal mit viel Glück bekommen.

Wie kann man sich die Reaktion vorstellen, als ihr die splash!-Anfrage bekommen habt?

Kulturerbe Achim: Wir hatten einen Videodreh mit den Leuten vom splash!Mag. Bei denen haben wir mal frech angefragt, ob wir nicht noch im splash!-Line Up fehlen würden. Da hieß es, sie könnten mal schauen, was sie machen können. Dann hatten wir unseren Gig bei Die 50 schönsten Rapper, als einer vom splash!Mag auf mich zugekommen ist und gesagt hat, wir hätten einen Platz auf dem splash! bekommen. Ich bin losgerannt und habe Fruchtmax und Hugo Nameless gesucht, bin ihnen um den Hals gefallen und geschrien, dass wir auf dem splash! sind – Gänsehaut.

Wie war die Stimmung kurz vor dem Auftritt?

Kulturerbe Achim: Wir haben uns leicht einen reingestellt und gebetet, dass das alles gut geht. Man ist einfach mies nervös und schaltet dann ab und es läuft von alleine.

Und was war dein schönster Fan-Moment dieses Jahr?

Kulturerbe Achim: Eigentlich ist es kein Fan-Moment, weil wir mittlerweile auch Freunde sind, aber: In Hamburg hatte ich einen schönen Moment mit Altonese. Zu der Zeit hatte ich das Europaletten-Game noch am laufen und in Hamburg kam er zu mir und hatte eine Mini-Europalette gegeben, die er unterschrieben hatte. Das war überkrass. Die hat jetzt einen Ehrenplatz bei mir im Regal.

Vor kurzem hattet ihr einen kurzen Gastauftritt bei dem Berlin-Tourstopp von Frauenarzt.

Kulturerbe Achim: Das ist halt richtig krass, wenn solche Legenden und alteingesessenen Künstler offen für neues sind auch Bock drauf haben und es unterstützen. Da geht einem das Herz auf. Immerhin sind das auch Leute, zu denen man aufgeschaut hat. Mit solchen Leuten macht es richtig Spaß, HipHop zu machen.

Man kennt Fruchtmax, Hugo Nameless und dich im Trio. Gab es dennoch jemals Konkurrenzgedanken unter euch?

Kulturerbe Achim: Nein, überhaupt nicht. Wir wollen ja, dass jeder von uns auch sein eigenes Ding machen kann und soll. Wir unterstützen und gegenseitig extrem und greifen uns unter die Arme, wo wir nur können. Da wird einfach kein Konkurrenzgedanke existieren, weil der Erfolg jedes einzelnen einfach der Erfolg für uns alle ist.

Mit „Geschäftsmann“ ist deine erste eigene EP erschienen. Inwiefern hat sich die Arbeitsweise von einem Based-Tape unterschieden?

Kulturerbe Achim: Durch das fortgeschrittene technische Zeitalter verbringen wir gar nicht so viel Zeit gemeinsam im Studio. Als wir das „Based Vol. 1“-Tape gemacht haben, haben wir uns Beats ausgesucht und jeder hat für sich von zuhause aus gearbeitet und sein eigenes Ding gemacht. Klar gibt es auch Momente, in denen wir gemeinsam im Studio sind, aber die sind selten. Bei der EP war alles richtig entspannt, ich bin auch gar kein Perfektionist. Meistens klingt es für mich nach dem ersten Mix schon richtig cool und die anderen sagen dann, dass das alles noch gemastert werden muss und sowas. Ich würde das am liebsten so raushauen.

Wie kommt der Titel „Geschäftsmann“ zustande?

Kulturerbe Achim: Ich hatte einfach schon immer einen guten Geschäftssinn und immer einen Augen auf das Mula (lacht).

Ihr wurde lange als Twitter-Rapper betitelt. Hat sich das inzwischen gelegt oder fühlst du dich immer noch abgestempelt?

Kulturerbe Achim: Es ist immer noch so, aber das ist total in Ordnung. Twitter ist doch eine coole Plattform und dort haben wir halt die meiste Reichweite. Außerdem:

Was heißt denn Twitter-Rapper? Ich bin doch auch kein Facebook-Rapper, wenn mir da mehr Leute schreiben.

Neulich twitterte jemand, dass es seit dir endlich Alman-Trap gibt.

Kulturerbe Achim: Ich habe überlegt, ob ich Alman-Trap jetzt groß mache (lacht).

Wäre das denn tatsächlich die korrekte Genre-Einordnung?

Kulturerbe Achim
: Nein, wir machen nicen Rap.

Wie sieht denn eure Zielgruppe aus?

Kulturerbe Achim: Coole Typen und coole Frauen, die auf härteren Turn Up stehen. Intelligente, Anfang bis Mitte Zwanzig-jährige Verrückte.

Du betonst immer wieder, dass du selbst Rap-Fan bist. Hat sich dein Blick auf die Szene verändert, seitdem du selbst aktiver Teil bist?

Kulturerbe Achim: Ja, das hat sich total verändert. Es ist total scheiße, wenn man Musik von Leuten feiert, diese Leute dann kennenlernt und dann bemerkt, es sind totale Untermenschen. Dann kann man automatisch auch deren Musik nicht mehr feiern. Außerdem macht einen dann richtig wütend, wenn die sich über Social Media nice geben und im Endeffekt ganz anders sind.

Kannst du abschließend einen kleinen Ausblick für 2017 geben?

Kulturerbe Achim: Ich will unbedingt noch einmal auf dem splash! spielen, darauf werde ich hinarbeiten. Ansonsten erwartet die Leute von uns dreien auf jeden Fall gute Musik. Sowohl von jedem einzeln als auch zusammen.

Danke für das Interview, deine letzten Worte?

Kulturerbe Achim: Hört meine EP, erfreut euch an der Musik, hatet weniger. Liebe an alle meine Brüder, peace out.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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