Kontra K: „Das Album hat die Härte von früher und die Motivation von heute“

Was steckt hinter dem Albumtitel „Gute Nacht“ und welche Bedeutung hat er?

Kontra K: Wenn die anderen schlafen, bin ich wach. Ich bin etwas schlafkrank – ich kann weder gut ein-, noch durchschlafen. Außerdem ist „Gute Nacht“ ein Berliner Ausdruck. Hier sagt man nicht Feierabend, sondern Gute Nacht.

Was ist die Grundaussage des Albums?

Kontra K: Ich beschreibe das, was um mich rum passiert. Es ist nicht so, dass ich jetzt ein Konzeptalbum erarbeitet hätte. Das Album hat ein Konzept und einen roten Faden, das bin ich. Allerdings habe ich keinen krassen Plan, wie die Songs miteinander zusammenhängen.

Wovon erzählst du auf der Platte konkret, welche Thematiken werden behandelt?

Kontra K: Es beginnt mit dem Intro „Ratten“, der Song reißt dir direkt die rosarote Brille weg. Allgemein kommt auf der Platte aber eben genau das vor, das mich in meiner aktuellen Lebenslage beschäftigt. Unter Anderem sind das falsche Freunde oder der Umstand, dass mehr Geld auch mehr Probleme mit sich bringt. Es handelt davon, wie die Welt und die Leute sich verändern und von meine Sicht darauf.

Welche Bedeutung hat das Artwork einer Platte für dich und was steckt hinter dem Cover von „Gute Nacht“?

Kontra K: Ich finde Cover sehr wichtig für eine Platte. Das Cover zu „Gute Nacht“ wurde von einem türkischen Künstler gemalt. Er hat in der Vergangenheit schon ein paar Sachen für mich gemalt und das Cover hat er aus einem Foto entwickelt. Die Raubtier Augen auf dem Foto sollen schlichtweg symbolisieren, dass ich immer wach bin.

Durch welchen Inhalt kann die Deluxebox punkten und weshalb hast du dich genau für diese Gimmicks entschieden?

Kontra K: Ich habe eine Art Pusher-Tasche in die Box gepackt. Die ist ideal für den Sport oder im Sommer. Da passt gerade einmal das Handy und das Portemonnaie rein. Man trägt die Tasche wie ein Waffenholster an der Seite. Hinten ist allerdings noch ein Gummiband integriert, mit dem man die Tasche fest am Körper fixieren kann. Ich hasse nichts mehr, als wenn das Handy oder die Schlüssel oder sowas beim Sport rumfliegen. So hast du jetzt das ideale Tool zum Joggen. Zusätzlich gibt’s in der Box weiße Socken. Ich dachte, die gehen einfach immer, besonders im Sommer.

 
Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich?

Kontra K: Ich habe mich von Four Music getrennt. In Bezug auf die Produzenten war ich dort sehr festgefahren. Eigentlich habe ich dieselbe Musik gemacht wie jetzt, allerdings hat Four Music die in ein Pop-Gewand gepackt. Das hat stark genervt. Bei diesem Album habe ich jetzt einfach gemacht. Die Platte habe ich mit RAF Camora produziert. Zusätzlich haben Sonus030 und The Crates ein paar Songs produziert. Außerdem gab es noch einen Produzenten namens Pascal –den werde ich aber nicht verraten, weil sonst jeder ankommt (lacht). Die Produktion hat wirklich Spaß gemacht, wir haben jeden Tag von morgens bis nachmittags gearbeitet – so richtig Baustellen-Style.

In welchem Studio ist das Album entstanden?

Kontra K: Ein bisschen was in den Red Bull Studios, der Rest bei RAF im Studio.

Welche Featuregäste sind vertreten und wie kam die Auswahl der Featuregäste zustande?

Kontra K: AK Aussenkontrolle sind als Featuregäste vertreten. Ich mag die Jungs, die sind sehr authentisch und das gibt es heutzutage im Deutschrap nicht mehr allzu oft. BTNG ist auch vertreten, der in der Vergangenheit mit in meinen engeren Freundeskreis gerutscht ist. RAF und Bonez MC sind auch drauf, das sind eben alles meine Freunde. Auch Skepsis ist vertreten, der seit Jahren mein Backup ist. Ich habe ihn gezwungen, damit wir auf der Tour auch endlich mal einen Song zu zweit performen können. Rico ist auch mit dem Album.

Gibt es Künstler, die dich musikalisch oder inhaltlich in Bezug auf „Gute Nacht“ inspiriert haben?

Kontra K: Ich höre viel Musik und tatsächlich gibt es einen Song, „2 Seelen“, dessen Hook ich an „2 Phones“ von Kevin Gates angelehnt habe. Ursprünglich sollte das auch ein Kevin Gates Feature werden, leider wurde er dann inhaftiert.

Wie und wo kannst du am besten kreativ sein und produktiv arbeiten?

Kontra K: Ich muss mich einfach wohlfühlen und ich arbeite gern morgens. Nach dem Aufstehen will ich kurz Sport gemacht haben und dann ab ins Studio und bis nachmittags durcharbeiten.

Was tust du, um eine Schreibblockade zu überwinden?

Kontra K: Eigentlich gibt es das nicht: Wenn ich im Studio bin, kann ich schreiben. RAF und ich hatten einen Song, mit dem wir uns mittlerweile gegenseitig jagen können (lacht). Aber nachdem wir irgendwann beschlossen hatten, den einfach irgendwo auf seinem Rechner zu gegraben, haben wir nur zehn Minuten später „Mehr als ein Job“ aufgenommen. Eine Schreibblockade löst also eine andere Blockade.

Wie viel Zeit hat die Produktion in Anspruch genommen?

Kontra K: Dadurch, dass die Produzenten gestimmt haben und ich einfach so krass Bock hatte, mit meinem eigenen Label Musik zu machen, hat es gar nicht lang gedauert. Bevor meine Tour startete, haben wir vier oder fünf Songs aufgenommen. Nach der Tour saßen wir vielleicht noch einen Monat an der Platte. Das war wirklich relativ schnell.

Beschreib mal die Arbeitsatmosphäre während der Produktion – gab es Momente, in denen ihr euch gegenseitig motivieren musstet?

Kontra K: Niemand musste motiviert werden! RAF war teilweise schon seit morgens um sechs im Studio, um eigene Sachen aufzunehmen. Ich bin auch nicht der Typ, dem man in den Arsch treten muss. Wer nicht will, der hat schon und ich will noch ganz viel. Ich bin früher da als ich sein soll und gehe, nachdem ich gehen soll.

Wessen Feedback ist dir während eines Albumprozesses wichtig und wieso?

Kontra K: Das von meinen Freunden. Fatal und Rico sind da sehr wichtig. Wenn die sagen passt nicht, … gebe ich natürlich trotzdem einen Fick drauf (lacht). Nein, das Feedback ist mir wirklich wichtig.

Wie fiel das erste Feedback aus, nachdem du zum ersten Mal Songs präsentiert hast?

Kontra K: Joshi Mizu war beispielsweise im Studio und der fand die Songs krass. Alle, die zu Besuch waren, meinten, das ist next level und viel besser als die Sachen zuvor. Letztendlich entscheiden aber sowieso die Fans.

 

„Gute Nacht“ erscheint über BMG, vorher standest du bei Four Music unter Vertrag – Welche Beweggründe liegen der Trennung vom Label zugrunde?

Kontra K: Ich hatte keine Lust mehr auf die Arbeitsweise. Wir sind aber im Guten auseinandergegangen.

Erläutere mal bitte kurz deine aktuelle Labelsituation.

Kontra K: Jetzt bin ich bei BMG, allerdings nicht beim Label. Die kümmern sich um meinen Vertrieb und ich habe dort mein Label DePeKa Records angedockt. Wobei ich mich nicht so sehr über das Label definiere und nach außen präsentiere. Das passiert, wenn die Zeit reif ist und die Leute wieder Labels wollen, die wie Camps aufgebaut sind. Davon gibt es aktuell zu viele und die wirken oft wie Boygroups. Wir hängen einfach zusammen und helfen einander.

Gab es Schwierigkeiten beim Produktionsprozess? Was wäre der absolute worst case gewesen, der hätte eintreten können?

Kontra K: Ein worst case existiert immer, da es immer Leute gibt, die dir Steine in den Weg legen und auf die Schnauze kriegen wollen. Weiter gibt es auch Leute, die versuchen, hinter deinem Rücken Dinge abzuwickeln, es gibt einfach alles. Die Musikindustrie bestand früher mal aus Hyänen auf der Straße, heute sind es Schlangen im Anzug.

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

Kontra K: Das wechselt ständig. Dazu gehört auf jeden Fall „Diamanten“, deshalb war das auch die erste Single. Da ist es nämlich genau der Kontra K, der ich immer sein wollte und der ich bei Four Music und den Produzenten nicht sein konnte. „Mehr als ein Job“ feiere ich auch sehr, genau wie „Ratten“. Mir gefällt das ganze Album. Ich saß mit RAF da und habe eine Liste erstellt, damit wir Singles auswählen können. Wir haben die Tracklist aufgeschrieben und ein Sternchen stand für einen Hit und zwei Striche standen für einen starken, soliden Song für die Platte. Am Ende waren wirklich viele Sternchen da. So hat uns die Liste nicht viel gebracht, aber geil, dass wir das Album so feiern. Die Zusammenarbeit mit RAF hat wirklich Spaß gemacht, ich nagle ihn auf jeden Fall für’s nächste Album fest (lacht).

Welche ist die beste Line auf der Platte und wieso?

Kontra K: Das sind auch wirklich mehrere. Ich mag „Die halbe Wahrheit bleibt eine ganze Lüge“ bei „Wie du“. Aus Diamanten gefällt mir „Jeder kann der Eine sein, der der Eine unter 80 Millionen ist“. Jeder Song hat für mich eine Lieblingsline.

Wie unterscheidet sich das Album von seinem Vorgänger?

Kontra K: Ich war frei und ich hatte die Produzenten, die ich wollte.

Wir haben endlich wieder Musik mit Eiern gemacht, ohne dass sie krampfhaft hart wirken will.

Vorher war es oft der Fall, dass die Musik zu hart für ein weiches Gewand war. Ich habe die Vorgänger-Platten auch gefeiert, aber jetzt ist es einfach genau das, was ich wollte.

Welche Ideen hat dir diese Platte für zukünftige Releases geliefert?

Kontra K: Tatsächlich schreibe ich schon an neuen Songs. Neulich bin ich mit Rico nach Lübeck gefahren zu meinem Tiger. Während der zweieinhalbstündigen Autofahrt haben wir zwei Hooks geschrieben. Er hatte Beats dabei und es wird noch eine Winteredition von „Gute Nacht“ geben, die zwei neue Songs beinhaltet. Die beiden habe ich schon zusammen und langsam sammle ich eben schon Material für’s neue Album.

Welche Relevanz haben die Charts für dich?

Kontra K: Was sind Charts heute noch? Das wird anhand der Boxen bestimmt und der Hinz und Kunz, der auf einem guten Level ist und zusätzlich eine gute Woche erwischt, kann Platz Eins ergattern. Solange ich nicht vor Gorillaz oder so auf die Eins gehe, ist mir das wirklich scheißegal. Solange ich weiß, dass meine Alben bei über 80.000 verkauften Einheiten stehen, ist doch alles gut.

Warum sollten Fans „Gute Nacht“ unbedingt kaufen, welchen Kaufanreiz liefert die Platte?

Kontra K: Das ist schlichtweg mein bestes Album. Ich möchte keine Kaufempfehlung aussprechen, kann aber für mich sagen, dass ich die Platte wahnsinnig feiere.

Womit kann das Album überraschen, womit rechnet der Hörer zunächst nicht?

Kontra K: Es ist mehr vom ganzen alten Kontra zu hören, gemischt mit mehr von dem ganz neuen Kontra – nichts mehr von dazwischen. Natürlich steht derselbe Mensch dahinter, aber ich habe die Härte von früher und die Motivation von heute reingesteckt.

Wann und mit wem wirst du „Gute Nacht“ live performen?

Kontra K: Wir gehen ab November auf Tour, der Vorverkauf startet demnächst. Rico wird Support spielen und auch BTNG wird in manchen Städten dabei sind. Ansonsten ist natürlich auch mein Backup Skepsis dabei und es wird einige Überraschungsgäste geben. In Berlin spielen wir dieses Mal in der Zitadelle ein Open Air, das auch bald ausverkauft ist. Das muss man sich mal geben: Als Solokünstler vor 10.000 Leuten zu spielen. Das ist so krass, ich bin stolz drauf und sehr dankbar.

Weiter auf Seite 2 

The following two tabs change content below.
Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

Seiten: 1 2

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.