Kommentar: Die wollen doch nur schreiben

Die wollen doch nur schreiben 

Sobald ein Furz durch Deutschraphausen weht, kommen sie aus ihren Ecken gekrochen und kommentieren. Diese bestimmten Autoren, die auch Kommentare über die Kommentare der Kommentare kommentieren. Schreiben des Schreibens wegen, die Internetversion von Talkrunden, in denen es nur darum geht, des Diskutierens wegen zu diskutieren. Zeit für ein Machtwort.

Was sind das für Leute, die die Podiumsdiskussion zur Jam bringen wollen? Hauptsächlich handelt es sich um Leute, die meinen, etwas von der Materie zu verstehen, weil sie mal einen Masters of Rap-Pulli im Schrank hatten. Nicht selten schreiben sie für ein Magazin, das mit V anfängt (nicht die VIBE), dessen Autoren sich größtenteils dadurch auszeichnen, ihren Lifestyle zwischen ‚voll wasted von gestern‘ und ‚wer braucht schon morgen‘ raushängen zu lassen. Heinis, die sich gerne reden hören und zwischen den Zeilen sich selbst abfeiern wie CR7 im Champions League-Finale 2014. Dabei berichten sie nur über das, was sie und ihre Leserschaft bewegt. Belanglose Scheiße. Umso verwunderlicher, dass ein bekannter Name, der mit S anfängt (nicht der Schweiger), in diesen Gefilden mitschwimmt. Im Gegensatz zu den anderen hat er aber eine Mission, die Systemkritik. Und für diese konsequente Haltung wird man von denen, die noch richtig wasted von gestern sind, auch ordentlich abgekultet. Nicht wegen den Inhalten, sondern weil dabei Bösewichte wie Jan Böhmermann unter die Räder kommen. Die armen Rapper können schließlich nichts dafür, dass sie „La Haine“ falsch verstanden haben. Immer auf die Schwachen! Wie kann man, wie kann man nur (Fruchtmax Voice)? Und so macht man mit den Gegnern das, was man ihnen vorwirft: drauftreten.

Ich bezweifle, dass diese Menschen Musik lieben, denn sonst würden sie einem solche Texte nicht zumuten. Es geht um die eigene narzistische Profilierung in einer sadistischen Gesellschaft. Und hiermit wären wir wieder bei der Systemkritik angelangt. Würden Journalisten besser bezahlt, müssten sie sich auch nicht durch zahlreiche Artikel ihre Miete zusammenhustlen und könnten vielleicht irgendwann auch mal so viele Steuern wie der eine oder andere Shishabar-besitzende Rapper zahlen.

Möglich, dass manche sich dann seltener und fundierter zu Wort melden. Die mit der Geltungssucht werden wir vermutlich aber nicht so schnell loswerden. Huk.

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