Keine Diskussion: Jay-Z ist der ‚Greatest of All Time‘

Es ist die Frage aller Fragen. Wer ist der größte Rapper aller Zeiten? Zum 50. Geburtstag von Jay-Z sieht unser Kolumnist Joshua die Zeit gekommen, diese Frage zu beantworten. Denn eigentlich gibt es für ihn nur eine richtige Antwort: Jay-Z.

Die Frage nach dem „Goat“ hat eine lange Tradition und eine große Bedeutung. Wie Dynamite Deluxe schon richtig feststellte:

Denn, Rap ist nun mal Competition / Und wenn ihr Rapper ein ruhiges Hobby wollt, dann geht fischen” – aus dem Song “Boom” (2000)

Man kann jede Diskussion dieser Art natürlich mit dem Todschlagargument „Das ist subjektiv!“ oder „Geschmäcker sind verschieden“ im Keim ersticken. Aber das hätte wenig mit dem zu tun, wovon ich hier rede. Mein ganz persönlicher Lieblingsrapper, den ich durch meine Hörgewohnheiten habe, ist nicht zwingend deckungsgleich mit dem, den ich als „Goat“ nenne, wenn ich als – Achtung Glatteis – „Kenner“  oder „Experte“ antworte. Ein Beispiel: Aus welchen Gründen auch immer, habe ich Nas’Illmatic“ nie so lieben gelernt wie andere Alben, die ähnlichen Staus genießen. Trotzdem würde ich es, bei der Frage nach den besten Alben aller Zeiten, selbstverständlich nennen. Weil ich verstehe, wieso es dazu gehört.

Denn es gibt – aller Subjektivität zum Trotz – auch objektive Kriterien, wenn man Musik bespricht und bewertet. Keine Angst, ich rede nicht von „Punchlinedichte“ oder Videopunkten, sondern von Einfluss, Relevanz und Qualität. Genauso sollte man auch an die Frage nach dem „Greatest of All Time“ rangehen.

Denn dieser ist mehr als ein überdurchschnittlicher begabter Rapper, der besser als andere darin ist, gereimte Verse im Takt eines Instrumentals aufzusagen. Das ist sowieso Grundvoraussetzung. Viel entscheidender ist hier die Frage nach dem kulturellen Einfluss, Erfolg und natürlich dem eigenen Katalog. Finden sich darin „Klassiker“ und wenn ja, wie viele? Das scheinen auch die meisten verstanden zu haben, weshalb eigentlich immer die gleichen Namen fallen, wenn es darum geht, ihn nun zu benennen, den „Goat“.

Tupac, Biggie, Jay-Z, Nas und Eminem. Alles absolute Giganten und Legenden. Jeder von ihnen hat Unglaubliches geleistet und genießt völlig zu Recht das Ansehen, das er bekommt. Wenn wir über Einfluss reden, ist es schwer, einen dem anderen vorzuziehen.

Mit Tupac sprechen wir über einen Menschen, der für viele einen ähnlichen Stellenwert hat wie Martin Luther King oder Malcolm X. Oder mit Eminem über den kommerziell erfolgreichsten Rapper aller Zeiten, der ganz nebenbei auch noch Leuten wie 50 Cent zum Durchbruch verhalf. Und mit Biggie und Nas die wahrscheinlich meist genannten Namen, wenn andere Rapper nach ihren Vorbildern oder Lieblingsrappern gefragt werden. Dennoch geht Jay-Z klar als Sieger aus der Nummer heraus. Wegen der Uneinigkeit über sein bestes Album. Hier ein kleiner Reminder:

 

Stell Dir vor, du setzt von jedem der Genannten jeweils zehn absolute Fanatiker in einen Raum und gibst ihnen den Auftrag, das beste Release ihres Künstlers zu bestimmen. Was würde passieren?

Bei Nas wäre die Sache wohl am Schnellsten erledigt, man würde sich einstimmig für „Illmatic“ entscheiden.

Bei Eminem wäre es schon kniffliger. Während es eine große Menge gibt, die die „Marshall Mathers LP“ für unfehlbar hält, gibt es auch eine große Menge an Fans, die bis heute auf das absolute Eminem-Album warten. Dazu würde ich mich auch zählen. Ich war, bin und bleibe ein ziemlicher Stan. Aber gerade weil ich ihn als Rapper so bewundere, muss ich leider sagen, dass es bislang kein Album gibt, was seiner Genialität und seinem Status vollends gerecht wird. Songs und Gesamtwerk ja, aber er hat leider kein „Illmatic“ oder „Get Rich or Die Tryin‘“ im Katalog. Also: Wahrscheinlich Sieg für „MMLP“.

Biggie ist ein spezieller Fall, weil es bei ihm nur zwei Soloalben zu bewerten gäbe. Mein Eindruck ist, dass eine Mehrheit „Ready to die“ bevorzugt, weil sie die vielen Pop-Ausflüge auf „Life After Death“ als „böse“ Anzeichen dafür sehen, dass er wohl immer weiter in diese Richtung abgebogen wäre. So sieht es z.B. auch Azad, wie er mal bei den Kollegen von Hiphop.de verriet.

Bei Tupac scheiden sich die Geister. Da wäre es wahrscheinlich nicht einmal möglich, zehn Fans zu finden, die eine solche Debatte konstruktiv führen würden statt bei jedem ach so kleinen Hauch von Kritik alles und jeden niederzubrüllen. Meinem Eindruck nach scheren sich die meisten dieser Tupac-Jünger eigentlich nur so richtig um „All Eyez on Me“. Dann gäbe es sicher noch den einen Verschwörungsdude, der die Makaveli-Sachen vergöttert (wegen “Killuminati” usw.) und glaubt, Pac lebe heute mit Michael Jackson auf Kuba. Und vielleicht noch den absoluten Puristen, der sagt, dass der Concious von „2Pacalypse Now“ nie übertroffen wurde. Auf jeden Fall die härteste Entscheidung bisher und der breiteste Katalog. Aber selbst das kann Jigga noch überbieten.

Denn bei zehn Jay-Z-Fans würden mindestens vier verschiedene beste Alben herausspringen. Ich stelle es mir so vor: Drei für das Debütalbum „Reasonable Doubt“. Vier für „Blueprint“, das Jay-Z vom krassen Rapper aus New York zum absoluten Megastar reifen ließ und nicht zuletzt wegen Kanyes Beats als legendär gilt. Zwei für „The Black Album“ (Ich), die es als perfekt inszenierten Abgang auf dem Höhepunkt des eigenen Schaffens begreifen. Und schließlich einer, der sagt, die Ehrlichkeit und das Erwachsene an „4:44“ stelle alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Bedeutet, selbst wenn wir alles ignorieren, was Jay-Z abseits der Musik geleistet hat – erster Hip-Hop-Milliardär, als erster Rapper in der Geschichte den Madison Square Garden ausverkaufen, Einladungen ins Weiße Haus, und und und. Es würde den Rahmen sprengen, alles aufzuzählen. Selbst dann, wenn wir uns einzig und allein auf die Musik beschränken, gewinnt er das Battle.  Mit vier unbestreitbaren Klassikern und dem damit vielleicht beeindruckendsten Katalog überhaupt. Happy Birthday an den “Greatest of All Time”!

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