Koljah: “Was Schnabel da rausposaunt, hat mit Kritik auch nichts zu tun, das ist reine Ideologie.”

 

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Nach längerer Pause, meldete sich Mr. Schnabel gestern mit dem Song “Zu spät” zurück. Der Hamburger, der mit Is’n Schnabelding und insbesondere dem Song “Eimsbush Stylee” Bekanntheit erlangen konnte, nimmt sich in dem Song teils eher fragwürdigen Themen an. Vorgetragen in einem aufzählenden Stil, fallen Worte wie Rothschild, Bilderberger und Freimaurer in Verbindung mit dem Weißen Haus, der NSA und auch Israel oder die Zeile “9/11, mein Ermessen eine schlechte Staatslüge”. Bei solch einem Text ist Gesprächsstoff vorprogammiert. Von vielen Seiten wurde Kritik geäußert, so auch von Koljah von der Antilopen Gang, die schon einige Male durch ihr politisches Engagement auffielen. Auch unsere Berichterstattung zu dem Song wird von Koljah kritisiert. Grund genug für uns mit dem Düsseldorfer über Mister Schnabel, “Zu Spät” und kritische Rap-Berichterstattung zu sprechen.

KoljahKritik

Die Hohe Fünf mit Koljah

 

Was stört dich konkret an der von dir zitierten Zeile aus Mr. Schnabels „Zu spät“?. 

Ach, das ist im Rap Game nichts sonderlich ungewöhnliches, aber der Mr. Schnabel zieht derart klischeehaft sämtliche verschwörungstheoretische Register, dass man es fast schon für Satire halten könnte. Das ist ein wirrer Brei aus Unsinn, Ressentiments und Stereotypen – typisches Kifferpsychosengelaber. Inklusive dem 11. September als Inside Job, ich kann es nicht mehr hören. Wenig überraschend, dass der Herr Schnabel dabei auch nicht ohne antisemitische Bilder auskommt. Und er glaubt ja wirklich, er würde da irgendwelche unterdrückten Wahrheiten aussprechen oder so. Ähnlich wie die Leute von den Montagsdemonstrationen oder von Pegida. Das eigentlich Ärgerliche ist aber, dass sowas tatsächlich als irgendwie kritisch durchgewunken wird. Die BACKSPIN-Berichterstattung fand ich befremdlicher als den irrelevanten Schnabel-Song.

 

Müssen Medien alles, über das sie berichten, kritisch hinterfragen und sich in ihrer Berichterstattung auf eine politische Richtung festlegen? Kann man nicht auch versuchen den Menschen möglichst neutral Informationen zu vermitteln, um ihnen die Chance zu geben, sich selbst eine Meinung zu einem Thema zu bilden? Schließlich wird Schnabel mit seinem Song kritisieren wollen und am Ende ist Kritik Kritik, ob sie fundiert ist oder nicht ist in diesem Fall die andere Frage. Unser Grundgedanke war es einfach, den Song neutral anzumoderieren.

Wenn Musikmedien mehr sein wollen als eine PR-Agentur für die Künstler, über die sie berichten, dann sollten sie meiner Meinung nach den Anspruch haben, ab und zu auch mal Dinge zu hinterfragen. Mr. Schnabel jedenfalls redet in dem Song ja einen derart kruden Unfug, der jegliche rationale diskussionswürdige Ebene komplett verlassen hat – das zu ignorieren, wenn man schon darüber berichtet, empfinde ich als fahrlässig. Und gegenüber antisemitischen Denkmustern sich „nicht auf eine politische Richtung festlegen“ und „neutral“ sein wollen ist, ob man will oder nicht, eben auch eine Positionsbestimmung. Was Schnabel da rausposaunt, hat mit Kritik auch nichts zu tun, das ist reine Ideologie.

Ein Punkt an dem wir jetzt weiter diskutieren können, aber das holen wir nach.

 

Zu Verschwörungstheorien gehören Vernichtungsfantasien, sie können sagen was sie wollen, sie sind schlicht Antisemiten“ – Koljah (“Beate Zschäpe hört U2”)

 

Gibt es weitere Reibungspunkte deinerseits mit der Single?

Ich hatte Mühe, mir das bis zum Ende anzuhören. Klassischer Griff ins Klo. Eine Comeback-Single von Mr. Schnabel wäre jedoch auch ohne diese Inhalte überflüssig gewesen. Das Gitarrensolo ist das bei Weitem Schlimmste an dem Song. Am Ende des Tages ist es mir aber auch egal; ich bin da halt drüber gestolpert und habe dann was auf Facebook gepostet und jetzt würde ich es gerne wieder vergessen.

 

Was ist deine Gegenposition zu Schnabels Aussagen?

Ich möchte mit einem Zitat von grim104 antworten: „Keiner regiert die Welt, wirklich keiner.

 

 

Hast du, abgesehen von der aktuellen Single, einen Bezug zu der Musik Schnabels?

Man kennt den halt von früher als das fünfte Rad am Wagen der Mongo Clikke. Chain Gang Slang, MCs in Fransenwesten. Wobei der Beat von „Eimsbush Stylee“, diesem Track mit Samy, ganz gut war. Ich hab auch mitbekommen, dass Schnabel sich später Howard Snable genannt hat und einen auf Dipset gemacht hat. Unfreiwillige Komik scheint sein Ding zu sein.

 

Gibt es generell Ansätze die dir fehlen, in Bezug auf Rap und Politik heutzutage?

Kann ich so nicht sagen. Angesichts solcher Songs wünsche ich mir, dass Rapper sich seltener politisch äußern. Dann kann ich deren Musik viel besser hören.

 

 

Vor einer Woche gab es von der Antilopen Gang das Gratis-Mixtape “Abwasser” zu hören. Hier könnt ihr das 14-Track starke Tape herunterladen.

 

 

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Ich kann quasi nur über Musik reden...
Hanfosan

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