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Koljah: Musikalischer Werdegang, Anfänge mit den Antilopen und die EP

Koljah

Nachdem sich die Antilopen Gang mit ihrem letzten Album „Anarchie und Alltag“ auf Platz eins der deutschen Charts katapultierte, wurde es Zeit für Soloprojekte. Danger Dan releaste letztes Jahr seine LP, nun kommt Koljah mit seiner sieben Track starken EP „Aber der Abgrund„. Wir haben uns mit dem Düsseldorfer über seinen musikalischen Werdegang, dem Beginn der Antilopen Gang und seiner EP unterhalten.

Musikalische Anfänge, Graffiti und Gitarrenunterricht

Musik hat schon sehr früh eine Rolle in Koljahs Leben gespielt, der 1986 geboren ist. Es fing alles mit drei oder vier Jahren an, als er großer Fan der Düsseldorfer Band Die Toten Hosen wurde. Freunde seiner Eltern mussten sogar die Alben der Punker auf Kassette spielen. Interessant, wenn man bedenkt, dass die Antilopen Gang beim eigenen und unabhängigen Label JKP dieser Band unter Vertrag steht. Campino hat sogar eine Postkarte an seinen jungen Fan mit einem Poststempel von 1990 geschickt und sich für ein selbstgemaltes Bild bedankt. Die Postkarte befindet sich noch immer im Besitz des Rappers und ist das erste Dokument, das seine Liebe zur Musik belegt. Schon in der Grundschule fing das Antilopen Gang-Member an, Texte zu schreiben und mit 12 Jahren zu sprühen. Die Liebe zu Graffiti wurde von seinem damaligen Gitarrenlehrer, der als einzige erwachsene Person vom illegalen Hobby des Jugendlichen wusste , unterstützt. Er stand Schmiere, während sein Schüler die Wände in der Realschule, wo der Unterricht stattfand, taggte. Daraus bestand der Gitarrenunterricht. Der Lyriker behaupte selbst, er sei nicht so musikalisch versiert, sondern besser im Schreiben. Deshalb seien auch Panik Panzer und Danger Dan mehr im Produktionsprozess beteiligt als er.

Koljah & Taifun, HipHop-Partisan, Anti Alles Aktion und Antilopen Gang

Später wurde Graffiti immer weiter in den Hintergrund gedrängt und Koljah interessierte sich mehr für Rap. Vor allem das Rödelheim Hartreim Projekt und Moses Pelham haben es dem Jugendlichen angetan. Dann fing er an, mit seinem alten Kumpel Tai Phun Tracks zu machen und daraus folgte die Gründung von Koljah & Tai Phun im Jahre 2001. Zwei Jahre später bildete sich ein bundesweiter Zusammenschluss von Hip-Hop-Aktivisten namens HipHop Partisan. Sie standen gegen Homophobie, Sexismus und andere reaktionäre Tendenzen ein und sahen sich als Gegenbewegung zum Mainstream. An die 30 Leute waren Teil davon, darunter z.B. Adé Bantu von den Brothers Keepers. Dort hat der Düsseldorfer auch andere Mitglieder der Antilopen Gang, Panik Panzer und Danger Dan kennengelernt. Die Bewegung hat sie allerdings schnell genervt. Ihnen wurde bewusst, dass die Ideen utopisch waren. Daraus entstand 2005 eine kleinere Bewegung, bestehend aus ca. 9 Leuten, die Anti Alles Aktion. Sie waren bis 2009 als Crew unterwegs. Ein halbes Jahr nach der Gründung kam NMZS hinzu. Aus dieser Posse kristallisierte sich laut Koljah immer mehr die Antilopen Gang heraus, die 2009 gegründet wurde.

Start der Antilopen Gang, NMZS, JKP und Aversion

„In der Zeit als wir die Antilopen Gang gegründet haben, war Deutschrap in so etwas wie einer Krise, wo nicht viel ging“, sagt Koljah. Die Musik der Band war nischig und fand wenig Beachtung in den Hip-Hop-Medien, was den Mitgliedern nicht gefiel und nervte. Sie verstanden nicht, wieso niemand darüber berichtet. Dieser Umstand änderte sich leider aus einem traurigen Grund. Im Jahr 2013 nahm sich das Antilopen-Mitglied NMZS das Leben. „Dann haben sich die Medien auf uns gestürzt, weil das so eine Sensationsmeldung war“, berichtet der Düsseldorfer. Zuerst war nicht klar, wie die Zukunft für die nun dreiköpfige Band aussieht, aber nach dem ersten Schock war laut Koljah schnell klar, dass sie weiter machen würden. Durch die gestiegene Präsenz in den Medien und der Zahl der Fans wurde klar, dass professionelle Hilfe benötigt wurde, weil alles diy war: Bookings, Merch etc. Dadurch kam die Musik zu kurz. Dann kam das bereits erwähnte Label JPK ins Spiel, mit denen sie ab diesem Zeitpunkt zusammenarbeiteten. 2013 war Koljah auf Hartz IV, Panik Panzer hat studiert und nebenbei als Grafiker gearbeitet, und Danger Dan hat in irgendwelchen obskuren Reaggae-Bands als Musiker gespielt. Ein Jahr später erschien ihr Debütalbum „Aversion„. Seit diesem Album können sie von der Musik leben und wachsen musikalisch immer mehr. Dies spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider, denn mit ihrem letzten Album „Anarchie und Alltag“ erreichte die Gang Platz eins der deutschen Charts.

Aber der Abgrund, Deutschrap aktuell und Prezident

Aber der Abgrund“ ist eine sieben Track starke EP und wirkt düster, nachdenklich, selbstkritisch und depressiv, aber auch mit Representern und „Ich gebe keinen Fick“-Attitüde. Es war eine bewusste Entscheidung des Rappers, eine EP und kein Album zu machen. Auf die Frage, wieso ein Soloprojekt kommt, antwortete er, dass die Antilopen Gang das Ziel, groß zu werden, erreicht hatte und es jetzt Zeit wäre für Soloprojekte. Letztes Jahr legte Danger Dan mit seinem Album „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ vor, nun kommt Koljah Kolerikah. „Ich wollte mich alleine austoben“, sagt der 33-Jährige. „Wenn Koljah Kolerikah Songs macht, ist er schlecht gelaunt und kotzt sich aus.“ Er sieht Rap als Ventil und schreibt seine Texte intuitiv, ohne lange nachzudenken. Das merkt man auch in seiner EP. Es ist auch ganz anders, als man zurzeit im Deutschrap gewohnt ist. „Mit diesem ganzen standardisierten Modus Mio Playlisten-Sound kann ich gar nichts anfangen“, meint das Antilopen Gang-Mitglied. Er vermisse auch stilistische Vielfalt mehr als inhaltliche und finde Deutschrap zurzeit langweilig. Für Verwunderung könnte sorgen, dass Prezident als Feature auf dem Release stattfindet. Der Wuppertaler-Rapper wird kontrovers gesehen und sorgte schon für so manche Diskussionen. Für Koljah war die Entscheidung, ihn auf seine EP zu haben, nicht schwer:„Ich fand diese ganze Debatte auch lächerlich. Total albern.“ Er kenne den Rapper schon lange, sei Fan seiner Musik und hatte schon immer Bock, mit ihm zusammenzuarbeiten. 

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