Kobito über politischen Rap in Deutschland, Erfahrungen mit der Rap-Szene und sein neues Album.

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Ja, ich denke, dass man das gar nicht unterschätzen sollte. Ich habe das auch erlebt in Stuttgart, wie es ist, wenn die Leute in der Nachbarschaft alle cool miteinander sind. Das hat so viel ausgemacht.
Ja, ich find’s geil, ich kann zum Beispiel Gemüse, Brot und Pizza ohne einen Euro in der Tasche zu haben, holen. Ich kann halt einfach losgehen und sagen: “Yo, gib’ mir das mal alles, ich komm’ irgendwann wieder, sach mal, wieviel.” Und dann komm’ ich zurück und bezahl’ das. Es gibt auch keinen Zettel, wo das steht. Ich muss mir das einfach merken. Wenn ich sage, das waren zwei Euro, dann sind es zwei Euro. Wenn ich sage, es sind zwölf, dann sind es zwölf. Also so etwas finde ich mega geil, ich feiere das voll ab. Manchmal habe ich auch Geld und gebe es trotzdem nicht, weil ich einfach sagen will: “Ich bezahl’ später.” Ist irgendwie viel cooler (lacht).

Amewu variiert im Song “Warten auf die Sonne” dann weiter die Hook mit: “Warten auf die Bombe”. Das hat mich an KIZ erinnert und das Thema Weltuntergang, und auch fast jede religiöse Schrift oder Kultur kennt das Thema irgendwie. Wie stehst du dazu?
Als ich die Zeile gehört habe von Amewu, dachte ich erstmal, “Holla!”. Aber es ist einfach so amewutypisch kompromisslos. Kompromisslos und auf eine Weise auch düster. Er hat nachher dann ja auch den Kompromiss gemacht und die Zeile übernommen: “Warten auf die Sonne.” War ich ihm sehr dankbar für. Weil hätte er zweimal gesagt “Warten auf die Bombe”, dann hätte das glaube ich ein krasses Ende genommen. Aber ich weiß, was er meint, dass man manchmal einfach mal… Keine Ahnung, du machst eine Zeitung auf, beschäftigst dich so’n bisschen dies das… mit Landtagswahlen in MV usw. Und dann hat man einfach manchmal das Gefühl: “Boah ey ganz ehrlich, komm’ Bombe drauf und neu. So, muss alles neu.” Geht alles nicht. Je tiefer man eindringt, je tiefer man merkt, wie die Leute in allen Details miteinander umgehen, kommt manchmal dieses Gefühl, “Wie soll man darauf aufbauen? Wie soll man auf diesem Scheißding aufbauen?” Aber es ist nicht so, dass ich jetzt der Meinung bin, dass alles weggefällt werden müsste, jetzt rational gesehen, und dass man irgendwie Köpfe rollen muss oder so. Es ist einfach nur ein kindlicher Reflex glaube ich einfach, zu sagen: “Diese Sandburg ist mir jetzt wirklich nicht gelungen. Ich haue da jetzt richtig krass drauf und baue da einfach nochmal neu.” Das ist glaube ich auch schon alles.

“Ist meine Schwester aus Papier, kommt auch mit auf Tour und ich bin gespannt, was aus ihr noch wird. Aber ich glaube, sie hat ein Auge verdient.”

Du hast die Rapperin Haszcara auf dem Album im Song “Aus Papier” und in so einem schönen Kontext. In der Musikgeschichte war es ja so, dass Frauen jahrhundertelang überhaupt nicht schreiben durften, nicht komponieren durften, nicht auf Bühnen stehen durften… Sie durften ja so ganz krass nur zuhause sein und nicht am künstlerischen Leben teilhaben. Deswegen finde ich es doppelt schön, dass du eine Frau auf dem Album hast und dass sie dann auch noch davon erzählt, wie sie mit 13 anfing, zu schreiben. Wie kam es zum Feature mit ihr?
Sie hat in Göttingen als Vor-Act gespielt und dann gab es danach einen völlig verrückten absurden Turn-Up, wo wir uns als Crew näher gekommen sind. Also wir haben einfach mega zusammen abgerissen und danach war irgendwie klar, wir sind cool. Und dann habe ich das Album aufgestellt und mir ist aufgefallen, es sind jetzt schon wieder nur Jungs, obwohl ich ja oftmals sage, dass mich das auch stört, dass es so viele Jungs gibt. Und der Song ist halt so relativ easy, der ist jetzt nicht superkrass technisch oder superkrass inhaltlich, aber halt eher so ein Feeling-Song, finde ich nicht weniger wichtig deshalb. Und da habe ich gedacht, da würde ich sie gerne sie einladen, weil sie einfach ‘ne krass freche Art hat, weil sie vielleicht auch nochmal was anders reinbringen kann, weil sie nochmal viel jünger bin. Sie ist sicherlich zehn Jahre jünger als ich, sie ist so alt wie mein kleiner Bruder.
Und sie da reinzunehmen, als jemanden, den ich super beachtenswert finde und bei der ich total gespannt bin, wie sie so ihren Weg geht. Weil sie kommt richtig krass aus der Rap-Ecke, sie hat ja auch beim VBT mitgemacht und so. Das heißt, sie kommt aus einer Ecke, mit der ich mal so gar nichts zu tun habe. Wollte ich einfach hören, was sie zu dem Ding zu sagen hat. Ja und ist einfach cool geworden, ist meine Schwester aus Papier, kommt auch mit auf Tour und ich bin gespannt, was aus ihr noch wird. Aber ich glaube, sie hat ein Auge verdient.

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Diana

Die Stuttgarterin ist seit Dez' 2015 in Hamburg. Sie liebt die Welt der Bässe, Beats, Melodien und Lyrics. Im Studium hat sie sich fast nur mit Hip Hop beschäftigt und könnte endlos darüber nachdenken und schreiben.

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Hanfosan

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