Kobito über politischen Rap in Deutschland, Erfahrungen mit der Rap-Szene und sein neues Album.

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Das ist eine schöne Überleitung. Im Song „100.000 Kilometer“ hast du nämlich die Line „Immernoch meide ich Kontakte in die Szene, weil ich die Kompromisse nie lang‘ ertrage, dann doch lieber weiterziehe“. Wie ernst ist sie gemeint und erzählt sie aus Deiner eigenen Erfahrung mit der Rap-Szene?
Nee, ich mein‘ das schon ernst. Das hat schon was mit ’ner eigenen Erfahrung zu tun. Es gab so eine Zeit, in der ich das Gefühl hatte, der nächste Step ist jetzt wirklich nur zu machen, indem wir wirklich in dieser Rap-Community ankommen. Da gab’s so ’ne Szene im Berliner Cassiopeia, wo es  immer so Jams gab und wo es immer Konzerte gab mit Berliner Crew. Ich hatte einfach mega die Sehnsucht, da rein zu kommen. Also einfach weil das Leute waren, die ich schon ewig gehört hatte und wo ich immer dachte: „Ich will’s irgendwie auch. Ich will da rein.“ Und dann hab‘ ich da viel rumgehangen und hab‘ auch ’ne gute Zeit gehabt mit Leuten, die jetzt überhaupt nicht alle blöd sind oder so. Gar nicht, also ich will jetzt gar nicht so ’nen Generalverdacht darüber legen. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass es eben sein kann, dass du mit jemandem auf der Bühne stehst, der nach dir irgendwie rappt so: „Yo, ich wünsch‘ mir Bitches in Bikins“ und irgendwie fett Money oder so. Und dann fühl‘ ich mich einfach (schnippst mit dem Finger), so, mit ’nem Fingerschnipsen, krass deplatziert und denk‘ einfach nur: „Was mach‘ ich denn hier? Warum bin ich hier?“ Und insofern…

„Warum redet der so ’ne Scheiße und warum hab‘ ich jetzt plötzlich damit zu tun? Warum ist meine Kunst plötzlich mit seiner verbunden und warum ist das so unterschiedlich?“

Aber, das ist mir wichtig, dazuzusagen: da sind auch richtig talentierte tolle Leute bei, die mega tolle Sachen machen bis heute. Jemand wie Amewu zum Beispiel ist auch aus dieser Zeit im Grunde. Ihn habe ich da irgendwie kennengelernt über Freestyle-Krams. Den habe ich jetzt auf dem Album, weil ich sehr respektiere, was er macht. Aber diese Kompromisse, die ich meine, das ist eben immer wieder passiert, dass ich dachte: „Ok, jetzt ham wir diesen Auftritt gekriegt und ist voll cool und jetzt sind wir bisschen drin.“ Und wieder diese beschriebene Moment, wo ich einfach dachte: „Aber warum? Warum redet der so ’ne Scheiße und warum hab‘ ich jetzt plötzlich damit zu tun? Warum ist meine Kunst plötzlich mit seiner verbunden und warum ist das so unterschiedlich?“ Und dann hab‘ ich irgendwann das Gefühl gehabt, auch von der anderen Seite kam das immer wieder. Wir haben immer erzählt, was wir erzählt haben – und dann kam ganz oft so: „Ja, das ist doch irgend so ’ne Zecken-Scheiße.“ Und als das größer wurde, als wir Auftritte außerhalb von Berlin hatten, hatte ich tatsächlich ein paar Gespräche, in denen mir Leute gesagt haben: „Ja, ich habe irgendwie mitbekommen, bei euch wird das größer und da geht ja was. Aber ey ganz ehrlich, das sind ja sowieso nur irgendwelche scheiß Zecken, vor denen ihr auftretet.“ Und daraus sind dann auch Textzeilen entstanden wie bei „Eklektisch“, wo ich sage, mein einziger Fame sei Fame bei Zecken gewesen. Also kann schon sein, das ist das, was die Leute gesagt haben. Die haben gesagt, ok, wenn es bei uns gut geht- wir sind aber nichts wert. „Das ist alles nichts wert“ und so. Und das ist dann der Moment gewesen, wo ich dachte: „Okay ganz ehrlich: offensichtlich gehören wir hier nicht rein.“
Und seitdem ist mir das auch scheißegal, weil ich glaube, ich muss bei keiner Szene betteln oder an die Türe klopfen. Ich mache einfach, was ich will, und hoffe, dass Leute es hören. Ich kenne genug Leute, aber ich muss mich nicht mit ihnen verbinden und auf irgendeiner Jam rumhocken, wo ich das Gefühl habe, alle nach mir kann ich nicht vertreten. Ich muss auf keiner Graffiti-Box-Jam sein so. Ist Scheiße, was die Leute da reden! Will ich nicht! Dann hol‘ ich mir lieber einen Amewu und setze ihn auf’s Album, weil er der Hammer ist. So mach‘ ich’s. Also…Graffiti-Box… Kennst du das?

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Diana

Die Stuttgarterin ist seit Dez' 2015 in Hamburg. Sie liebt die Welt der Bässe, Beats, Melodien und Lyrics. Im Studium hat sie sich fast nur mit Hip Hop beschäftigt und könnte endlos darüber nachdenken und schreiben.

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Hanfosan

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