Kobito über politischen Rap in Deutschland, Erfahrungen mit der Rap-Szene und sein neues Album.

kobito

Nochmal zum Thema Zeckenrap. Du und Refpolk rappt ja im Song „Schlechter Scherz“ auch humorvoll über das Thema, dass Neonschwarz jetzt charten, und dass viele jetzt mit Zeckenrap Geld verdienen wollen. Hat sich deiner Meinung nach allgemein etwas geändert, also ist Zeckenrap beliebter geworden?
Also man muss erstmal sagen, dass „Schlechter Scherz“ kein ernsthafter Song ist. Also wir sagen da jetzt nicht, wir sind jetzt echte „Zeckenrap-Stars“. Der sollte ursprünglich so heißen, aber das hat mir dann jemand ausgeredet (lacht). Aber als wir angefangen haben und Schlagzeiln gegründet haben 2006, also vor zehn Jahren, da war das ’ne ganz andere Nummer. Da waren die Gigs unfassbar klein, die Strukturen waren nicht vorhanden. Also wir haben gespielt auf Punkfestivals und in irgendwelchen ausschließlich besetzten Häusern, wo Leute einfach gesagt haben: „Inhaltlich finden wir das cool, mit der Mucke können wir eigentlich gar nichts anfangen, aber kommt mal vorbei.“ Und wir haben auch ausschließlich vor ’nem Publikum gespielt, das auch IMMER gesagt hat: „Also ich hab‘ ja noch NIE Rap gehört, aber das war ja gar nicht SO scheiße.“ Ähm, es gab keine politische Rap-Szene, die wir mitbekommen hätten. Kann sein, dass irgendwo anders etwas war, und wir sind ja jetzt auch nicht die ersten, die politischen Rap gemacht haben, gerade mit Advanced Chemistry von Torch und so als Beispiel. Also es gibt ja sozusagen schon eine Szene davor, aber man muss wirklich sagen, die Struktur hat sich komplett geändert. Also es gibt jetzt Bands wie Neonschwarz, die klare Aussagen machen und trotzdem groß sind. Ich würde auch an so etwas wie Feine Sahne Fischfilet denken, das ist zwar kein Rap, aber sie machen trotzdem sehr klare Ansagen und positionieren sich sehr sehr deutlich und sind groß.

„Da waren die Gigs unfassbar klein, die Strukturen waren nicht vorhanden. Also wir haben gespielt auf Punkfestivals und in irgendwelchen ausschließlich besetzten Häusern.“

Sie haben ja auch neulich dieses große Statement gegen Fremdenhass zusammen mit Marteria gesetzt…
Ja voll! Also insofern, es hat sich viel getan und es hat viel Spielraum für uns glaube ich eröffnet. Und natürlich geht es inzwischen besser, natürlich können wir irgendwie mehr machen und uns mehr trauen als vor zehn Jahren, wo wir pro Bandauftritt irgendwie 50 € in die Bandkasse geworfen haben.

Schön zu hören, dass es so gewachsen ist aus den ersten deutschen politischen Rappern und wie daraus die heutige politische Rap-Szene mit entstand.
Ja, ist schon so, also muss man ja so sehen. Habe ich vielleicht damals auch gar nicht so verstanden, muss ich ehrlich sagen. Advanced Chemistry, ich kannte die gar nicht, als ich damals angefangen habe. Also Refpolk, mein Schlagzeiln-Kollege kannte die alle und das waren so seine Helden, aber ich kannte sie gar nicht. Meine Helden waren ganz andere.

Wer waren Deine Helden?
Oh Gott (lacht). Rihanna, ich sage jetzt heute nur noch Rihanna (lacht). Nee, ich habe schon viel Samy Deluxe gehört, auch Torch, aber auch so was wie M.O.R. Ich komm‘ halt eher aus ’ner Rap-Ecke und bin erst dann zu so ’nem inhaltlichen politischen Ding gekommen. Ich habe auch all den Scheiß mitgemacht erst als ich 16 war oder so.

Weiter geht’s auf der nächsten Seite.

The following two tabs change content below.

Diana

Die Stuttgarterin ist seit Dez' 2015 in Hamburg. Sie liebt die Welt der Bässe, Beats, Melodien und Lyrics. Im Studium hat sie sich fast nur mit Hip Hop beschäftigt und könnte endlos darüber nachdenken und schreiben.

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7

Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.