Kobito über politischen Rap in Deutschland, Erfahrungen mit der Rap-Szene und sein neues Album.

kobito

Der Berliner Kobito wird häufig mit politischem Rap und Zeckenrap in Verbindung gebracht. Seit 2006 ist er Teil der linken Hip-Hop Band Schlagzeiln und nicht nur auf vielen Bühnen, sondern auch in besetzen Häusern unterwegs. 2013 gründete er das Hip-Hop-Kollektiv TickTickBoom, zu dessen Gründungsmitgliedern auch Sookee zählt. Mit ihr nahm er außerdem im Duo Deine Elstern ein gleichnamiges Mixtape auf 2010. In den letzten zehn Jahren war Kobito also sehr aktiv und veröffentlichte sowohl solo als auch in verschiedenen Crews Musik. Am 16. September erschien das neueste Album „Für einen Moment perfekt“. Wir trafen uns mit Kobito und redeten darüber, ob man seine Musik überhaupt noch „Zeckenrap“ nennen kann, wie er zur deutschen Hip-Hop-Szene steht und womit er im Alltag die Welt besser machen will.

kobito für einen moment perfekt

Du bist ein Gründungsmitglied des linken Hip-Hop-Kollektivs TickTickBoom. Wie sieht Eure Zusammenarbeit aus? Trefft ihr euch regelmäßig, hängt ab und macht Musik oder macht jeder eher sein eigenes Ding?
Also wir sind da ja echt viele Leute, wir sind über 20 Personen. Deshalb ist es einem ziemlich stetigen Wandel unterworfen, denn die Leben von 20 Leuten bewegen sich enorm zueinander. Das hört sich voll physikalisch an (lacht). Und deshalb machen wir jetzt gerade nicht viel aktiv, sondern im Moment ist es eher ein ziemlich loser Zusammenschluss, dem wir uns alle zugehörig fühlen. Wir bauen ihn schon ein in Veröffentlichungen. Das heißt, das Logo taucht auf und wir weisen darauf hin. Aber wir planen jetzt gerade nicht wie sonst immer eine riesen Gala-Veranstaltung oder so, sondern es wird sich zeigen, was damit passiert. Aber jetzt gerade sind wir nicht so richtig aktiv.

Also stehen auch keine Veröffentlichungen oder Veranstaltungen an in der nächsten Zeit?
Nee, jetzt gerade steht auch nichts an. Ist einfach gerade auch ein bisschen kompliziert. Es ist kompliziert (lacht).

„Und eine Weile lang haben wir auch das Gefühl gehabt, dass wir da jetzt gerade etwas auf die Karte setzen, was irgendwie wichtig ist.“

Welche Rolle hat das Kollektiv in der Vergangenheit für dich gespielt, für dein Leben und deine künstlerische Entwicklung?
Also wir haben riesen Konzerte gespielt für die damaligen und auch heutigen Verhältnisse. Wir haben ja das Übel und Gefährlich voll gemacht, die Fabrik vollgemacht, wir haben das SO36 vollgemacht. Das sind alles Locations, wo ich mich jetzt solo nie ohne Knieschlottern ran trauen würde. Also insofern war es eine totale Erfahrung, ein Konzert zu veranstalten, das nicht irgendwie nur ein Festival ist, wo nur aus Versehen Leute – Laufpublikummäßig – stehenbleiben, sondern dass Leute wirklich wegen dieser Gang kommen. Das war schon ziemlich toll. Und eine Weile lang haben wir auch das Gefühl gehabt, dass wir da jetzt gerade etwas auf die Karte setzen, was irgendwie wichtig ist. Diesen Begriff „Zeckenrap“ verteidigen, den für uns claimen und das in die Szene bringen. Das war so der Anspruch und ich glaube, das ist einfach total wichtig.
Das war total wichtig, dass wir das gemacht haben. Inzwischen hat sich das alles ein bisschen bewegt und ich glaube, mir ist der Begriff „Zeckenrap“ überhaupt nicht mehr so wichtig- nicht, weil ich ihn inhaltlich für überholt halte oder irgendwie davon abrücken will, um glatter zu sein oder um mich nicht so angreifbar zu machen. Sondern einfach deshalb, weil ich glaube, jedes Label, was man sich aufdrückt, wird irgendwann zu eng, jede Schublade zu klein. Und das ist auch mit diesem Zeckenrap passiert. Ich habe das Gefühl, ich möchte, dass die Leute ein bisschen offener da ran gehen, als zu denken: „Ok, wenn ich Kobito höre, dann bekomme ich 1A Zeckenrap auf die Ohren!“ Dann denke ich eben, das wird dem Ganzen auch nicht gerecht. Es ist nicht nur das.

Ja, das hört man sehr, gerade bei deinem neuen Album- aber auch schon bei deinem letzten Album „Blaupausen“ in 2014. Ich verstehe gar nicht, wieso du dieses Label noch so stark trägst.
Ach ich weiß auch nicht genau. Ich habe das Gefühl, dass es so wenige regelmäßige politische Statements gibt von Rappern, also Leute, die sich dazu regelmäßig äußern. Es gibt mal einen Rapper hier und da, der mal was sagt zum Tagesgeschehen und dann ist irgendwie die Aufregung groß, weil jemand wirklich, tatsächlich etwas gesagt hat! So: „Wahnsinn!“ Und wir machen das eben oft und ich nutze auch Facebook, um hinzuweisen auf Aktionen, die ich wichtig finde und auf Probleme, die ich wichtig finde. Ich glaube, das ist einfach so ungewohnt für den Großteil der Szene, dass das dann irgendwie das naheliegendste Label ist.

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Diana

Die Stuttgarterin ist seit Dez' 2015 in Hamburg. Sie liebt die Welt der Bässe, Beats, Melodien und Lyrics. Im Studium hat sie sich fast nur mit Hip Hop beschäftigt und könnte endlos darüber nachdenken und schreiben.

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