Kobito: „Ich bin Rapfan bis ins Grab.“

Kobito – nicht nur eine Kombination aus Bild und Ton, vor allem ein Rapper, der seit bereits über 10 Jahren in der Szene aktiv ist und inzwischen eine feste Verankerung verzeichnen kann. Nach mehreren Releases in Eigenregie, veröffentlichte er 2014 sein erstes Album in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Label Audiolith. Nicht nur solo, auch in Kombination mit anderen Künstlern und Künstlerinnen, bescherte uns der Berliner den ein oder anderen Track. So zum Beispiel als „Deine Elstern“ mit Sookee. Zusammen releasten sie 2010 die gleichnamige EP. Häufig als Zeckenrapper in eine Schublade gesteckt, wollten wir passend zur Veröffentlichung seiner „Lass mich mal machen“-EP von ihm wissen, was er von dieser Einstufung hält und wie wichtig für ihn die Verbindung von Rap und Politik wirklich ist.

Wie wichtig sind dir politische Statements in der Musik?
Grundsätzlich schätze ich Rap sehr für die Möglichkeit, Aussagen zu treffen, Themen zu beschreiben und in vielen Worten zum Punkt zu kommen. Und wenn man sich meine verganenen Alben und Songs anhört, wird ja klar: Immer wieder mal beziehe ich Stellung. Aber auch, wenn es manchmal anders wirkt: Das ist kein Konzept, kein Zwang. Ich sage dann etwas, wenn ich was zu sagen habe und mich danach fühle. Rap und Politik gehören daher für mich nicht unbedingt zusammen. Aber Rap ist ein Teil meiner Persönlichkeit und ich bin ein politischer Mensch. Und über diesen kleinen Umweg wird es immer wieder politische Songs von mir geben – einfach, weil ich kein Typ bin, der die Fresse hält. 

Bist du es Leid, als „Zeckenrapper“ in eine Schublade gepackt zu werden?
Manchmal ja – andererseits verstehe ich auch den Drang, Menschen in Schubladen zu stecken. Aber natürlich bin ich meiner Meinung nach mehr als das. Songs wie „About Blank„, „Warten auf die Sonne“ mit Amewu oder auch die neue EP sind kein Zeckenrap, sondern gut gemachter Hip Hop mit viel Herz. Und manchmal wünsche ich mir, dass die Leute offener an mich und andere Künstler herangehen würden. Wir alle sind komplexe Persönlichkeiten und wenn du dich traust, das abzubilden, wirst du schwer greifbar. Aber Imagerap á la Kollegah war für mich nie eine Option. Da bleibe ich lieber schwer zu greifen und schreibe dafür über alles, was ich möchte und was mich bewegt.

Was stört dich am Inhalt der aktuellen deutschen Rapszene?
Im Gegensatz etwa zu Frankreich oder England finde ich die deutsche Szene sehr kleingeistig. Es wird wenig ausprobiert und viel nachgemacht. Der Sound, der hier gerade in ist, wurde oftmals schon vor 10 Jahren in den USA durchprobiert und dann ist das eine musikalische Innovation. Und ansonsten – ja, ich muss das sagen, finde ich, dass deutsche Rapper mal erwachsen werden sollten. Wenn ein Savas mit 40 noch immer gegen Schwule, Frauen und Transsexuelle pöbelt und das niemandem negativ auffällt, ist das für mich hängengeblieben wie nix. Was los mit dir? Erzähl doch mal was, sonst langweile ich mich zu Tode und du schaust irgendwann zurück und hast nur Scheiße erzählt. 
Und trotzdem: Es gibt auch großartige Entwicklungen! Ein Projekt wie BSMG feier ich sehr, Amewu, Chefket, Tua, Juju Rogers oder auch Sookee und Antilopen bringen immer wieder wichtige Themen mit unfassbar guter Musik zusammen. Es gibt also auch viel Grund zum Jubeln und Feiern. 

Wenn nicht politisch, welchen Mehrwert schätzt du zudem an Musik?
Musik ist eine der ältesten Formen der Menschheit, Gefühle zu kommunizieren und sie ist ein Teil unserer Seele geworden. Ich liebe die Vielfalt, die es gibt, die verschiedenen Sounds, die Entwicklungen und die Ausdrucksstärke von allen möglichen Genres. Rap ist meine Identität, wie Max Herre mal sagte. Den Satz unterschreibe ich sofort. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht stundenlang Raptracks höre, weil ich die Kraft der Worte feiere, den Rhythmus von guten Flowpassagen, die Vielfalt von Stimmen. Ich schwör euch: Ich bin Rapfan bis ins Grab. 

Wie politisch ist deine neue Platte?
Lass mich mal machen“ ist tatsächlich recht unpolitisch geworden – das ist allerdings weder Konzept noch besonders bewusst entschieden worden. Wir haben eben einfach mal gemacht, rumgehangen, Joints geraucht, Pizza bestellt und geschaut, was dabei so rauskommt. Das Ergebnis ist eher lustig und nachdenklich als ernst und explizit. Für mich war die Arbeit an der EP sehr befreiend, weil ich für mich neue Wege ausprobiert habe. Mehr Humor, mehr Flowspielereien, mehr Akzent auf der Leidenschaft für Musik und viel Intuition. Das war die Idee und es ist uns gelungen, wie ich finde. 

Hier findet ihr die EP. 

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