„King Kool City Berlin“ – Porträts von Savas, B-Tight, Marcus Staiger und vielen weiteren…

Berlin

Bücher über Hip-Hop sind selten. Vermutlich, weil die einzelnen Bereiche des Hip-Hop sich selbst dokumentieren und eine Aufzeichnung von außen nicht nötig scheint. Musik wird auf eine Platte gepresst und Graffiti an die Wände gesprüht. Und vielleicht auch, weil es schwer ist Hip-Hop mit all seinen Facetten in Worte zu fassen. „King Kool City Berlin“ ist keine Hip-Hop Enzyklopädie und versucht auch nicht dem Leser zu erklären was Hip-Hop eigentlich ist. Vielmehr stellen die Autoren, Sarah Paulus und Rolf G. Wackenberg, verschiedene Menschen und deren Geschichte vor. Menschen, deren Leben mit der Berliner Hip-Hop Szene verknüpft ist. Zu Wort kommen Graffitikünstler, Rapartists, Beatboxer und Breakdancer.

So erzählt zum Beispiel Kool Savas von seiner Ankunft in Berlin Kreuzberg. Die Familie zog von Aachen in die Hauptstadt, nachdem der Vater in der Türkei aus dem Gefängnis entlassen wurde. Auch von seiner ersten Crew Sleepwalkers, in der auch seine spätere Freundin Melanie Wilhelm a.k.a. Melbeatz Mitglied war, berichtet Savas. Später lernt er Marcus Staiger kennen. „Ein netter Kerl aus Stuttgart, der in Berlin Großstadtluft schnuppern und rappen wollte.“ Ebendieser wird wenig später den „Royal Bunker“ ins Leben rufen und damit Deutschrap-Geschichte schreiben. Von dieser Zeit berichtet auch Staiger im Buch: „Ich wollte Rapper sein, konnte es aber nicht.“ Beim Bunker stehen vorrübergehend auch Paul Würdig und Robert Edward unter Vertrag. „Wir haben gutes Geld eingespielt, dafür aber zu wenig an Support und Auftritten rausbekommen. Deswegen sind wir gegangen.“ Wie er Sido kennengelernt hat, welche Philosophie hinter seinem Sprechgesang steht und dass er schon jetzt alles umsetzen konnte, was er vorhatte, berichtet B-Tight in seinem Portrait. Und stellt außerdem klar: „Das Siggi erfolgreicher ist, stört mich nicht.“
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Seine Geschichte erzählt auch Veysel Önder, besser bekannt als AMOK One oder AMOK 156. Von ihm stammt das älteste erhaltene Graffiti in Berlin. “Warum die Leute mich noch bis heute anerkennen, obwohl ich weder der erste noch der intensivste illegal Sprayer war, mag damit zusammenhängen, dass ich unendlich viel malen konnte und verschiedene Techniken ausprobiert habe.” Als Sprüher der ersten Stunde hat er viele Generationen von Graffitikünstlern in Berlin inspiriert. Im Gespräch erzählt er von seiner Kindheit und darüber, dass er schon Graffiti gemacht hat, als er noch nicht einmal wusste was das war.

Neben diversen Porträts von Künstlern, kommt aber auch die vermeintlich „andere Seite“ zur Sprache. Das Sprühen in den meisten Fällen illegal ist, ist bekannt. Auf ihrer Internetseite drückt das LKA es folgendermaßen aus: „Das Besprühen oder Bemalen von Wänden und Zügen ist eine Sachbeschädigung, die strafrechtlich verfolgt wird, sofern keine Erlaubnis des Eigentümers vorliegt.“ Genauere Informationen gibt es von Andreas Langer, Kommissariariatsleiter der GiB (Gemeinsame Ermittlungsgruppe Graffiti in Berlin). Der verrät, dass einige Kollegen Bilder von Graffitis in den Büros hängen haben, wie hoch das Gewaltpotenzial bei Festnahmen ist und was ihn selbst zu seiner Arbeit motiviert.

Auch das Unternehmen in Berlin, dem die Graffiti Szene wohl am meisten geschadet hat, kommt zu Wort. Mehr oder Weniger, denn für ein persönliches Interview steht die Pressesprecherin des Vorstand der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) nicht zur Verfügung. Einer schriftlichen Anfrage stimmt sie nach einigen Nachfragen jedoch zu. Auskunft wird über die unmittelbaren Schäden durch Graffiti gegeben, zu Anti-Graffiti-Maßnahmen und dem Bushido Film „Zeiten ändern dich“. Fragen zum Bahnhof Eisenacher Straße werden nicht beantwortet.

Jedes Porträt bzw. Interview ist mit hochwertigen Bildern versehen. Zu Wort kommen neben den bereits genannten, die Rapper Frauenarzt und Manny Marc, der Sprüher POET, der Breakdancer Flying Steps, die Produzenten des Graffiti Films „Unlike U“, Rap am Mittwoch Gründer Ben Salomo, sowie viele weitere.

Im September erschien das Buch beim Elsengold Verlag. Die 192 Seiten kosten 24,95 Euro. Weil wir das Buch sehr gelungen finden, verlosen wir das gute Stück zwei Mal. Wer Interesse hat darf sich mit einer Mail an win@backspin.de, Betreff „King Kool City Berlin“ darum bewerben. Das Gewinnspiel endet am Samstag, 12. November 2016.

*Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel akzeptiert der Nutzer die Eintragung zum Erhalt des BACKSPIN-Newsletters.

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Aus der südlichsten Ecke in den hohen Norden gezogen um über Hip-Hop zu schreiben. I'm all the way up.

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