King Kolera: „In diesem Kampf geht es nicht um Schwarz oder Weiß, sondern um Freiheit.“

War Deutschland im Vergleich zu Spanien besser?

King Kolera: Kommt ganz drauf an. Deutschland war besser, was Arbeit angeht. Spanien ist für Ausländer noch schlimmer als Deutschland. Ich war klein und habe nicht so viel davon mitbekommen, aber es war schon besser. Ich habe über die ganzen schlechten Dinge in Deutschland erzählt, aber man muss Deutschland schon für sein Sozialsystem loben. Das ist eine gute Sache. Deutschland ist schlau. Das kann ich respektieren. Deswegen geht’s denen bis heute noch gut. Aber sie haben ihren Teil zu dem Ganzen beigetragen und machen die Augen zu, wenn bestimmte Dinge passieren und das kann ich nicht respektieren.

Mal etwas allgemeineres: Wofür steht die 23 in deinem Labelnamen „23 Mucke“?

King Kolera: Das ist meine Glücksnummer. Ich wurde am 23. geboren. Das hat mit vielen Dingen zu tun, die in meinem Leben passiert sind. Das ist einfach eine starke Zahl. Die Leute sollen sich ein bisschen erkundigen, aber mir nicht mit den Illuminati kommen. Digga, lies mal ein bisschen mehr (lacht) und gucke nicht so viele YouTube-Clips. Ich war auch mal so drauf. Vielleicht gibt es so etwas ja sogar, aber wenn es die wirklich gibt, dann heißen die nicht so (lacht). Wenn das eine Secret Society ist, wie kann dann jeder wissen, wie die heißen und was die machen? Es gibt ja Geheimdienste, aber wenn ich gegen ihr System bin, scheiße ich da erst recht drauf.

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Glaubst du an gewisse Verschwörungstheorien?

King Kolera: Manche sind wahr, manche sind übertrieben, aber sehr vieles stimmt, von dem was ich weiß.

Könntest du eine herauspicken?

King Kolera: Also, dass der 11. September vom eigenen Staat durchgeführt wurde, weiß doch mittlerweile jeder. Obama könnte jetzt damit rausrücken und keinen würde es schocken. Ich glaube, das weiß nun jeder. Es gibt viele Sachen, die schwer zu beweisen sind, aber manchmal werden ja Dokumente veröffentlicht. Man, was dieses System schon alles gemacht hat. Die haben einen ganzen Kontinent versklavt und plötzlich war das für 400 Jahre total normal. Das darf man nicht vergessen. Das ist das gleiche System, was heute noch an der Macht ist. Heutzutage sterben noch Menschen den Hungertod. Das ist doch traurig.

Ich glaube ja, dass das System eine große Paranoia hat, dass Schwarze Rache ausüben werden, wenn sie zu größerer Macht kommen.

Hip-Hop wurde damals in der Bronx gegründet, weil die Leute so gestresst waren in der City. Die Leute brauchten eine Kunstform um das auszusprechen, was in ihren Herzen war. Dadurch haben sie mit den Blockpartys begonnen. Irgendwann wurde das allerdings zu einem Business, weil die da oben gemerkt haben, dass die damit Geld machen können. Erst einmal haben die das alles ignoriert. Das hängt alles miteinander zusammen. Viele wissen nicht, dass es ohne Malcom X und die Black Panther keinen Hip-Hop geben würde. Als die Black Panther damals vom FBI zerstört wurden, waren wieder alle auf der Straße und hatten keine Jobs. Die Black Panther haben dafür gesorgt, dass alle etwas zu essen haben und arbeiten konnten. Das war ja eine richtige Organisation. Die haben genauso wie die Nation of Islam mit Elijah Muhammad Schulen aufgemacht und Jobs kreiert, weil der Staat das nicht für sie gemacht hat. Als der Staat aber gesehen hat, dass sie größer und größer wurden, hat er Angst bekommen. Ich glaube ja, dass das System eine große Paranoia hat, dass Schwarze Rache ausüben werden, wenn sie zu größerer Macht kommen. Denn jedes Mal, wenn eine schwarze Organisation an Macht kommt, wird versucht, diese Organisation zu zerstören. Malcom X wurde umgebracht und dadurch entstanden die Black Panther, die vom ihm inspiriert wurden. Die wurden jedoch von Informanten infiltriert und bekämpft. Das System hat einen Plan entwickelt, alles was den Schwarzen gefällt, von ihnen zu nehmen. Die haben den Schulen zum Beispiel die Instrumente genommen. Außerdem haben sie auch Drogen in die Ghettos gebracht, damit die ohnehin schon arbeitslosen Schwarzen also auch noch an Drogen gerieten. Auf einmal waren auch Waffen da, das war alles eine Falle. Aber dann aus dem Nichts haben die Schwarzen Hip-Hop kreiert, indem sie sich alte Plattenspieler und Schallplatten genommen haben. Die haben das als Instrumente genutzt. Dann kam wiederum die Industrie, weil sie gemerkt hat, dass das zu etwas Großem wird und investierte. Als die Musik dann mit Public Enemy aber zu politisch wurde, haben sie gemerkt, dass es Gegenwind gab und sie aufpassen mussten, da sie zum Ziel geworden sind.

Dadurch, dass Drogen und Waffen eh schon in den Ghettos waren, mussten sie nur noch leben, was sie hörten.

Da gibt es auch eine Verschwörungstheorie: Die Gefängnisse in den USA sind ja privatisiert und deren Chefs haben sich mit den Chefs der Plattenindustrie zusammen getan, um einen Weg zu finden die Hip-Hop Kultur zu steuern. Denen wurde Hip-Hop zu politisch, zu radikal. Der Plan war, die Schwarzen zu kriminalisieren und ihre Musik dazu zu nutzen. Also wurden Gruppen wie N.W.A. gepusht. Dadurch, dass Drogen und Waffen eh schon in den Ghettos waren, mussten sie nur noch leben, was sie hörten. So kam es dazu, dass ein Großteil schwarzer Menschen im Gefängnis sitzt und es im Rap nur noch über Drogen und Kriminalität geht. Wo gibt’s denn politischen oder sozialkritischen Rap? Zum Glück gibt’s jetzt Kendrick Lamar, aber da haben die sicherlich schon einen Plan geschmiedet, was mit dem passieren soll. Das ist nicht normal, wie die den pushen. Was er bei den Grammys gemacht hat, war krass – alle waren geschockt. Das ist genauso wie hier. Es gab lange nichts, was so war. Wenn ich jetzt groß werden würde, wären die Leute auch geschockt. So etwas, was ich jetzt mache, gab es in Deutschland sowieso noch nicht.
Hip-Hop kam von den Schwarzen, das ist eine schwarze Kultur. Trotzdem müssen schwarze Menschen, die Talent haben, hier Toiletten putzen. Warum müssen Schwarze hier kriminell werden, wenn wir Hip-Hop haben? Ich verstehe das einfach nicht. Wie viele Schwarze sind im Deutschrap-Geschäft? Es gibt nicht so viele. Der erfolgreichste ist gerade Darko von Out4Fame. Der macht sein Ding und ist auch mein Landsmann. Ihr habt ja nun auch Stompy dabei, der sein Ding macht. Ihr geht in die richtige Richtung. Es gibt ja so viele Jobs, die man machen kann. A&R, Fotografen und und und.

Liegt dir noch etwas auf dem Herzen?

King Kolera: Ruhe in Frieden, Jaja Diabi. Ein Afrikaner aus Hamburg, der vor kurzem im Knast gestorben ist. Sie sagen, dass er sich selbst umgebracht hat, aber das glaube ich nicht. Am 18. Juni ist ein Gedenken für ihn geplant. Außerdem haben wir im Moment eine Bewegung namens „United People“. Wir stehen für alle unterdrückten Leute weltweit. Wir treffen uns jeden Mittwoch im Café und besprechen, was gerade so in der Welt geschieht, schauen uns Dokus und Filme an, machen Musik und wollen Jugendlichen auch bald ein Sportprogramm bieten können. Im Hafen wollen wir im Sommer auch Blockpartys veranstalten. Es wird eine geile Zeit. Demnächst kommt auch noch ein Streetalbum von mir, danach irgendwann ein Debütalbum. Freiheit für alle politisch Gefangenen. Der Kampf geht weiter!

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