King Kolera: „In diesem Kampf geht es nicht um Schwarz oder Weiß, sondern um Freiheit.“

Du hast einen Song namens „Black Panther Halbschwarzer“. Inwiefern beziehst du dich dabei auf die BPP-Bewegung?

King Kolera: Dieses Jahr war der 50. Jahrestag der Black Panther-Gründung. Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm und hatte den Track schon fertig. Das war perfektes Timing. Die haben mich extrem inspiriert und mir die Augen geöffnet. Ich habe auch viele Bücher gelesen, beispielweise von Assata Shakur, die mir gezeigt hat, dass man dafür gerade stehen muss. Ich will nicht, dass Menschen wie sie Geschichte bleiben. Der Kampf geht immer noch weiter. Die haben einfach nur gezeigt, wie man das machen sollte. Wir müssen aus deren Fehlern lernen und den Kampf weiterführen. Das ist mein Job. Es sind aber nicht nur die Black Panther. Es gibt noch sehr viele andere wie Malcom X, Elijah Muhammad, Marcus Garvey oder den vor Kurzem verstorbenen Muhammed Ali.

Wie stehst du zu Muhammed Ali?

King Kolera: Muhammed Ali, man. Das ist einfach der beste Sportler aller Zeiten. Der beste Boxer aller Zeiten. Das ist das, was ich meine. Der hat genau das gemacht, was ich gerade mache. Der hat den Sport und seine Beliebtheit genutzt um eine Message zu pushen. Und deswegen wollten die sein Leben ficken. Die haben ihm seine Boxlizenz genommen, weil er nicht in den Vietnam wollte. Er wusste nämlich, dass er mit Leuten in den Krieg ziehen müsste, die ihn jeden Tag „Nigger“ nennen und eigentlich Krieg gegen ihn führen. Warum sollte er für ein Land kämpfen, das sein Gegner ist und mit ihnen zusammen gegen jemanden kämpfen, der ihnen nichts angetan hat? Er stand genau für das, für das ich stehe. Alle vergöttern ihn, aber was macht ihr daraus? Nichts. Wenn sie Muhammed Ali kennen gelernt hätten und er sie gefragt hätte: „Und was machst du?“ Dann wäre nichts gekommen.

Das Cover zu „Genug ist Genug“ sieht aus wie ein Gemälde aus der Zeit des Abolitionismus. Man erkennt eine Art Aufstand. Kannst du etwas zu dem Gemälde erzählen?

King Kolera: Das war die erste Revolte von Sklaven in Haiti. Das war ein schwarzer General der Franzosen, der einfach genug hatte, seine Leute zusammen getrommelt und den Sklaven gezeigt hat, wie sie sich befreien können. Er hat sie daraufhin vorbereitet, dass sie sich so gut wie ohne Waffen befreien können und sie haben den Kampf gewonnen. Sie hatten einfach diesen Willen frei zu sein und haben die erste Revolution gegen eine Kolonialmacht durchgeführt. Deshalb habe ich dieses Cover ausgewählt.

Bei jeder Revolution gab es Gewalt. Man kann sich nicht belügen und denken, dass alles mit Peace und Harmony vonstatten geht.

Es wird eine Zeit kommen, in der man sich entscheiden muss auf welcher Seite man steht. Auf der des Volkes oder auf der des Systems und allem, was es verkörpert. Bei jeder Revolution gab es Gewalt. Man kann sich nicht belügen und denken, dass alles mit Peace und Harmony vonstatten geht. Das wäre schön, wenn es klappen würde. Mir wäre es lieber so, aber wie Malcom X gesagt hat: Wenn du jeden Tag umgebracht, diskriminiert, unterdrückt wirst und diesen Schmerz zu spüren bekommst, wirst du irgendwann keinen Bock mehr haben. Dann ist es keine Lösung die andere Wange hinzuhalten, wie es Martin Luther King gesagt hat. Du must dich wehren, sonst wirst du schikaniert. Es ist wie damals als ich in der Schule war. Wenn ein Junge kam und dir eine Backpfeife gegeben hat, dann musstest du ihm zwei Fäuste geben, damit er das nicht noch einmal versucht. Wenn du das einfach sein lässt, dann wird er dich das nächste Mal abziehen und vielleicht sogar anpissen. Du musst einen Schlussstrich ziehen. Es wird ein Tag kommen, an dem es Gewalt geben wird. Ich will das so nicht. Ich bin nicht dafür, aber das ist einfach die Realität. Man sieht, wie sich die Welt entwickelt. Dieses System wird die Macht nicht abgeben. Denen geht’s gut.

Glaubst du, dass es in Deutschland eines Tages auf ein Level wie in den USA kommen könnte, was zum Beispiel die Polizeigewalt angeht?

King Kolera: Die USA stehen für sich. Guck dir einfach die Geschichte von Amerika an. Das sagt dir schon alles. Da hat die Gewalt ein anderes Level. Aber schau dir an, wie viele Flüchtlinge kommen. Der Rassismus wird gleichzeitig weiter steigen. Wenn die Leute die Wahrheit nicht akzeptieren, wird das passieren. Ich hoffe nicht, aber die Leute sind nicht glücklich. Mir ist egal ob du weiß oder schwarz bist. Wenn du für dieses System bist, bist du nicht mit mir. Ich liebe meine schwarzen Leute. Ich liebe meine schwarze Familie und meine schwarze Mutter. Ich kämpfe für meine schwarzen Leute. Du musst dir nur Afrika ansehen – uns geht es am schlechtesten. Wir sind der erste Feind für dieses System. Ansonsten würden wir nicht verhungern. In diesem Kampf geht es nicht um schwarz oder weiß, sondern um Freiheit.

Welche Menschen repräsentieren für dich dieses System?

King Kolera: Jede Person, die dafür arbeitet. Es gibt Menschen, die gezwungen werden daran teilzunehmen. Das ist etwas anderes. Aber wenn du das freiwillig machst und für das stehst, was die machen, dann bist du für mich ein Stück Scheiße. Es gibt sogar in meiner Familie Menschen, die dafür stehen. Ich bin ja halb weiß. Mein Opa von meiner weißen Seite mochte das, wie es früher war. In Deutschland gab’s einen Hitler. In Spanien gab’s Franco. Er fand das gut so. Aber wie kann man für etwas stehen, wenn man sieht, was passiert? Das heißt doch, dass dir das alles scheißegal ist.

Glaubst du, dass das Problem mit der Zeit ausstirbt? Die meisten jungen Menschen sind heutzutage doch aufgeklärt.

King Kolera: Das schon, aber das System ändert sich nicht. Die Werte, für die das System steht, werden nicht geändert. Hier wird ein Gesetz geändert, da wird ein Gesetz verändert. Aber im Großen und Ganzen bleibt alles beim Alten. Es geht nicht um dich und mich. Deine Kinder und meine Kinder werden sich später sicherlich gut verstehen. Es geht gar nicht so viel um uns. Wir müssen es irgendwie schaffen, das System zu zerstören. Die Politiker, die Polizei, alles wofür das ganze System, dieser Kapitalismus steht. Diese Demokratie ist die größte Verarsche, weil die alles so hinbiegen, wie sie wollen. Das ist alles Korruption. Das ist alles für’n Arsch. Der Kommunismus war sogar besser als diese Scheiße. Ich sage auch nicht, dass der Kommunismus die Antwort ist. Dem kleinsten Teil geht’s richtig gut, der ist reich und dem Rest geht’s richtig dreckig. Wie können diese Menschen nachts schlafen, wenn die wissen, was sie Millionen antun? Das muss vernichtet werden. Es gibt keinen anderen Weg.

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