Kex Kuhl: „Am Ende ist es nur wichtig, dass du deine Tour bespielst und die Leute deine Mucke feiern.“

Post Hardcore, Emo-Punk, vielleicht sogar Metal. Das sind die Ecken, in denen man Kex Kuhl auf den ersten Blick verorten würde. Dass der Augsburger mit Leidenschaft an Punchlines feilt und eine Vorliebe für rumpelnde Beats besitzt, wird einem erst klar, wenn man seine Musik hört. Ist man erst einmal angekommen in der Rapszene, ist es auch gar nicht so schwer dem tätowierten Vollbartträger über den Weg zu laufen. Er probiert gerne verschiedene Formate aus und hat auch schon die ein oder andere Bühne dieses Landes bespielt. Aktuell ist er mit seinen norddeutschen Kollegen OMGDIA (Dollar John & Duzoe) und Scotch unterwegs, der genauso wie Kex Kuhl am 15.04. eine Platte veröffentlicht hat. Der einzige Unterschied: Während Scotch ein Album releaste, griff Kex Kuhl zur EP – und das hat Gründe. Ein Gespräch über jene Gründe, die EP „5und30“ und Alkohol.

Wie war euer Tourauftakt im Kleiner Donner in Hamburg?

Kex Kuhl: Kleiner Donner war abgefahren, verrückt. Da gab’s alles vom Stagedive bis zum Moshpit. Die sind alle durchgedreht. Ich stehe da und performe und auf einmal kommt so ein Dude auf die Bühne und springt einfach in die Menge. Wir haben am Ende auch einfach so Kanye/Jay Z-mäßig den Toursong zwei Mal gespielt, aber der ballert auch ordentlich.

Wurde deine neue EP gut angenommen? Das Publikum konnte sie ja noch nicht wirklich hören.

Kex Kuhl: Ja, tatsächlich. Witzigerweise mache ich sowas immer während der Tour. Das letzte Mal als ich mit Rockstah auf Tour war, habe ich während der Tour releast – mega dumm. Ich hatte auch einfach keine CDs dabei. Timing ist nicht mein Ding (lacht). Aber sie kam echt gut an, es gab sogar Leute, die schon mitgesungen haben. Dabei habe ich ja erst ein Video dazu rausgebracht und das habe ich nicht einmal gespielt, da ich den Beat nicht dabei hatte. Man muss ja auch sagen, dass weniger Leute für mich da waren. Die anderen Jungs hatten ja ein Heimspiel. Mal sehen, wie’s in Augsburg wird.

 

Was steht hinter „5und30“ außer offensichtlichen Labelhass, wie auf der EP zu hören ist?

Kex Kuhl: Ich wollte 2015 zunächst ein Album machen nachdem die „Bartik“ EP rausgekommen ist. Für das Album habe ich insgesamt 35 Songs geschrieben und aus diesen Songs ist letztendlich diese EP entstanden, deshalb „5und30“. Das habe ich auch nie so erzählt. Das ist kein direkter Angriff auf irgendjemanden. Das ist eher all das, was ich 2015 aus diesem Musikmüllbusiness mitgenommen habe. Leute rufen dich nicht an und du wartest und blockst Termine und wirst einfach nur aufgehalten.

Das ist eher all das, was ich 2015 aus diesem Musikmüllbusiness mitgenommen habe. Leute rufen dich nicht an und du wartest und blockst Termine und wirst einfach nur aufgehalten.

Deshalb auch immer wieder die Schüsse gegen A&Rs und co?

Kex Kuhl: Ja, klar! (lacht) Das ist ja im Grunde auch das, was ich mache – auf dieser Platte und auch anderen Platten. Im letzten Jahr habe ich mich ziemlich intensiv mit der Musikszene auseinander setzen müssen. Wäre das alles cool ausgefallen, würde ich jetzt sagen: „Labels sind nicey!“ (lacht). Natürlich sind Labels nicht alle scheiße, es gibt mega viele gute. Aber halt auch beschissene und Leute, die das Ganze nicht aus Überzeugung machen, sondern aus – weiß ich auch nicht.

Also lieber alles selbst machen?

Kex Kuhl: Nein, das ist mega anstrengend. Einfach die richtigen Leute suchen. Ich bin auf das erste Label angesprungen, die mich angesprochen haben. Das hat halt nicht funktioniert.

Don’t Let The Label Label You, Rap Sparring, VBT,  MOT, Rap Am Mittwoch,  EPs, immer mal wieder Live-Dates – du scheinst mir recht fleißig zu sein, trotzdem kommt vergleichweise wenig Output. Würdest du mir da zustimmen?

Kex Kuhl: Das Ding ist, ich habe ziemlich viele Songs geschrieben, weil ich mein Debüt-Album rausbringen wollte, aber es kam einfach nicht zustande. Es ist auf jeden Fall was da und wenn man mich lässt, dann kommt auch was.

Dann hast du ja wieder Zeit um zu battlen. Oder nur, wenn du jemanden Komplimente machen darfst?

Kex Kuhl: Nee, weder Zeit noch Lust. Das mit dem Compliments Battle kam auch nur zustande, weil ich den Chief mag und Don’t Let The Label Label You mag und alle Leute da sehr schätze, die dahinter stehen. Ehrlich gesagt hatte der Chief auch noch einen gut bei mir, weil ich bei Rap am Mittwoch mitgemacht habe (lacht). Aber für das Compliments Battle mit Rakete habe ich mir gerne Zeit genommen, denn wir sind echt gute Freunde. Wir treffen uns, wenn es geht und reden viel miteinander und wenn ich das mit irgendjemanden mache, dann mit Rakete. Aber ansonsten werde ich keinen Fuß mehr in dieses Battle-Ding setzen.


Punchlines > Themensongs?

Kex Kuhl: Themensongs mache ich halt, wie ich Bock habe. Ich weiß, dass ich das kann, z.B. wie „Ausgehen“ auf der EP. Aber es muss halt rund werden. Wenn ich einen gut finde, dann haue ich ihn auch raus. Ich schreibe Texte generell nicht halb fertig, wenn die nichts werden, werfe ich sie weg. Ich möchte keine Phrasen dreschen. Ich würde niemals einen Themensong schreiben, nur um einen Themensong zu haben.

Das erste Album, das ich jemals besaß, kam von den Hosen. Und dabei ist es irgendwie auch geblieben. Ein kleiner Punker schlummert immer noch in mir.

Ich würde dich schon als Trueschooler bezeichnen. Viele Silben, viele Punchlines, viele Vergleiche – stört es dich, dass du auf dem ersten Blick von niemanden so wahrgenommen wirst und eigentlich immer erst Überzeugungsarbeit leisten musst?

Kex Kuhl: Das ist das absolut Beste, wenn jemand nichts von dir erwartet und du ihn dann dem Erdboden gleich machst. Oder wenn du Konzerte spielst und die Leute denken „Oh ne, jetzt kommt gleich gefühlsduseliger Emokram“ und dann haue ich da einen raus. Ich bin ja auch damit großgeworden. Als ich angefangen habe Rap zu hören, waren das K.I.Z., Snaga & Pillath usw. Davor kam ich aus dem Punkrock. Das erste Album, das ich jemals besaß, kam von den Hosen. Und dabei ist es irgendwie auch geblieben. Ein kleiner Punker schlummert immer noch in mir. Aber na klar, HipHop ist ein Teil von mir und ich kann das scheinbar ja auch ganz gut.

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