KC Rebell: „Ich sehe nur wenige auf Augenhöhe“

bildschirmfoto-2016-11-19-um-14-53-32Betrachtet man die deutsche Rapszene und deren aktuellen Stand, gibt es einige Namen, die definitiv nicht zu übersehen sind. Über die Jahre hat sich auch Farid Bang mit seinem Indie-Label Banger Musik erfolgreich etabliert und bewiesen, dass er nicht nur ein Händchen für die Musik selbst, sondern auch für aufstrebende Künstler hat.
Im Jahr 2013 hat auch KC Rebell seine Labelheimat bei Banger gefunden.
Dass diese Konstellation wie die Faust auf’s Auge passt, dokumentieren die drei erfolgreichen Alben von KC, die seitdem erschienen sind.
Dennoch kein Grund, sich auf dem Erfolg auszuruhen. Mit „Abstand“ steht das nächste Soloalbum des Esseners an. In Zuge dessen trafen wir ihn in Berlin zum Interview und sprachen mit ihm über „Abstand“, falsche Freunde, seine Freundschaft zu Kool Savas und die Analyse von Rap-Musik.

Deine kommende Platte trägt den Titel „Abstand“, woraus sich natürlich die erste Frage ergibt: Wovon suchst du Abstand?

KC Rebell: Der Titel hat für mich zwei Bedeutungen. Zum Einen brauche ich Abstand von dem ganzen Trubel. Ich habe Zeit gebraucht, um mich wieder auf das wesentliche zu konzentrieren und nicht auf Konzerte, Interviews und Promophasen. Neben der Musik habe ich noch viele weitere Aufgaben. Von all dem und den Menschen brauchte ich Abstand. Weiter habe ich den Eindruck gewonnen, dass ich in den letzten Jahren sehr ruhig geworden bin. Aufgrund des Erfolges haben mich einige Leute anders wahrgenommen als sie es tun sollten. Explizit von diesen Idioten möchte ich Abstand halten und ab jetzt greife ich wieder anders durch.

In „Leer“ sagst du: „Um mich selbst wieder zu finden, musste ich fortgehen.“ Was tust du, um Abstand zu gewinnen?

KC Rebell: Wenn ich sage, ich brauche Abstand, bin ich auch sehr konsequent. In letzter Zeit bin ich sehr viel rumgereist und hatte einige Drehs in anderen Städten. Letztes Jahr habe ich 50-60 Auftritte gespielt, habe dann abrupt damit aufgehört und beschlossen, 2016 möchte ich keinen Auftritt spielen. Um solche Musik wie ich zu machen, ist’s gut, wenn man viel erlebt und den Kopf frei machen kann.

Wie wichtig ist es denn für dich, Musik außerhalb deines gewohnten Umfeldes zu produzieren?

KC Rebell: Eigentlich habe ich schon immer so gearbeitet, dass ich meine Musik in anderen Städten gemacht habe. Seit den letzten beiden Alben mache ich meine Musik sogar komplett im Ausland aufgrund der Erreichbarkeit. Mein Umfeld weiß, ich bin nicht da und alle anderen erreichen mich nicht und ich kann mich frei machen. Außerdem führe ich eine Länderkarte und habe Bock, neue Orte zu entdecken. Deshalb habe ich zum Beispiel das neue Album in Norwegen angefangen. Das letzte Video ist in Spanien entstanden und das nächste wird in Kalifornien gedreht. In solchen Momenten bin ich froh, dass meine Musik so gut ankommt, dass ich mir diesen Lifestyle erlauben kann. Natürlich öffnet mir diese Arbeitsweise auch immer neue Türen und liefert Inspiration. Reisen ist definitiv meine Art von Abstand.

In „Leer“ sagst du, du hättest mit den Jahren das Ausmisten gelernt. Das klingt für mich nach einem ganzen Haufen falsche Freunde.

KC Rebell: Das Altern hat eine gute Sache: Man wird weiser. Man erlebt viel und wenn man ein oder zwei Mal gestolpert ist, geht man den Weg danach vernünftig. Ich habe ein enges Umfeld, mit denen ich auch schon war, bevor die Musik begonnen hat. Hier und da trifft man auch heute noch gute Leute, aber man trifft eben auch viel Müll. Es gibt viele Menschen, die an einen herantreten, weil sie einen Vorteil in dir sehen. Da muss man eben auch klar Abstand von solchen Leuten halten und ausmisten.

Die deutsche Raplandschaft ist mittlerweile sehr vielschichtig. Wo ordnest du dich ein, wie ist dein Stand?

KC Rebell: Musikalisch ist es so groß, dass sich der deutsche Musikmarkt daran orientiert. Damit meine ich nicht mich alleine, sondern ich sehe da neben mir noch sechs, sieben andere Künstler. In der deutschen Rapszene kenne mich mittlerweile alle Produzenten und alle Künstler. Ich habe meine feste Rolle, in der ich mich sehr wohl fühle. Als ich vor etwa fünf Jahren bekannt wurde, musste ich mich überall durchschnuppern und mittlerweile bin ich so gestanden, dass Newcomer zu mir kommen und Dinge wissen wollen. Das heißt, in den letzten zwei, drei Jahren habe ich mich schon etabliert.

Was macht denn die Kunstfigur KC Rebell aus?

KC Rebell: Gestern habe ich noch mit einem Kumpel darüber gesprochen: Egal, ob du dich mit mir identifizieren kannst oder nicht:

KC Rebell ist wie eine Qualitätsgarantie.

Spielst du ein Lied von mir an, selbst, wenn dich das Thema nicht bockt, kannst du nichts an der Umsetzung aussetzen. Ich bin kompromissloser geworden, was die Musik betrifft. So denke ich, dass jeder weiß, dass ich gute Musik mache und diese macht meine Person aus und nicht irgendwelche Schlagzeilen.

Was wäre denn deine Wunschwahrnehmung der Außenwelt? Immerhin kann man dich nicht ausschließlich einer bestimmten Schublade zuordnen.

KC Rebell: Die Leute sollten offen sein, was neue Musik betrifft. Um mich selbst zufrieden zu stellen, probiere ich mich im Studio oft aus. Wer mich nur als Rapkünstler wahrnimmt, hat mich nicht verstanden. Ich mache deutschsprachige Musik und Rap ist die Austragungsform, aber nicht in jeder Hinsicht. Du kannst meinem Album auch jemandem zeigen, der Pop- oder Rockmusik hört, niemand kann abstreiten, dass die Musik krass gemacht ist. Es gibt viele großartige Rapkünstler, aber in Bezug auf die gesamte deutsche Musikszene sehe ich nur wenige auf Augenhöhe.

Rekapituliert man deine letzte Alben, kann man einen kontinuierlichen Fortschritt beobachten. Wie sorgst du für diesen Fortschritt und was ist dein Anspruch an neue Projekte?

KC Rebell: Der Fortschritt kommt von Konsum. Ich höre sehr viel und entwickle mich dadurch musikalisch weiter. Mich selbst zufrieden zu stellen, wird immer schwieriger, was die Messlatte natürlich sehr hoch setzt. Rappt mir beispielsweise jemand etwas vor, sehe ich direkt eine Art Matrix vor mir und ich analysiere alles total detailliert. Das kommt dadurch, dass ich sehr lange Musik mache, entsprechend viel Zeit im Studio verbracht habe und das Handwerk beherrsche.

Stelle ich mich selbst zufrieden, habe ich mich immer verbessert.

Kannst du Musik so überhaupt noch genießen oder schaltest du direkt in den Analyse-Modus?

KC Rebell: Bis vor zwei, drei Jahren fand ich noch, dass aus meinem Camp Banger Musik die freshesten Sachen kamen. An Qualität haben wir nicht verloren, wir steigern uns sogar immer weiter. Allerdings konnte ich damals nichts anderes hören und mittlerweile ist Rap so breitgefächert, dass du auch einen guten Untergrund-Künstler findest, wenn du mal den Trap-Film fahren willst. Möchtest du in den Reggaeton-Bereich gehen, hörst du dir RAF an. Hast du Bock auf etwas rockiges, hat Casper etwas parat.

Welche Rolle spielt dein Label Banger Musik denn bei so einer Albumkonzeption?

KC Rebell: Ich habe den Vorteil, dass ich bei Banger einen Status genieße, den ich mir über die Jahre erarbeitet habe. Wollte ich in ein Musikvideo eine Viertelmillion investieren, was eigentlich total abwegig ist, hätte ich die Freiheit, das zu tun. Ich habe freie Hand, weil das Label mir vertraut und ich alles selbst entscheiden kann. Natürlich spreche ich alles mit meinem Manager ab und wir planen zusammen, dennoch entscheide ich.

Kool Savas hat dich diesen Sommer als Gast zu seinem Brainwash-Festival eingeladen. Wie hast du das Festival erlebt?

KC Rebell: Gut. Es fiel mir etwas schwer, in meinen Live-Modus zu kommen, da ich bis auf das Brainwash-Festival alle Auftritte abgesagt hatte. Das habe ich lediglich aus Freundschaft zu Kool Savas angenommen.

Du warst nicht nur auf seinem kürzlich erschienenen Mixtape „Essahdamus“ vertreten, sondern er wird auch auf „Abstand“ zu hören sein. Wann und wie hat sich diese Freundschaft zwischen euch entwickelt?

KC Rebell: Eigentlich ist die Verbindung schon über die letzten Jahre entstanden. Lange Zeit waren wir einfach befreundet ohne großartig gemeinsam Musik zu machen. Innerhalb der letzten anderthalb Jahre hat sich dann eine engere Freundschaft entwickelt. Rapper sind natürlich auch viel unterwegs, aber man besucht sich gegenseitig und geht Shisha rauchen. Jedenfalls haben wir dann Lust darauf bekommen, gemeinsam Musik zu machen und es sind direkt mehrere Sachen entstanden.

Ist er auch jemand, dem du Sachen zeigst, an denen du aktuell arbeitest? Oder welche Meinungen holst du dir während des Produktionsprozesses ein?

KC Rebell: Zwar hole ich mir Meinungen aus Interesse ein, aber sie ändern rein gar nichts an meiner Entscheidung. Wenn ich einen Album-Song angehe, schraube ich solang an ihm rum, bis er das nötige Niveau hat, um auf einem Album zu landen. Spiele ich den fertigen Song dann jemandem vor, möchte ich nicht wissen, ob er ihn auch als stark empfindet. Wem soll ich solche Songs denn auch zeigen? Wer macht denn länger und erfolgreicher Musik als ich? Wer kann es besser beurteilen als ich?

Kool Savas zum Beispiel oder Farid.

KC Rebell: Ja, ich zeige meine Sachen Farid und ich zeige sie auch Savas. Allerdings wissen beide, dass da jetzt nichts schiefes kommt, wenn ich ihnen Songs vorspiele. An deren Reaktionen habe ich Interesse, das erfreut mich sehr. Natürlich ist’s bei Farid noch einmal was anderes, da es labelintern ist. Mit ihm gehe ich auch meine Alben durch, aber auch hier redet er mir nicht rein. Es gab sogar schon einige Male die Situation, in der er mich fragte, ob ich sicher sei, dass ein bestimmter Song einschlagen würde – in jedem Fall hat er das getan, also haben wir so immer positive Erfahrungen gemacht.

Zwar hast du außer dem Brainwash Festival dieses Jahr keine Auftritte gespielt, aber in der „Abstand“ Box findet sich die „Fata Morgana“ Live DVD. Wie hast es wahrgenommen, dich selbst zum ersten Mal live zu sehen?

KC Rebell: Das ist natürlich interessant, sich das Material anzusehen. Es werden auch Erinnerungen geweckt und mir fallen Parallelen auf. Du denkst an einen bestimmten Moment und wie du ihn auf der Bühne wahrgenommen hast und jetzt siehst du ihn von außen betrachtet. Allerdings ist’s jetzt auch nicht das erste Mal, dass ich mich selbst live sehe.

So eine Live DVD ist ja immerhin schon etwas anderes als wenn jemand lediglich im Publikum mit dem Smartphone mitfilmt.

KC Rebell: Ja, genau. In jedem Fall würde ich total gern mal selbst ein Konzert von mir besuchen.

Die DVD ist im Kasten, was ist der nächste Schritt?

KC Rebell: Vorletztes Jahr habe ich angefangen, an meinem Buch geschrieben. Ende letzten Jahres war es fertig, jedoch habe ich das Projekt dann auf Eis gelegt. Es haben sich in der Zeit einige neue Dinge ergeben und ich war der Meinung, dass die aktuellen Sachen ein wesentlicher Bestandteil vom Buch sein müssen. So liegt das Projekt erstmal bis auf weiteres auf Eis.

Lass uns mal über deine Fans reden: Die sogenannte Rebell Army zeigt sich schon sehr radikal. Woher resultiert das deiner Meinung nach und was macht deine Fans aus?

KC Rebell: Meine Fans halten die Fahne extrem hoch. Ich erkläre mir das so: Meine Art von Musik ist extreme facettenreich und viele können sich damit identifizieren. Deshalb bindet es die Leute mehr an mich als an jemanden, der beispielsweise nur Battlerap macht. Weiter habe ich viele Zitate, die sich Leute haben tätowieren lassen. Was willst du dir von einem Battlerapper tätowieren lassen, eine Punchline? Treffe ich Fans auf der Straße, möchten viele auch nicht einfach nur ein Foto machen und weitergehen, sondern mir noch sagen, dass sie sich mit meiner Musik identifizieren oder mir von ihren Erfahrungen erzählen. Für die hat es echt eine krasse Besonderheit.

lch bedanke mich für das Interview – die letzten Worte gehören dir.

KC Rebell: Ich grüße die Leser. Kauft mein Album, es nennt sich „Abstand“ und erscheint am 25.11. Ab März bin ich auf Tour und ich würde mich freuen, wenn ich alle von euch dort sehe.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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