Karate Andi – “Turbo”

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Nein, „Turbo“ sorgte nicht für die neunte Erstplatzierung in Folge von Selfmade Records, denn trotz Panikorchester und Automatik-Beretta zieht Karate Andi nicht an Udo Lindenberg vorbei. Dessen ungetrübt steht nach 13 Spuren fest: Sein Debüt beim Düsseldorfer Label kann einiges, hätte aber auch hier und da einiges mehr gekonnt.

Auch auf der neuen Erscheinung stellt niemand die inhaltliche Antithese zum gemeinen Deutschrap so plakativ zur Schau wie Karate Andi. Er verkehrt die gängigen Mechanismen, wie die großspurige Selbstbeweihräucherung von Habseligkeiten und Lifestyle ins Gegenteil. So wird aus dem Benz ein Mofa, aus Dom Perignon Sternburg Export und aus dem Nobel-Club in Saint-Tropez die Neuköllner Eckkneipe. Halb so aufsehenerregend, wenn Karate Andi nicht ein Meister der Reimkunst wäre. Abermals schafft er es, Sinnhaftigkeit und Trademark-Humor in die dichte Reimstruktur einzuflechten. Allerdings neigen die Schemata zur Wiederholung, so dass sich vor allem das Ende „Turbos“ an der eigenen Vorhersehbarkeit aufreibt. Mit geballter Unterstützung von den Produzenten Bazzazian und Farhot, aber auch von Featuregästen wie Niko K.I.Z. besetzt Deutschraps gefragtester Feature-Gast seine Platte wie erwartet hochkarätig. Und obwohl die Produktionen dem Image Karate Andis wie auf den Leib geschnitten wurden, halte ich den musikalischen Teil für die Achillesferse der Platte. Zweifelsfrei zeugt es von einem ganz eigenen Reiz, das Neuköllner Schmuddel-Image mit Düsseldorfer Hochglanz-Produktionen zu fusionieren. Dennoch ließe sich die Kunstfigur Karate Andi interessanter gestalten, wenn sie sich durch einen innovativeren Entwurf vom musikalischen Nukleus des deutschen Rap 2016 entfernen würde.

Karate Andi und Selfmade Records gehen auf Nummer sicher und erfüllen mit „Turbo“ alle Erwartungen. Das garantiert einerseits die Gunst der Fans, andererseits stelle ich, seit seines ersten „Rap am Mittwoch“-Gewinns, keine weitreichende künstlerische Entwicklung fest. Es wäre wünschenswert, wenn die folgende Platte Karate Andi vom Licht des Battle-Rappers in das Licht eines Battle-Künstlers stellen würde, denn der Grundstein ist mit dem großartigen Song „Flatrate“ bereits gelegt.

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Seit 2014 Album-Kritiker an Bord der BACKSPIN, angeheuert als Reinkarnation Marcel Reich-Ranickis: „Ich kann nicht anders, ich muss einfach nörgeln“.
Hanfosan

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